Kameradschaft der Ehemaligen im Raum Vordereifel informiert sich in Andernach zur Entstehung der Bundeswehr
Ehemalige besuchen „Wiege der Bundeswehr“
Andernach. Die Kameradschaft der Ehemaligen im Raum Vordereifel des Deutschen Bundeswehrverbandes besuchte kürzlich die Ausstellung „Wiege der Bundeswehr“ in Andernach. Für manchen Teilnehmer war es ein Wiedersehen mit dem Ort, wo er vor Jahrzehnten als Soldat mit in Reih und Glied gestanden hatte. Oberstleutnant a. D. Dieter Ulrich Schmidt begrüßte die Besucher vor dem Kasernentor und führte sie durch ein Dutzend Stationen des Museums, das in der einzigen erhaltenen Holzbaracke des früheren Truppenlagers Andernach untergebracht ist.
Inhaltlicher Kern der Ausstellung sind etwa 100 auf Film festgehaltene Interviews mit Zeitzeugen zu den Gründungsjahren der Bundeswehr, darunter auch einige Zivilpersonen. Bei der Darstellung von Einzelthemen spielte Schmidt jeweils Aussagen und Erzählungen der Zeitzeugen auf den Bildschirmen ein.
Inhaltlich im Vordergrund stand die Erinnerung an den 20. Januar 1956, auch „Tag von Andernach“ genannt. An diesem frostigen Wintertag begrüßte der Bundeskanzler Konrad Adenauer im Truppenlager zum ersten Mal die noch zahlenmäßig kleine, angetretene Truppe der neuen deutschen Streitkräfte, welche zu diesem Zeitpunkt noch keinen offiziellen Namen hatte. Wie Dieter U. Schmidt ausführte, war es die Absicht des Kanzlers, den eingeladenen Militärattachés der verbündeten NATO-Staaten zu zeigen, dass Deutschland es mit seiner Verteidigungsbereitschaft ernst meint. Damit sollte das außenpolitische Gewicht der Bundesrepublik gestärkt und gegenüber den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges mehr Souveränität erlangt werden. Nicht eingeladen waren hingegen der Bundespräsident und Vertreter des Bundestages. Ein typischer Zeitzeuge, der spätere Generalmajor Anton Steer erzählte hierzu in einen Videoclip, wie er als einfacher Soldat in der ersten Reihe der angetretenen Truppe unmittelbar vor Adenauer gestanden hatte. Die Rede des Kanzlers sei klar, verständlich und einprägsam gewesen.
Eine andere Episode, bei dem die Gäste interessiert zuhörten, war das zwischen 1955 und 1957 laufende Auswahlverfahren für ehemalige Obersten und Generale der Wehrmacht, die sich für den Dienst in den neuen Streitkräften beworben hatten. Ein eigens gebildeter „Personalgutachterausschuss“ entschied auf Eignung oder Nichteignung, wobei das Verhalten der Bewerber während der Zeit des Nationalsozialismus großes Gewicht bei der Entscheidungsfindung hatte. Von den abgelehnten Kandidaten– so Schmidt - legte nur ein früherer Oberst Widerspruch ein.
Die Präsentation machte der Besuchergruppe deutlich, dass die Aufstellung des ersten Truppenteils 1956 im damaligen Truppenlager Andernach mit Alltagsproblemen überhäuft war. Dies begann mit der rustikalen Unterbringung und gipfelte in der mangelhaften Bekleidung und Ausstattung, die besonders bei frostigem Wetter im Gelände als Kälteschutz unzureichend war. Damalige Inspizienten wunderten sich, dass niemand im Beschaffungswesen auf die Erfahrungen der Wehrmacht bei Winterfeldzügen zurückgegriffen hatte. Ausgebildet wurden die Soldaten an amerikanischen Handfeuerwaffen, da es noch kein entsprechendes Gerät aus deutscher Produktion gab. Personal der US-Armee half bei der Einweisung, die allerdings auch von Schwierigkeiten bei der sprachlichen Verständigung geprägt war.
Gezeigt wurde das Originalfenster im Eingangsbereich der ehemaligen Stabsbaracke, an dem die ersten Freiwilligen 1956 zum Dienstantritt ihre Einberufungsbescheide abgaben. Das Mobiliar einer Rechnungsführer-Zahlstelle aus dem Jahr 1957 kam vielen Ehemaligen der Kameradschaft bekannt vor.
Wie Ulrich Schmidt gegenüber seinen Gästen ausführte, waren die neuen Soldaten in Andernach zunächst gar nicht gern gesehen. Das änderte sich schlagartig mit dem Hilfseinsatz der Truppe beim nächsten Rhein-Hochwasser.
Das Museum und militärgeschichtliche Sammlung „Wiege der Bundeswehr“ wurde am 20. Januar 2016 eröffnet. Im Jahr 2022 hat Dieter Ulrich Schmidt etwa 120 Besuchergruppen durch die Ausstellung geführt.
Pressemitteilung
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