Allgemeine Berichte | 30.01.2019

Vortrag zu Wachtbergs Geburt am 1. August 1969

Eigenständigkeit war das Ziel

Michael Mertes vom Heimatverein erinnert an die kommenden Vorträge und den Veranstaltungskalender.Fotos: CEW

Pech. Nicht immer herrscht eitel Sonnenschein, wenn sich viele Menschen zu einem Projekt zusammentun wollen oder müssen. Das war auch bei der Bildung der Gemeinde Wachtberg in den sechziger Jahren nicht anders. Es gab selbstverständlich die Stimmen, die sich nicht gern der großen Ländchengemeinde anschließen wollten und lieber ihr Glück im Anschluss an die benachbarten Städte gesucht hätten. Die große Mehrzahl aber hatte Sorge um die Eigenständigkeit der Dörfer, deren Einschränkung sie mit einem Anschluss an Bonn oder Meckenheim befürchteten.

Aus diesem Grund orientierten sich die politischen Kräfte in den einzelnen Orten des heutigen Wachtbergs innerhalb recht kurzer Zeit in Richtung einer eigenständigen Gemeinde. Somit wurde im Zuge der Neuordnungen im Raum Bonn am 1. August 1969 offiziell die Gemeinde Wachtberg ausgerufen. Warum es dieser Änderung überhaupt bedurfte, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur in den fünfziger und sechziger Jahren. In manchem Ort wuchs durch den neuen Hauptstadtstatus der Nachbarstadt Bonn die Bevölkerung auf mehr als das Doppelte. Es fehlte an Schulplätzen, Wohnungen, ausreichender Wasserversorgung und tatsächlich auch an Friedhofsplätzen. Die Infrastruktur aufzubauen, war demnach eine der ersten und wichtigsten Aufgaben der neuen Gemeindestruktur.

Allerdings gab es einen kleinen Haken bei der Sache. Zwar wurde nämlich Wachtberg am 1. August 1969 Rechtsnachfolgerin des Amtes Villip und schloss die Orte Arzdorf, Adendorf und Fritzdorf ein, aber es gab weder einen Bürgermeister noch einen Gemeinderat. Damit trotzdem die drängendsten Entscheidungen getroffen werden konnten, wurde in Düsseldorf ein abenteuerliches Konstrukt geschaffen. Bis nämlich Josef Bedorf als erster Bürgermeister Wachtbergs über drei Monate später offiziell zum Bürgermeister gewählt wurde, führte eine Art Ein-Mann-Parlament die Geschicke Wachtbergs. Bezeichnet wurden sie mit als „Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Rates Beauftragter“ oder „Mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Gemeinde Beauftragter“. Tatsächlich entstanden in dieser Zeit Stempel, die den Aufdruck M.d.W.d.G.d.R. oder aber auch M.d.W.d.G.d.G. auf jedes offizielle Dokument pressten.

Das explosive Bevölkerungswachstum sollte sich bis in die heutige Zeit mit schwankenden Höhen fortsetzen. In dem 1950 mit 480 Einwohnern noch recht beschaulichen kleinen Ort Pech lebten 1961 bereits 1099 Menschen. Im vergangenen Jahr wurden in dem an Bonn direkt angrenzenden Dorf bereits über 2700 Hauptwohnsitze gezählt. Die Gesamtgemeinde Wachtberg ist in den 50 Jahren ihres Bestehens auf über 20.000 Einwohner angewachsen, was vereinzelte Stimmen schon veranlasste, nach Stadtrechten zu rufen. Die Aufgabe, aus so vielen neuen Bürgern und den ursprünglichen Bewohnern und Strukturen eine Gesamtgemeinde zu machen, war nicht ausschließlich mit infrastrukturellen Maßnahmen getan. Sinn einer Gemeinschaft ist immer auch, dass Menschen miteinander kommunizieren, Zeit und Interessen miteinander teilen. Die Gelegenheiten dazu galt es ebenfalls zu entwickeln. Ein Blick auf das rege kulturelle Leben im Drachenfelser Ländchen zeigt das Gelingen vieler Bestrebungen des Zusammenwachsens. Kunst und Kultur haben hier ihren Platz, Musik, Brauchtum, Volksfeste und Vereine wie eben der Pecher Heimatverein einer ist. Im Rahmen der Pecher Winterakademie bietet der Verein nicht nur den Pechern, sondern allen Wachtbergern die Gelegenheit, sich über aktuelle Themen umfassend zu informieren und sich auszutauschen. Die kommenden Vorträge befassen sich am Mittwoch, 20. Februar, um 19.30 Uhr in der Pecher Gnadenkirche (Am Langenacker) mit dem Thema „Pflanzenschutz und nachhaltige Pflanzenproduktion – ein Spannungsfeld“ mit dem Referenten Prof. Dr. Bernd Böhmer und am Mittwoch, 20. März, zur gleichen Zeit am gleichen Ort mit der Frage „Gibt es eine Deutsche Leitkultur?“ mit Referent Michael Mertes.

Im Buch der Referentin Barbara Hausmanns sind Historien und Histörchen aus Wachtberg zu finden.

Im Buch der Referentin Barbara Hausmanns sind Historien und Histörchen aus Wachtberg zu finden. Foto: Petra Reuter

Michael Mertes vom Heimatverein erinnert an die kommenden Vorträge und den Veranstaltungskalender.Fotos: CEW Foto: Petra Reuter

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