Allgemeine Berichte | 27.12.2019

Klassische Philharmonie Bonn

Ein Konzert des Spitzenklasse

Ansprechendes Programm mit einem weitgespannten musikalischen Repertoire

„Jingle Bells“ wurde anders als gewohnt interpretiert.Fotos: RU

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bad Neuenahr war der vorletzte Spieltort der Tournee, die die Klassische Philharmonie Bonn mit ihrem „Festlichen Weihnachtskonzert“ durch ganz Deutschland geführt hat. Im ausverkauften Kursaal des Steigenberger-Hotels konnte sich das Publikum auf ein Konzert freuen, das einen weitgespannten Bogen durch die gesamte Musikgeschichte vom frühen Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik zu bieten hatte.

Bereits mit dem ersten Stück, dem Weihnachtskonzert „Concerto Grosso in g-Moll“ von Guiseppe Sammartini, einem Mailänder Komponisten des frühen 18. Jahrhunderts, zeigte sich die Klassische Philharmonie Bonn unter Leitung von Heribert Beissel als ebenso homogener wie facettenreicher Klangkörper, der es versteht, die musikalischen Strukturen transparent werden zu lassen.

Mit der folgenden Motette „Exsultate, Jubilate“ für Sopran, zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo von Wolfgang Amadeus Mozart betrat die erste Solokünstlerin des Abends die Bühne. Die polnische Sängerin Justyna Samborska, die schon mit ihrem unprätentiösen Auftreten die Sympathien des Publikums gewann, überzeugte die Zuhörer mit einer warmen und weichen Stimme, die ihr Timbre auch bei Fortissimo-Passagen und schwierigen Tremolos nicht verloren hat. Bei ihrem Gesang fühlten sich die Zuhörer an Maria Callas erinnert, die vielen heute noch als größte Sopranistin des 20. Jahrhunderts gilt.

Das Prélude aus dem Oratorio de Noël von Camille Saint-Saëns, einem der bedeutendsten französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, bot den Holzbläsern des Ensembles die Gelegenheit, ihre spielerische Präzision zu demonstrieren. Mit diesem in seiner musikalischen Gestaltung bewusst einfach gehaltenen Stück markierte der Komponist den Beginn der neueren französischen Oratoriengeschichte.

Das Ave Maria, adaptiert für Sopran und Streicher nach dem Intermezzo sinfonico aus der Oper Cavalleria rusticana, ein Werk, mit dem der bis dahin unbekannte Pietro Mascagni im Jahr 1890 schlagartig berühmt wurde, zeigte mit seinem ausgesprochen lyrischen Charakter ein weiteres Mal die stimmlichen Qualitäten von Justyna Samborska.

Der Name Georg Friedrich Händel ist allen Liebhabern klassischer Musik bestens bekannt, ebenso wie die Komposition, aus der ein kleiner Teil an diesem Abend zu hören war, das Oratorium Messiah. Mit diesem zweifellos bedeutendsten Werk seiner Gattung begründete Händel die Tradition des englischen Oratoriums. Gespielt wurde ein als Pifa bezeichneter Instrumentalsatz, der in seinem Charakter auf der Hirtenmusik jener Zeit beruht.

Mit einem weiteren Werk von Georg Friedrich Händel ging das Programm weiter. Casey Reeve spielte zusammen mit dem Orchester die Suite für Trompete und Streicher. Die Solopartie mit ihren durchweg hohen Lagen ist technisch außerordentlich anspruchsvoll gestaltet und verlangt ein hohes Maß an spielerischem Können, das der aus den USA stammende und seit fast zehn Jahren in Deutschland lebende Musiker mit jeder einzelnen Note unter Beweis stellte. Bei keiner anderen Besetzung kommen Brillanz und Strahlkraft der Barockmusik deutlicher zum Vorschein als bei den Trompetenkonzerten dieser Epoche.

Der Applaus des Publikums veranlasste Casey Reeve zu einer spontanen Zugabe. Mit Jazztrompete samt Schalldämpfer kam er zurück auf die Bühne, um sein persönliches Lieblingsweihnachtslied „Jingle Bells“ zu spielen, allerdings in einer Version, die bislang niemand kannte. Unterstützt durch den Bassisten Juan Sanchez fegte fetziger Jazz in einer Mischung aus Dixie und Bebop durch den Saal. Das Publikum brachte seine Begeisterung lautstark zum Ausdruck. Dafür bedankte sich Reeve mit einer weiteren Zugabe.

Mit der Arie „Schlafe im Schutz meiner Schwingen, du Kind“ aus dem Oratorium zur Weihnacht von Martin Kahle wurde es wieder feierlich im Kursaal. Kahle war lange Jahre Leiter des Meckenheimer Kammerchors und der Merler Kantorei. Das Oratorium, das viele Musikstile von der Spätromantik bis zum Jazz in sich vereint, beruht auf Gedichten, die die Mutter von Kahle als junge Frau verfasst hatte. Die Arie versteht sich als meditativer Ruhepunkt in der Weihnachtsgeschichte, den sie mit ihrer einfachen und sehr getragenen Art auch darstellt.

Gefühlvolle, lyrische Melodien im fließenden Viervierteltakt schlossen sich dem an. Das Adagietto aus der fünften Symphonie von Gustav Mahler zog die Zuhörer in seinen Bann. Die Klangwelten, die der Spätromantiker mit seinen Symphonien erzeugt, lassen viele oft von Sphärenmusik sprechen, die sich dem realen Leben zu entziehen vermag.

Mit dem Stück „O Divine Redeemer“ von Charles Gounod, einem französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, der mit seiner Oper „Faust“ Weltruhm erlangte, betrat Samborska ein letztes Mal an dem Abend die Bühne. Es beginnt mit einem Solo für Cello, bevor die Solistin, begleitet vom gesamten Orchester, mit einem ruhig fließenden lyrischen Gesang hinzukommt, der in extreme Tonhöhen führt.

Den Abschluss des Konzerts bildete „Maria Wiegenlied“ von Max Reger, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben Symphonien auch rund 250 Lieder komponierte. Mit „Maria Wiegenlied“ hat Reger eines der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder geschaffen.

Das Publikum bedankte sich bei Beissel, den Mitgliedern der Klassischen Philharmonie sowie den Solisten Samborska und Reeve für den wunderbaren Abend mit lang anhaltendem Applaus. Dafür gab es mit dem „Chansons de Nuit“ von Edward Elgar noch eine Zugabe.

Casey Reeve zeigte ein glänzendes Spiel mit der Barocktrompete.

Casey Reeve zeigte ein glänzendes Spiel mit der Barocktrompete.

Justyna Samborska überzeugte mit warmer und weicher Stimme.

Justyna Samborska überzeugte mit warmer und weicher Stimme.

„Jingle Bells“ wurde anders als gewohnt interpretiert.Fotos: RU

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