Allgemeine Berichte | 28.01.2020

Ungewöhnliches Konzert zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Ein Duo der Freundschaft auf zehn Saiten

Songwriter aus Jerusalem musizierte mit Jazzviolinist aus Köln

Ein ungewöhnliches Paar, das sich auf der Bühne blind verstand: Der Israeli Ofer Golany (li.) und sein deutscher Musikerfreund Alexander Meyen.Fotos: Gregor Schürer

Ahrweiler. Die Synagoge ist der passende Ort, um am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus eine lokale Veranstaltung für die Kreisstadt anzubieten. 2020 ist diese Veranstaltung zudem der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren gewidmet. Der Bürgerverein hatte sich im Vorfeld entschlossen, das Gedenken mit einem passenden, attraktiven Kulturprogramm zu begehen. Und dafür zwei interessante Musiker, einen aus Israel, einen aus Deutschland, eingeladen. Das ungewöhnliche Duo bot ein Konzert unter dem Motto: „Heilung - Die Ahrweiler Synagoge lebt: Eine magische Reise auf zehn Saiten.“

Eindringliche Worte zur Begrüßung

Zu Beginn begrüßte Thomas Rheindorf, erster Vorsitzender des Bürgervereins Synagoge, die Gäste, die sich an diesem sonnigen Sonntagnachmittag zahlreich eingefunden hatten. In seiner Rede mahnte er zum einen daran, dass Gedenken der eine Auftrag sei, den es zu erfüllen gelte. Sich der Opfer zu erinnern, ihr Geschick zu erforschen und lebendig zu bewahren. Mahnung sei der zweite Auftrag, die todbringenden Denkstrukturen der Täter vor Augen zu führen und die aktuellen gesellschaftlichen Diskurse daraufhin zu überprüfen. Um deutlich zu machen, wie schmal der Grat im Alltag manchmal ist, erzählte der evangelische Pfarrer von einem rassistischen Satz, der kürzlich in seinem persönlichen Umfeld gefallen sei, und den er selbst, wie alle anderen, bewusst überhört habe, um einen Eklat zu vermeiden. Es gelte aber, entschlossen dagegen anzugehen, wenn einem so etwas begegne.

Jüdischer Kriegsdienstverweigerer und fremdenfreundlicher Geiger

Nach diesem nachdenklichen Auftakt betraten die beiden Hauptprotagonisten die Bühne. Ofer Golany, politisch-poetischer Liedermacher aus Jerusalem und Alexander Meyen, Jazzviolinist aus Köln, beschlossen in Ahrweiler eine Mini-Tournee, die sie zuvor nach Aachen, Bonn, Bergneustadt und Köln geführt hatte. Die beiden kennen sich seit einer Begegnung in Israel vor vielen Jahren und sind seitdem freundschaftlich-konzertant verbunden. Dabei spielt der Kriegsdienstverweigerer, Friedensaktivist und Globetrotter aus dem Nahen Osten die sechssaitige Gitarre und singt, der fremdenfreundliche Weltmusiker aus Kalk begleitet ihn auf der viersaitigen Geige und gelegentlich stimmlich. Und das Duo der Freundschaft hatte auf seiner Reise auf zehn Saiten allerlei im musikalischen Gepäck.

Von Zappa bis zum heiligen Franziskus

Der Reigen begann mit einer Variation eines Titels von Franz Zappa, auf Englisch, dann auf Deutsch, schließlich auf Russisch vorgetragen, inklusive Publikumseinsatz. Die Frage nach dem „Who are you?“ beantwortete Golany mit einem „Ich bin Du, Du bist ich“, ein Sinnbild seines Credos „wir sind alle Menschen.“ Die folgende jiddische Hochzeitsmusik kam schwungvoll daher, irisch und eher ruhig das seiner Tochter gewidmete Liebeslied. Ob die Vertonung eines Textes von Franz von Assisi („Instrument“) oder die Adaption einer griechischen Sage („Lysistrata“), ob Flamenco oder Klezmer, es gab beinahe nichts, was es nicht gab. Waren die Musikstile auch sehr unterschiedlich, zeigten „Jerusaleman“ Ofer Golany und „Violalex“ Alexander Meyen beim Zusammenspiel zum einen blindes Verständnis, zum anderen helle Freude am Improvisieren und Fabulieren. Ob am Ende alle geheilt waren, wie der Titel des Programms versprach, sei dahingestellt. Eines stellte das ungewöhnliche Konzert jedoch mit Sicherheit klar: Die Ahrweiler Synagoge lebt.

SCHÜ

Thomas Rheindorf, erster Vorsitzender des Bürgervereins Synagoge, sorgte mit seiner Begrüßungsansprache für einen nachdenklichen Beginn.

Thomas Rheindorf, erster Vorsitzender des Bürgervereins Synagoge, sorgte mit seiner Begrüßungsansprache für einen nachdenklichen Beginn. Foto: Besitzer

Ein ungewöhnliches Paar, das sich auf der Bühne blind verstand: Der Israeli Ofer Golany (li.) und sein deutscher Musikerfreund Alexander Meyen.Fotos: Gregor Schürer

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