EIN-Spruch: Halloween
Die Zeit der Grusel-Deko ist wieder da. In Schaufenstern und Vorgärten treiben Geister, Spinnen und grinsende Kürbisse ihr schwarz-weiß-oranges Unwesen: Halloween. Vor 25 Jahren war das bei uns kaum bekannt – inzwischen hat das Fest aus Amerika seinen Siegeszug angetreten. Der freie Tag am 1. November musste offenbar gefüllt werden. Der Allerheiligen-Blick in den Himmel, der Allerseelen-Gang zu den Gräbern – beides hat an Bedeutung verloren. Stattdessen: Halloween-Partys mit Zombies, Skeletten, Totengräbern und Hexen.
Seit vielen Jahren gibt es am Abend vor Allerheiligen bei uns einen stillen Abend: Anbetung mit Musik und Text, mit Licht und vielen Lichtern – ruhig werden, vor Gott da sein dürfen, so wie man eben kommt. Dieses Jahr zum ersten Mal wieder in der renovierten St.-Laurentius-Kirche. Den Gästen auf dem Marktplatz wird eine Kerze geschenkt – mit der Einladung, sie in der Kirche anzuzünden. Viele tun es, erstaunt, wie schön es in der Kirche ist: so hell, so offen, so beruhigend.
Gleich nebenan, im Bürgerzentrum auf dem Marktplatz, steigt dieses Jahr die „XXL-Halloween-Party Vol.4“. Bekannte Musiker und energiegeladene DJs versprechen „eine fette Mischung aus Partybeats, Club-Sounds und Live-Performance – garantiert Abrissstimmung!“
Ich bin gespannt, was passiert, wenn Partygäste mit der Kerze in der Hand über den Platz gehen und in die Kirche kommen. Wenn sie die ganz andere Atmosphäre spüren – Licht statt Dunkel, Stille statt Lärm, Annahme statt Maskerade. Und was passiert, wenn die Kirchenbesucher einen Geist durch den Mittelgang huschen sehen.
Und was würde Jesus sagen, wenn Hexenmeister, Geister und Vampire zu ihm kämen? Ich kann mir nur vorstellen, dass er sie einlädt – und sich freut. Denn ihm ist jeder Mensch willkommen, so wie er ist: egal, wie jemand aussieht oder was er im Herzen trägt.
Er sagt: Ich will, dass du bist.
Jörg Meyrer
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