Allgemeine Berichte | 01.02.2024

Holocaust-Gedenktag an der Realschule plus und Fachoberschule Untermosel: Erinnerung und Aufklärung

Ein Zeichen gegen das Vergessen

Schüler trugen das Sprechstück „Der Gendarm“ vor. Quellen: Realschule plus und Fachoberschule Untermosel

Kobern-Gondorf. Anlässlich des diesjährigen Holocaust-Gedenktages präsentierte die Realschule plus und FOS Untermosel die Wanderausstellung „Wir werden verbrannt. Wir müssen sterben.“, die von Joachim Hennig für das Herz-Jesu-Haus Kühr kuratiert wurde, sowie das interaktive Sprechstück „Der Gendarm“.

Eindrucksvoll schildert die Ausstellung, wie 1943 im Herz-Jesu-Haus Kühr 150 Frauen und Mädchen selektiert und nach Klagenfurt in Kärnten, Altscherbitz in Sachsen und Stadtroda in Thüringen deportiert wurden. Zwei Jahre zuvor, so berichtet die Ausstellung, wurden im Rahmen der Tötungsaktion T4 in sechs Tötungsanstalten mehr als 70.000 psychisch kranke, behinderte und sozial nicht angepasste Menschen als „Ballastexistenzen“ und „unnütze Esser“ mit Giftgas ermordet, in Hadamar mehr als 10.000, und verbrannt. In der Umgebung der Anstalten stieg süßlich riechender Rauch von den Leichenverbrennungen auf, vermutlich der Hintergrund für den Hilferuf der Kührerinnen. Diese Methoden wurden nach dem Protest des Münsteraner Bischofs von Galen am 03.08.1941 eingestellt und perfidere Methoden wie die Giftspritze oder die Überdosierung von Medikamenten angewandt. Grund für die Deportation der Kührer Frauen war der zunehmende Luftkrieg über Deutschland: Es musste Platz geschaffen werden für verwundete Soldaten und Ausgebombte. Nur drei Frauen kehrten nach Kühr zurück. Neben der Aufklärung ist es ein großes Anliegen der Ausstellung, diesen 150 Frauen und Mädchen wieder einen Namen, ein Gesicht und eine Lebensgeschichte zu geben.

Sprechstück „Der Gendarm“

Zum anderen wurde das interaktive Sprechstück „Der Gendarm“ durch SchülerInnen der zehnten, achten und fünften Klassen aufgeführt. Darin erhält der Gendarm Homburger 1939 nach einem Verrat und als Loyalitätstest für sich persönlich den Auftrag, den an Trisomie erkrankten Jungen Peter aus Vallendar nach Hadamar zu bringen. Peter weigert sich, Homburger ringt mit seinem Gewissen und wird doch zum Mittäter. Peter ist „gehorsam“, er will seiner Mutter Erna keine Schwierigkeiten machen. Eine Woche später erhält sie einen nüchternen Brief: Ihr Sohn Peter ist an plötzlichem Lungenversagen gestorben. Sie wird aufgefordert, 78 Reichsmark für die Einäscherung zu bezahlen.

Vor 23 Jahren, am 26. Januar 2001, gestalteten SchülerInnen zum ersten Mal eine Erinnerungsveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. „Wir wissen, dass Menschen Böses tun, aber mit dem Unfassbaren haben wir nicht gerechnet.“ Zwei neunte Klassen griffen damals die Frage nach dem Geschehenen auf und machten sich auf den Weg in zwölf Dörfer, ihre Heimatdörfer an der Untermosel, um all die Zeitzeugen aufzusuchen, die noch über die Zeit des Nationalsozialismus berichten konnten. Entstanden ist eine eindrucksvolle Bilddokumentation mit dem schlichten Titel „Jüdisches Leben an der Untermosel“, die sogar in den Bestand der Landeszentralbibliothek in Koblenz aufgenommen wurde.

Seitdem führt die Realschule plus Untermosel jährlich einen Holocaust-Gedenktag durch. Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde 2005 von den Vereinten Nationen eingeführt, um an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zu erinnern.

Seitdem wurden Politiker zu Podiumsdiskussionen eingeladen, Filme gedreht und gezeigt, eine schuleigene Gedenkstätte eingerichtet, ein Zeitzeugenkreis gegründet, 20 Stolpersteine für die Familien Koppel, Wolff und Grünewald verlegt, Besucher aus Israel und den USA empfangen und im vergangenen Jahr gemeinsam mit Ortsbürgermeister Michael Dötsch eine Informationstafel im Zentrum von Kobern Gondorf eingeweiht. Sie informiert Einheimische und Gäste über das lange jüdische Leben im Ort bis zur Deportation 1942.

Anette Schröter, Leiterin der Kulturforscher an der Realschule plus, und Lea Scherhag, Fachbereichsleiterin Gesellschaftslehre, haben diesen Tag wieder gemeinsam mit den Jugendlichen geplant und vorbereitet. Niemals vergessen und Demokratie stärken, das betonen beide Frauen, muss in der Schule mehr denn je gelebt werden.

Auch Schülersprecherin Nele Huppertz appelliert an die heutige junge Generation: Populistische Parolen, Abschiebung statt Integration und Rassismus statt Toleranz führen für sie geradewegs in den Abgrund. „Lasst uns gemeinsam gegen Hass, Diskriminierung und Intoleranz kämpfen und eine Welt schaffen, in der jeder Mensch respektiert und geschützt wird“, betonte die Sprecherin. BA

Betroffenheit zeigten die Gäste beim Betrachten der Tafeln der Ausstellung. Sie beginnen mit dem April im Jahr 1943, als Dr. Volmari von der Selektion seiner 150 Schützlinge erfuhr.

Betroffenheit zeigten die Gäste beim Betrachten der Tafeln der Ausstellung. Sie beginnen mit dem April im Jahr 1943, als Dr. Volmari von der Selektion seiner 150 Schützlinge erfuhr.

Schüler trugen das Sprechstück „Der Gendarm“ vor. Quellen: Realschule plus und Fachoberschule Untermosel

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Rund ums Haus
Dauerauftrag Imageanzeige
Alles rund ums Haus
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Anlagenmechaniker
Ostergruß
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Angebotsanzeige (April)
Mitarbeiter IT-Administrator
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Kreishandwerkerschaft
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Container Anzeige
First Friday Anzeige März
Ostergrußanzeige
Osteraktion
Anzeige Lange Samstage