„Im Jahre 2023 jährt sich zum 1250-ten Mal die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Engers“
Ein Festjahr steht vor der Tür
Engers. Im Jahre 2007 konnte die ehemals selbständige Stadt Engers die 650-zigste Wiederkehr der erstmaligen Verleihung der Stadtrechte in einem Festjahr mit insgesamt 12 großartigen Veranstaltungen begehen. Nun jährt sich im Jahre 2023 zum 1250-ten Mal die erste urkundliche Erwähnung des Ortes. Sie findet sich im ‚Codex principis‘, der in Limburg lagert. Dort liest man zum ersten Mal ‚Engerisgowe‘ mit dem Datum ‚die VIII. Kal. Julii anno . Karoli regis (24. Juni 773). Dieser Engersgau, der von den Franken bei der fränkischen Gauteilung eingerichtet wurde erhielt nach Ansicht der Archäologen seinen Namen nach dem größten dort befindlichen Ort. In manchen historischen Schriften wird Engers auch als die älteste rechtsrheinische Siedlung genannt.
Nähere Auskunft hierüber könnten auch die im archäologischen Museum auf der Festung Ehrenbreitstein gelagerten Funde geben, die bei den Ausgrabungen rund um den spätrömischen Burgus gemacht wurden. Zusammen mit Oberbürgermeister Jan Einig bemüht sich Josef Kretzer darum, dass diese Funde endlich ausgewertet werden und dann Auskunft darüber geben, ob sich um dieses alte Bauwerk seinerzeit Menschen angesiedelt haben, die mit den Römern Handel trieben und dort der Grundstein für den Ort gelegen ist.
Engersgau war nördlichster Gau in Rheinfranken
Um das Jahr 400 n. Chr. ca. wurden die Franken in der Gegend endgültig sesshaft. Neben dem linksrheinischen Moselfranken entstand das rechtsrheinisch Rheinfranken. Der Engersgau war der nördlichste Gau in Rheinfranken und hatte beträchtliche Ausdehnung. Er umfasste das Gebiet von der Lahnmündung rheinab bis Honnef; von hier folgte die Grenze der Wasserscheide zwischen Sieg und Wied bis zur Wiedquelle, sprang zur Gelbachquelle über und folgte diesem Bach bis zur Mündung in die Lahn, die den Gau im Süden abschloss.Während zu Beginn der eingerichteten Gau die Franken meist verdiente Heeresführer zu Gaugrafen machte, ging man später dazu über im Gau ansässige Grafschaften damit zu beauftragen. So kam auch der Engersgau an das Haus Wied mit dem letzten im Engersgau 1080 benannten Grafen Meffried, dem Erbauer der Burg Altwied in wiedischen Besitz. 1357 erhielt Graf Wilhelm I. zu Wied für sein Engers von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte, die er ab nur bis 1371 behielt, denn nach einem Streit mit dem Trierer Kurfürsten Cuno von Falkenstein wurde Engers kurtrierischer Besitz. Graf Wilhelm, der auch das Zollrecht über den Rheinzoll innehatte, errichtete am Rhein den ersten Turm seiner, um Engers geplanten Stadtmauer, den Zollturm, jetzt ‚Grauer Turm‘ genannt. Bei Andernach überfiel er rheinaufwärts treidelnde holländische Kaufleute, die zur Messe nach Frankfurt wollten, um dort ihre Tuche anzubieten. Sie wollten den Rheinzoll nicht zahlen, da sie sich in Begleitung einer, vom Verweser des kölnischen Erzbistums gestellten wehrhaften Söldnertruppe befanden und es so als ihr Recht ansahen, auf dem linksrheinische Gebiet, das damals schon zu Kurtrier gehörte, zollfrei zu reisen. Damaliger Verweser des Erzbistums Köln war jedoch der Trierer Kurfürst Cuno von Falkenstein, der dies ebenso sah. Der Streit endete für den wiedischen Grafen mit einer herben Niederlage, denn Köln stellte dem Kurfürsten 50 Mannen zur Verfügung. Doch, noch ehe diese eingetroffen waren, war der Kurfürst schon mit seinen Leuten bis gegen Oberbieber vorgerückt. Da gab Wied nach und ohne Blutvergießen kam es am Markustage (25. April 1371) zum Friedensvertrag.
