Allgemeine Berichte | 11.03.2026

EIN-Spruch: Wenn draußen alles bröckelt

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat

Die Welt kommt mir vor wie ein Haus, in dem plötzlich überall Risse entstehen. Erst ein feiner Spalt in der Wand, dann bröckelt der Putz – und irgendwann kommt die Frage: Hält das alles noch?

Der Krieg im Iran ist ein weiteres Zeichen solcher Risse. Viele Beobachter sprechen davon, dass hier das Völkerrecht gebrochen wird – ein Fundament, das eigentlich verhindern soll, dass Konflikte wieder mit Bomben statt mit Worten entschieden werden. Was gilt noch über den Mächtigen, wenn das Recht außer Kraft gesetzt wird?

Gewissheiten geraten ins Wanken. Regeln und Gesetze werden relativiert. Drohungen werden lauter. Es ist eine verrückte Zeit.

Das Beunruhigendste ist nicht einmal der einzelne Konflikt. Es ist das Gefühl, dass die Ordnung der Welt brüchig geworden ist. Dass das Außen unsicherer wird.

Gerade dann stellt sich eine alte Frage: Worauf verlassen wir uns eigentlich?

Die christliche Tradition gibt darauf eine überraschende Antwort. Nicht zuerst auf das, was draußen geschieht. Sondern auf das, was innen trägt.

Der Psalmbeter schreibt: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke, ein starker Helfer in allen Nöten.“ Das ist keine Flucht aus der Realität. Kriege bleiben Kriege. Unrecht bleibt Unrecht. Christen haben allen Grund, ihre Stimme zu erheben, wenn Menschenleben zerstört und Regeln und Gesetze gebrochen werden. Aber zugleich erinnert der Glaube: Der Mensch lebt nicht nur von der Stabilität der Weltordnung, sondern auch von der Stabilität seines Herzens. Vielleicht brauchen wir genau das in diesen unruhigen Zeiten. Menschen, die innerlich fest stehen. Die sich nicht von Angst und Sorgen treiben lassen. Die dem Zynismus widersprechen. –

Am kommenden Sonntag wählen wir einen neuen Landtag und in unserer Stadt einen neuen Bürgermeister. Auch das ist ein Stück Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft. Demokratie lebt davon, dass Menschen ihr Gewissen gebrauchen und ihre Stimme abgeben.

Wir können die Logik der Angst nicht auf der Bühne der Weltpolitik durchbrechen. Der Einspruch beginnt leiser. Im Gewissen. Im Gebet. Und vielleicht auch in der Wahlkabine. Mit einer Stimme für Freiheit und Demokratie.

EIN-SPRUCH ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Jörg Meyrer ist seit 23 Jahren Pfarrer Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat Foto: Markus

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