Allgemeine Berichte | 31.05.2022

Ein Beitrag zur Heimatgeschichte von Autor Werner Schüller

Eifelgold: die goldgelb blühenden Ginsterbüsche

In Ramerbach ist das Ortsschild von Ginster umrahmt.  Foto: Werner Schüller

Wo gibt es bei einer Wanderung oder einer Fahrt durch die Eifel von Mai bis Juni einen schöneren Anblick als die goldgelb blühenden Ginsterbüsche, die an den Wegrändern, in den Steillagen der Weinberge wachsen oder sich an die kargen Eifelhänge anschmiegen? Das Eifelgold.

Bei der Pflanze handelt es sich um den gemeinen Besenginster, wie er von den Botanikern auch genannt wird. Er ist eine der bekanntesten Wildpflanzen unserer rauen Eifelheimat.

Ginster, (ahd.) „genester“ wächst fast überall in Deutschland. Aber die liebevolle Bezeichnung „Eifelgold“ ist nur hier in der Eifel zum Markennamen geworden.

Diesen Namen verdankt der goldgelbblühende Strauch wohl den Dichtern und Landschaftsmalern der Eifel, wie z. B. Fritz von Wille und Pitt Kreuzberg, die das goldene Blumenmeer des ausgehenden Frühlings mehrfach auf die Leinwände zauberten.

Auch die Eifeldichter, wie Klara Viebig und Heinrich Ruland, haben die Schönheit des „Eifelgold“ in ihrer Poesie und Prosa lebendig werden lassen. Wer allerdings der Erfinder der poetischen Bezeichnung Eifelgold war, wird letztlich steht’s im Dunkeln bleiben.

Sogar der bekannte Verfasser der Eifelkrimis Jacques Berndorf hat eines seiner Werke mit „Eifel-Gold“ betitelt.

Besenginster der in voller Blüte für den fremden Wanderer eine Augenweide ist, war in vergangener Zeit für den hart arbeitenden Eifelbauer eher ein Gebrauchsgegenstand. Ginsterbüsche konnte man gut zum Besenbinden verwenden. Die Besen aus Ginster gefertigt waren mit ihren feinen Ästchen neben dem Besen aus Birken für das Reinigen von Hof, Haus und Stall sehr gut geeignet. Auch wurde Ginster in früherer Zeit zum decken von Dächern, meist von Nebengebäuden verwendet. Man konnte sogar ganze Wände als Sichtschutz z.B. für das Klo im Hof damit flechten. Trockener Ginster diente zum Anfeuern für Herd, Backofen und Viehkessel.

Weil Ginster leicht giftig ist, (viele seiner Pflanzenteile enthalten Alkaloid) und dem Vieh, schaden kann, hatte er für Streu und Futter in der Landwirtschaft keine Bedeutung.

In bäuerlichen Kreisen wurde oft der Flurschütz etwas abwertend Jensteföschte (Ginsterförster) genannt.

Im Eifelland, wo man zu Fronleichnam Blumenteppiche an die Altäre streut, waren und sind abgestreifte Ginsterblüten beliebt. Die gelben Ginsterblüten in Verbindung mit frischen hellgrünen Tannenspitzen ergeben ein schönes Dekor.

Die goldgelben Ginsterblumen zieht jedes Jahr Naturfreunde von Nah und Fern sowie Eifelwanderer in den Bann, denn es gibt kein Westerwaldgold, kein Taunusgold, kein Hunsrückgold. Es gibt nur ein „Eifelgold“.

Werner Schüller

In Ramerbach ist das Ortsschild von Ginster umrahmt. Foto: Werner Schüller

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