Allgemeine Berichte | 06.07.2026

EIN-Spruch: Wann haben wir Schönheit verlernt?

Sebastian Walter.  Foto: privat

Beim Scrollen durch Instagram begegnet einem derzeit eine Frage: „Wann haben wir aufgehört, schöne Dinge zu bauen?“ Zu sehen sind verzierte Regenrinnen, schmiedeeiserne Geländer oder geschmückte Fassaden – daneben funktionale Lösungen unserer Zeit. Nostalgie? Vielleicht. Aber der Trend trifft einen Nerv.

Oft scheint heute vor allem zu zählen, dass etwas schnell, günstig und praktisch ist. Schönheit wirkt dabei wie ein Luxus, den man sich leisten kann – oder eben nicht.

Einspruch! Weder wird die Zukunft besser, wenn wir alles Alte konservieren, noch wenn wir alles Alte entsorgen. Eine Gesellschaft verliert etwas, wenn sie Schönheit nur danach bewertet, ob sie unmittelbar nützlich ist.

Gerade beim Wiederaufbau nach der Flut stellt sich diese Frage. Natürlich müssen Gebäude sicher, funktional und barrierefrei sein. Aber reicht das? Orte bestehen eben nicht nur aus Mauern und Straßen - sie leben von Atmosphäre und Erinnerung.

Ein schönes Beispiel ist ausgerechnet die neu gestaltete Pfarrkirche St. Laurentius. Fünf Jahre nach der Flut wurde sie unter dem Leitwort „Zurück für die Zukunft“ wiedereröffnet. Mittelalterliche Fresken wurden freigelegt, zugleich entstand ein barrierefreier und flexibel nutzbarer Kirchenraum. Das Grundprinzip überzeugt: Schönheit und Zukunft gehen Hand in Hand.

Vielleicht steckt genau darin ein christlicher Gedanke. Denn auch der Glaube fragt nach dem Wert an sich. Schönheit ist mehr als Dekoration. Sie erinnert daran, dass Menschen und Orte Würde besitzen.

Der Instagram-Trend blickt sehnsüchtig zurück. Der Wiederaufbau im Ahrtal muss mehr können: nicht Vergangenes kopieren, aber Schönheit mitdenken. Denn Zukunft entsteht nicht nur dort, wo wieder etwas steht, sondern dort, wo Menschen sich wieder beheimatet fühlen.

Über EIN-Spruch

EIN-Spruch ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sebastian Walter ist Theologe und ehrenamtlich in der Pfarrei engagiert.

Sebastian Walter. Foto: privat

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