12. Christopher-Street-Day in Koblenz gefeiert

Ein CSD zwischen Politik und Party

Mehrere hundert Menschen erinnern bei CSD-Demo an Aufstand vor 50 Jahren

20.08.2019 - 13:04

Koblenz. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 markiert den historischen Ursprung des Christopher-Street-Days (CSD). 50 Jahre ist es nun her, dass sich in New York erstmals Homosexuelle sowie Transsexuelle gegen die willkürlichen Razzien der Polizei auflehnten und Widerstand leisteten. Die damaligen Ausschreitungen in der New Yorker Christopher Street sind Anlass für die CSDs und Prides auf der ganzen Welt. Aus diesem Grund muss es für die Veranstalter des CSD in Koblenz, der Verein zur Förderung des Koblenzer Christopher Street Days e.V., wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein, als diese Kenntnis von der Pressemitteilung der Stadtratsfraktion der Linken erhielten.


Nicht an Kritik sparend wurde den CSD-Organisatoren in der Mitteilung u.a. vorgeworfen, der CSD sei fast ausschließlich zu einer kommerziellen Spaßveranstaltung geworden. So ginge der Verkauf von Getränken vollständig in einen privaten Geldbeutel und die politischen Inhalte würden kaum noch Platz finden.

Benjamin Merkler, Vorsitzender vom Verein zur Förderung des Koblenzer Christopher Street Days e.V., erklärte hierzu: „Ich denke, der politische Aspekt kommt nicht zu kurz, aber man muss eben auch unterhalten und es geht ja auch darum zusammen mit der Bevölkerung zu feiern, was super gelungen ist. Alle Altersstufen, egal ob hetero oder homo, alle haben zusammen gefeiert und dieses gesellschaftliche Zusammenwachsen ist ja auch ein Wert.“

Der Vorwurf der Kommerzialisierung und Intransparenz des CSD weist Merkler im Interview klar zurück: „Es muss halt eben auch finanziert werden und wir haben da den klaren Anspruch mit Unternehmern aus den eigenen Reihen zu arbeiten und haben nun mal hier vor Ort einen Szene-Veranstalter. Natürlich ist er Unternehmer aber er macht nicht nur den Getränkestand, er zahlt auch die Bühnentechnik, er zahlt die Bühne, er ist mit dabei in den Vorbereitungen und macht das Layout für unser Programmheft und die Plakate, sodass da auch zwischen uns in der Kommunikation Transparenz herrscht.“

Die Kritik richtet sich in diesem Zusammenhang auch hinsichtlich der Angebote auf dem Straßenfest. So sei es für die Besucher des CSD nicht klar erkennbar, dass Einnahmen von Essen und Getränken nicht dem Verein zu Gute kommen. Einzig und alleine der Verkauf der Schängelbändchen oder anderer Dinge am Stand des Vereins würden direkt in dessen Kasse fließen.


CSD-Demo bestens besucht


Die Demo am Samstagnachmittag im Vorfeld des CSD wurde nicht vom Verein, sondern in diesem Fall von Patrick Zwiernik (Mitglied der Grünen) und Oliver Antpöhler (Fraktionsvorsitzender der DIE LINKE. Stadtratsfraktion Koblenz) organisiert. An dem Demonstrationszug nahmen in diesem Jahr 13 Gruppen teil, darunter Parteien, Gruppen aus der Szene wie z.B. Route66 aus Trier oder gesellschaftliche Gruppen wie „Fridays for Future“. Der Demonstration zum nunmehr 12. CSD in Koblenz hatten sich mehrere hundert Menschen angeschlossen und damit schätzungsweise so viele Menschen wie noch nie zuvor. Unter den Demonstranten auch Vertreter vom Haus Metternich in Koblenz. Fabian Weber und seine Mitstreiter wollten auf diesem Wege Werbung für eine neue queere Jugendgruppe machen. Der Jugendtreff für 13- bis 17-Jährige findet jeden Montag um 17 Uhr im Haus Metternich statt und sollte so noch einmal in die Öffentlichkeit getragen werden. Darüber hinaus war es den Teilnehmern der CSD-Demo wichtig, ein Zeichen für Vielfalt und Menschlichkeit zu setzen.


Mehr Akzeptanz innerhalb der Community gefordert


Unter dem Motto „Come (out) as you are … doch seit 50 Jahren geht’s nur um Alter und Klamotten“ fand das CSD-Straßenfest mit Infoständen von Parteien, Vereinen und Institutionen rund um die Liebfrauenkirche statt.

„Koblenz sei eine weltoffene und liberale Stadt, in der sich alle Menschen wohlfühlen sollen“, äußerte sich Oberbürgermeister David Langner, der die Schirmherrschaft des CSD übernommen hatte.

Benjamin Merkler hatte auf der CSD-Bühne den Hintergrund des diesjährigen Mottos näher erläutert. Es sei an der Zeit nochmals zur gegenseitigen Akzeptanz innerhalb der Community aufzurufen. Viel zu oft würden heute in den eigenen Reihen Menschen aufgrund von körperlichen Merkmalen ausgegrenzt. Der Forderung, die die Community an die Gesellschaft stelle, werde man so untereinander selbst nicht gerecht.


