Bewegender ArtAhr-Abend zwischen Trauer und Fröhlichkeit
Ein Stück syrischer Heimat in Sinzig
Sinzig. Fröhlichkeit und Trauer - das waren die zwei Gesichter des syrischen Abends, zu dem am Wochenende die Macher der ArtAhr in die Alte Druckerei in Sinzig eingeladen hatten. Fast 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, die allermeisten von ihnen Syrer. Vor allen Dingen Bürgerforum Vorsitzer Manfred Ruch hatte mit diesem überaus gelungenen wie sehr emotionalen Treffen ein weiteres politisches Statement abgeben wollen. Die Gäste aus Syrien erlebten ein echtes Stück Heimat, fern von ihrem eigentlichen Zuhause. Bei syrischem Essen und gelöster Atmosphäre saßen sie zusammen und plauderten, als wären sie auf einem großen syrischen Familienfest. Der Abend wurde zum bunten Treffpunkt der Kulturen. In Anlehnung an die erschreckenden Fotos aus der Bürgerkriegsstadt Aleppo, die das Journalistenpaar Raad Atley und Zena Armanazi als Beitrag bei der ArtAhr zum Thema Heimat zeigt.
Für beste Verpflegung sorgten mit Kicherbsensalat einer großen Auswahl von gefüllten Teigtaschen, Börek, orientalischen Kartoffelsalat und sehr süßen Süßigkeiten Samira Karat und ihr Team. Trotz mehrfachen Nachschlags wurde das syrische Buffet übrigens komplett aufgefuttert.
Für viele der deutschen Gäste bedeutete der Abend den ersten intensiveren Kontakt mit den Menschen, die aus dem Bürgerkriegsland Syrien geflohen und in Deutschland Zuflucht gesucht haben. Wie dramatisch die Verhältnisse in Syrien und vor allem in der erbittert umkämpften Stadt Aleppo sind, erfuhren die Gäste bei einem Vortrag des syrischen Journalisten Raad Atli, der mit seiner Familie aus seiner Heimat floh und jetzt in Oberzissen lebt.
Er und seine Frau Zena Armanazi haben für die Kunstausstellung ArtAhr eine Serie von Bildern aus Aleppo beigesteuert, die von Freunden vor Ort gemacht worden waren. „Wir danken den Menschen in Deutschland für ihre Gastfreundschaft“, beschloss Atli seine Rede.
Bewegende Momente gab es während der musikalischen Darbietungen. Als die Sinziger Chor-Band „Great Spirit Singers“ mit vier Syrern und auf Syrisch ein Lied auf deren Heimat sang, hatten einige Gäste Tränen in den Augen. Zum Finale des Abends, der vom Verein „Wir helfen“, dem Bürgerforum Sinzig und dem Sinziger Mineralbrunnen unterstützt wurde, animierte dann der syrische Frauenchor „Haneen“ aus Hamburg und Berlin die Landsleute zum fröhlichen Mitsingen und Tanzen - ein Stück Lebensfreude, den schlimmen Zeiten in und für Syrien zum Trotz. „Haneen“ bedeute übersetzt übrigens so viel wie Nostalgie.
BL
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