Kabarettistin Barbara Ruscher zu Gast in der Rheinhalle “
Ein amüsanter Abend
350 Fans sahen das Programm„Ekstase ist nur eine Phase“
Remagen. Einen amüsanten Abend bescherte am Freitag die Kabarettistin Barbara Ruscher einer 350-köpfigen Fangemeinde in der Rheinhalle. Mit ihrem neuen Programm „Ekstase ist nur eine Phase“ eroberte die scharfsinnige Kabarett-Lady Barbara Ruscher charmant und intelligent nun auch die letzten Tabus dieser Zeit: sowohl die FIFA mit dem Großprojekt WM 2022 in Katar „Beckenbauer hat keine Sklaven gesehen, die Inklusion ist gelungen! Sehbehinderte Funktionäre sind voll integriert!“ als auch das globale Erotik-Phänomen „Fifty Shades of Grey“, S-M ist normal geworden, selbst der Papst sagt, leichte Schläge sind erlaubt“. Der nahtlose Wechsel vom Politischen ins Erotische gelang ihr dabei ebenso charmant wie die Kunst, die Welt nicht moralinsauer, aber wunderbar ätzend zu spiegeln. Ekstase fand Ruscher in allen Bereichen: im modernen Verhältnis der Geschlechter, aber auch bei Massentierhaltung, beim Datenklau im Punktesammeln, bei der Billigproduktion und der Wahl von Ernährungskonzepten. „Der Pavian ernährt sich überwiegend vegan, dann guckt mal wie sein Hintern aussieht“. All das wurde von ihr souverän als Stand-up und am Klavier, getextet und gedichtet, lakonisch und bissig präsentiert. Wie gewohnt stellte sich Barbara Ruscher charmant, cool, intelligent und staubtrocken erneut dem Zeitgeist. Immer zwischen Tiefsinn und Humor angesiedelt waren ihre herrlich skurrilen Songs, Stand-ups und Poetry-Texte, in denen Payback-Kassiererinnen vermöbelt werden, kiffende Lurche über die Legalisierung von Hanf-Anbau diskutieren und das Chlorhuhn die Freiheiten des Freihandelsabkommens besingt. Mit intelligentem Witz analysierte sie gekonnt die Auswüchse der Gesellschaft und fragte sich, ob man offene Schädelverletzungen mit Arnika-Globuli behandeln kann. Super an kamen auch neue Kapitel aus ihrem Kult-Bestseller „Fuck the Möhrchen – ein Baby packt aus“ an. Die Schilderungen eines Babys bei seiner Geburt ließen das Publikum hellauf lachen. So wie bei „Da draußen schreit eine Frau so laut wie Tina Turner auf Ecstasy“ oder „da erblicke ich nach langem Weg durch den Tunnel den Kreißsaal in kompletten rosa, wie gut, dass ich ein Mädchen geworden bin“, oder auch „da wird mir der Nippel einer Frau in den Mund gesteckt, ich denke, das ist meine Mutter, die der Mann daneben immer mit „du hast es geschafft Schatz“, anspricht: ein furchtbar langer Name, so würde ich niemanden nennen“. Das Publikum amüsiert sich köstlich über das Baby und eine gekonnte Satire auf den Frühförderungswahn der Gesellschaft. Fast drei Stunden hielt die Kabarettistin, die in Rheinbach geboren wurde und in Köln lebt, ihr Publikum bei Laune.
AB