Urkunde vom 25. April 1357
Aber die Auflagen, die Wilhelm hinnehmen musste waren beträchtlich, als es da in den Urkunden vom 25. April 1357 heißt: „Graf Wilhelm von Wied (Wyde) bekundet: Weil er jüngst Kaufleute auf dem Rhein unterhalt von Engers (Engirs) ausraubte, hat EB Kuno von Trier gegen ihn Krieg eröffnet und ihn gedrängt, den Raub herauszugeben. Einen Teil hat er dem Erzbischonf bereits übergeben. Dass der Rest samt dem verloren gegangenen Gut wiedererstattet wird, dafür soll er nicht sich selbst und 5 weitere ritterbürtige Leute als Geißeln stellen. Zur Sicherheit hat er dem Erzbischof sein Schloss Dierdorf (Dyrdorff), Winden (Wynden), Giershofen (Giselbrechtshouen), Offhausen (Uffhusen), Brückrachdorf (Bruckenrachdorff) und deren Leuten, sodann seine sämtlichen Zehnten, Gülten und Renten im Kirchspiel Dierdorf, ferner Dinghof zu Rückeroth (dinglichen hoff zu rückerode) und Rohrbruch (Roirbruch) mit allem Zubehör übergeben. Der Erzbischof soll diese Güter und Einkünfte, die ja von ihm lehnrührig sind, solange frei nutznießen, bis der Graf bzw. seine Erben den Raub auf dem Rhein nachweislich wiedergutgemacht haben. Alsdann soll das Schloss mit seinem Zubehör aber noch in der Hand des Erzbischofs bleiben, bis Wilhelm von Wied, Probst zu Aachen (Ache), der älteste Sohn Graf Wilhelms, alle Urkunden des Grafen für die Erzbischöfe und Erzstifter Trier und Köln bestätigt hat.
Wenn beide Bedingungen erfüllt sind, erhält Wied vom Erzbischof Dierdorf ledig und los zurück – unbeschadet der erzstiftlichen Rechte an Dierdorf und der fortdauernden Gültigkeit der Urkunden, die von wiedischer Seite dem Erzbischof gegeben wurden. Wenn Dierdorf in der Zeit, da der Erzbischof es besitzt, verloren geht oder im Wert gemindert wird, besteht für Wied keinerlei Anspruch auf Schadenersatz.“
Welche Entwicklung hätte Engers und Neuwied genommen?
Unbeschadet der vorgenannten Auflagen, blieb Engers jedoch im Besitz der Kurfürsten von Trier. doch es sei die Frage erlaubt, welche Entwicklung hätten Engers und das spätere Neuwied genommen, wenn es nicht zu dieser Auseinandersetzung gekommen wäre? Wilhelm hatte für Engers das Stadtrecht erhalten und wollte auch dort, auf hochwasserfreiem Gelände, seinen Wohnsitz nehmen. Mit der Errichtung des Zollturms hatte er schon mit dem Bau der Stadtmauer begonnen. Für die Stadt Engers hätte dies eine vollkommen andere Entwicklung bedeutet. Wäre Neuwied überhaupt dann entstanden? Angesichts eines solchen Jubiläums, wie es Engers in fünf Jahren bevorsteht, dürfen solche Fragen gestellt werden, denn es gilt, die heutigen Gegebenheiten anzunehmen und damit zu leben. Doch noch immer erinnern Unterschiede in der geschichtlichen Entwicklung von Neuwied und Engers an diese Begebenheit von über 650 Jahren: so ist Engers überwiegend katholischen Glaubens, bedingt durch die Trierer Herrschaft, während Neuwied mit seinem Fürstenhaus den evangelischen Glauben annahm und vermutlich ist dies auch der Grund, dass zwischen Engers und Neuwied auch die Helau- und Alaafgrenze verläuft.
Die Vorbereitung für das Jubiläum haben begonnen
Und so sind es am 24. Juni 2018 noch fünf Jahre bis in Engers der ersten urkundlichen Erwähnung vor 1250 Jahren gedacht werden kann und bereits jetzt beginnen die Vorbereitungen im Bürgerverein, in Organisationen und bei Personen, die sich mit der Geschichte des Ortes befassen, um dieses stolze Jubiläum angemessen zu begehen.
