Dritte Buchpatenschaft der Kreissparkasse Mayen für die Eifelbibliothek
Eifelbibliothek wird bei Restaurierung des historischen Literaturbestandes unterstützt
Mayen. Großer Bahnhof im Eifelmuseum auf der Genovevaburg in Mayen: Anlässlich der Vorstellung der dritten Buchpatenschaft der Kreissparkasse Mayen konnte der Hauptkulturwart des Eifelvereins, Prof. Dr. Wolfgang Schmid eine Spende aus der Hand des KSK-Vorstandsvorsitzenden Karl-Josef Esch entgegennehmen.
Als weitere Gäste begrüßte Prof. Dr. Wolfgang Schmid den Landrat Dr. Alexander Saftig als Vorsitzenden und Lea Bales als Geschäftsführerin der Bezirksgruppe des Eifelvereins, sowie Wolfgang Reppenhagen als Bezirkswegewart.
Weitere Gäste waren Joachim Rogalski, Vorsitzender der Ortsgruppe Mayen des Eifelvereins, und Hans Schüller, Vorsitzender des Geschichts- und Altertumsvereins Mayen. Weiter konnte er den Direktor des Eifelmuseums, Dr. Bernd C. Oesterwind, sowie Kathrin Heyken, Laura Huth und Dr. Wolfgang Zäck vom Team der Bücherei begrüßen.
Werk aus dem 17. Jahrhundert restauriert
KSK Vorstand Karl-Josef Esch gratulierte den Anwesenden zur abgeschlossenen Restaurierung des historisch bedeutenden Werkes von Autor Johann Ludwig Gottlieb aus dem 17. Jahrhundert und übergab einen symbolischen Spendenscheck über 1450 Euro an die Eifelbibliothek, auf deren Initiative die Restaurierung des historischen Buches in Angriff genommen werden konnte.
Die Eifelbibliothek auf der Genovevaburg in Mayen sammelt die komplette landeskundliche Literatur für die gesamte Eifel. Sie besitzt zudem wertvolle Altbestände, an denen der Zahn der Zeit genagt hat und für deren Restaurierung die Kreissparkasse Mayen schon zweimal eine Buchpatenschaft übernommen hat. „Die alten Bücher sind nicht nur wertvolle Kunstwerke und erhaltenswerte Bestandteile des kulturellen Erbes unserer Region, sondern auch wichtige Geschichtsdokumente“, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Schmid bei der Begrüßung. „Jetzt konnte das im Krieg massiv beschädigte Werk „Historische Chronick oder Beschreibung der merckwürdigsten Geschichte“, eines der Hauptwerke von Johann Ludwig Gottlieb aus dem Jahre 1642 restauriert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden“, führte Prof. Dr. Wolfgang Schmid weiter aus.
Der Autor Johann Ludwig Gottlieb wurde um 1584 geboren, studierte in Heidelberg Theologie und war dann Pfarrer der reformierten Gemeinde in Offenbach am Main. In Oppenheim, knüpfte er Kontakte zu dem Verleger Johann Theodor de Bry, für den er als Lektor, Übersetzer und Autor tätig war. Als Gottliebs Hauptwerk ist die „Historische Chronick oder Beschreibung der merckwürdigsten Geschichte“ in zwei Bänden erschienen, von denen die Eifelbibliothek den ersten Band besitzt.
Gottliebs „Historische Chronica“ war das populärste Werk der deutschsprachigen Geschichtsschreibung des 17. und 18. Jahrhunderts. Wissenschaftsgeschichtlich gesehen ist sie die letzte der sogenannten Weltchroniken, die die Geschichte der Menschheit als Heilsgeschichte deuten. Heute ist dieses Werk nur noch in ganz wenigen Bibliotheken vorhanden. Die Universitätsbibliothek Duisburg hat es digital zugänglich gemacht. Im Antiquariatshandel ist der Band nicht zu bekommen, sodass sich der materielle Wert nicht beziffern lässt.
Ein Buch in vielen Hinsichten als Geschichtsdenkmal
„Unser Buch ist aber noch in anderer Hinsicht ein Geschichtsdenkmal“ betonte Prof. Dr. Wolfgang Schmid. „Nach der Signatur und den Besitzstempeln zu urteilen, gehört es zum Altbestand der Eifelbibliothek.
Am 25. August 1942 traf eine Luftmine den städtischen Gaskessel in der Nähe der Genovevaburg und verursachte eine gewaltige Explosion. Es gibt einen Bericht von Studienrat Ernst Nick, der die Bibliothek seinerzeit betreute, wonach Fenster und Wände eingedrückt wurden und er die Bücher aus den Trümmern aufgelesen hat. Studienrat Nick warf den beschädigten Band nicht weg, sondern deponierte ihn mit weiteren Dokumenten in einem Regal, wo er erst 2015 bei Aufräumarbeiten gefunden werden konnte. Er war im Katalog nicht verzeichnet, die Signatur wurde neu vergeben“ erklärt Schmid weiter. „Durch den Bombentreffer wurde der Buchblock aus seinem Einband gerissen. Das Titelblatt ging wohl schon früh verloren, der Titel, die Namen des Autors und des Kupferstechers stehen handschriftlich auf dem Vorsatz. Beträchtliche Schäden verursachte ein Bombensplitter, der sich durch den Buchdeckel gebohrt und dann viele Blätter durchstoßen hat, bevor er stecken blieb. Hinzu kommen die üblichen Benutzerspuren aus drei Jahrhunderten: Blätter wurden geknickt und eingerissen, Ausklapptafeln beim häufigen Auseinanderfalten beschädigt. In vielen Arbeitsstunden wurden jetzt die Löcher und Risse mit Japanpapier hinterlegt und der Buchblock neu gebunden. Der Band besitzt jetzt wieder seinen noch aus dem 17. Jahrhundert stammenden, mit einer aufwendigen Blindprägung verzierten Einband. Gottliebs Chronik ist somit nicht nur das bedeutendste deutschsprachige illustrierte Werk der Geschichtsschreibung des 17. Jahrhunderts, das einen breiten Leserkreis erreichte, sondern auch ein Geschichtsdokument für das Schicksal der Eifel im Zweiten Weltkrieg. Während die Häuser längst wieder aufgebaut sind, zeigt es exemplarisch, wie viele Kulturgüter damals zerstört bzw. beschädigt worden sind“, so Wolfgang Schmid abschließend.
Über die gelungene Restaurierung des historischen Werkes aus dem 17. Jahrhundert freuten sich: Dr. Bernd C. Oesterwind, Joachim Rogalski, Katrin Heyken, Dr. Wolfgang Zäck, Laura Huth, Prof. Dr. Wolfgang Schmid, Dr. Alexander Saftig, Wolfgang Reppenhagen, Karl-Josef Esch, Hans Schüller und Lea Bales. Foto: privat