Wie viel Politik steckt noch drin?


Nach der Auftakt-Moderation durch Dörthe Dutt hatte Patrick Zwiernik als Organisator der CSD-Demo das Mikrofon ergriffen. In der Abschlusskundgebung hatte Zwiernik gemahnt, wie wichtig es sei auf dem CSD politisch zu bleiben: „Es kann nicht sein, dass wir nicht mehr die Möglichkeit haben unsere Forderungen an die Politik zu adressieren. Es muss auch die Möglichkeit weiterhin geben, in die Diskussion zu treten.“

Hintergrund dieser Äußerung war der Programmpunkt der Podiumsdiskussion. In der Vergangenheit hatten im CSD-Programm Vertreter der im Stadtrat vertretenen Fraktionen die Möglichkeit, zu queeren Themen Stellung zu beziehen. Dies war in diesem Jahr nicht so, stattdessen hatten sich die Organisatoren dazu entschlossen eine Expertenrunde zum Thema „Gender Mainstreaming in der Praxis“ zu veranstalten.


Gleichstellung auf allen Ebenen


Julia Aron, stellvertretende Leiterin des Gleichstellungsbüros der Hochschule Koblenz, Tristan Dingendorf vom Arbeitskreis „Queer“ der Studierendenvertretung der Uni Koblenz, Lea Bales, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Mayen-Koblenz, Historikerin Kirsten Plötz und Julia Monro vom Vorstand Bundesverband Trans diskutierten zusammen mit Benjamin Merkler vom CSD-Verein über Maßnahmen für eine geschlechtergerechte Barrierefreiheit.

„Das tatsächlich die Verwaltung, der Staat dazu verpflichtet ist, für die Gleichheit der Geschlechter einzutreten und zwar überall. Das ist an sich ein ziemlich sensationelles Unterfangen und wenn wir uns umgucken im Alltag stellen wir fest, da ist auch noch eine Menge zu tun“, beschreibt Historikerin Kirsten Plötz die aktuelle Situation.

„Es gibt ja nicht nur Mann oder Frau, es gibt nichtbinäre Menschen, es gibt Menschen die kein Geschlecht oder mehrere Geschlechter haben und noch mehr. Das alles einzuschließen ist eben noch ein wichtiger Punkt“, ergänzte Tristan Dingendorf.

„Vielleicht ist auch nochmal wichtig, es geht nicht darum, die Geschlechter zu problematisieren, sondern dahinter zu schauen, die Strukturen zu sehen, die das ganze problematisieren“, erklärte Julia Aron von der Hochschule Koblenz.


Musik, Travestie und Gesang


Musikalische Acts, wie die in Koblenz bereits bekannte Wanda Kay oder auch neue Errungenschaften wie der Auftritt des Kölner Travestie-Ensembles vom Kulturschock und Miss Mo am DJ-Pult hatten an der Liebfrauenkirche ein buntes und abwechslungsreiches Programm geboten und das Publikum bis tief in die Nacht in Feierlaune gehalten.

CF

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21.08.2019 14:18 Uhr
Uwe Klasen

„Pressemitteilung der Stadtratsfraktion der Linken“ ---- Für Sozialisten jeglicher Couleur waren andere Überzeugungen, als ihre eigenen, immer schon suspekt! Der Umgang mit Andersdenkenden und, in früheren Jahren (hoffen wir das es auch Vergangenheit bleibt!), der Umgang mit Menschen deren Sexualität nicht der sozialistischen Denkweise entsprach, spricht Bände!



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Gabriele Friedrich:
Was regen sich die Leute auf ? Alles was gehackt werden kann, ist nicht sicher. Strengt euch halt mehr an. Vielleicht sagt euch der 14jährige, wo es dran gelegen hat. Kinder haben heute keine Interessen mehr, keine Luft, keine Freundschaften und vor allem keine Eltern daheim- also keine Ansprechpartner. Mir...
juergen mueller:
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Gabriele Friedrich:
Wir kommen aus dem "Unterstützen" gar nicht mehr raus. Jede Stadt sollte sei Tierheim unterstützen- vor Ort. Die Tierärzte finde ich auch viel zu teuer. Das kann sich ein alter Mensch gar nicht mehr leisten. ...
juergen mueller:
Der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit und vor allem Unterstützung der Tierschutzarbeit vor allem durch Bund, Land und Kommunen ist etwas, was gerade dort immer nur auf taube Ohren stößt. Corona muss ja für vieles herhalten, was vor allem die menschliche Einschränkung betrifft. Diese, auch wenn es finanziell...
Gabriele Friedrich:
Es geht doch hinten und vorne nicht weiter. Termin Shopping-mit mir nicht. Dann kaufe ich lieber weiter online ein. Macht endlich die Läden auf !...
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