Allgemeine Berichte | 27.09.2017, 10:41 Uhr

Die 18. TextProbe im ausverkauften Glaspavillon mit Rekordbeteiligung und Überlänge.

Ein außergewöhnliches Programm

Monika Clever aus Wachtberg.Foto: privat
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Rheinbach. „Am Montag schrieb ich ein Gedicht, am Mittwoch nicht.“ Mit Kurzlyrik begann Monika Clever aus Niederbachem augenzwinkernd ihren Vortrag mehrerer humorvoller Gedichte im Rheinbacher Glaspavillon „Hans-Schmitz-Haus“. Sie kam mit der Empfehlung eines zweiten Platzes beim Wachtberger Wettbewerb für komische Lyrik („Wachtberger Kugel“, Publikumspreis) und war für die Rheinbacher eine echte Entdeckung. Zehn weitere Autoren und Liedermacher hatten bereits vor ihr ein aufmerksames Publikum unterhalten.

Im Begleitprogramm des internationalen Glaskunstpreises der Stadt Rheinbach fand die 18. TextProbe, das bekannte Format von Rheinbach liest e.V. der Öffentlichen Bücherei St. Martin und der Buchhandlung Kayser, zwischen den Glasexponaten im „Glashaus“ statt.

Moderator Gerd Engel hatte alle Hände voll zu tun. Elf Künstler des Wortes und der Musik hatten sich angesagt, Platz für rund siebzig Gäste musste geschaffen, ein defektes Mikrofon ersetzt und für mehr Licht gesorgt werden. Die durch zahlreiche Kerzen erzeugte romantische Atmosphäre lud mit dem Blick auf die Tomburg in der Ferne zum Entspannen ein, stellte die Vortragenden aber vor das realistische Problem, ihre Manuskripte nicht deutlich genug wahrnehmen zu können. Smartphone, Taschenlampe und schließlich die Beleuchtung der Glasvitrinen schafften Abhilfe.

Thomas Mentzel aus Meckenheim hatte mit zwei Beiträgen die Präsentation eigener Texte am Montagabend begonnen. Er nahm mit seiner Mahnung, dass es nur noch 88 Tage bis zum 24. Dezember seien, und der sarkastischen Beschreibung der Vorweihnachtszeit unsere „Weihnachtskultur“ aufs Korn. Mentzel hat bereits ein Buch mit Prosa und Lyrik, betitelt „Eis essen“, veröffentlicht, ein zweites folgt.

Eine beachtliche Bandbreite literarischer Gattungen

Die große Bandbreite an literarischen Gattungen, die der Abend bereithielt, wurde durch den zweiten Beitrag schon angedeutet. Die 28-jährige Stefanie Kremer aus Flerzheim entführte die Zuhörer mit einem Auszug aus ihrem Kinderbuch in die Zauberwelt des kleinen Drachens Theo, sympathisch und gekonnt vorgetragen.

Die Lyrikerin Renate von Elm aus Rheinbach, die bereits einige der ersten TextProben mitgestaltet hatte, unterhielt das Publikum mit sechs Gedichten aus ihrem riesigen und immer weiter wachsenden Fundus. Drei Schülerinnen des elften Jahrgangs des Sankt Josef Gymnasiums überraschten mit eigenen Liedern, leise und sanft Tönen vorgetragen. Besonders die gemeinsam gesungenen Passagen berührten die Gefühle der Zuhörer. Gerd Engel ermutigte Marie Rauls, Marlies Theuerkauf und Reinhild Osterheld, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Eine weitere junge Künstlerin, Paula Rosenthal, angehende Abiturientin des Städtischen Gymnasiums Rheinbach, beeindruckte durch ihren Text, der sich mit den fiktiven Problemen einer Ehe Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts beschäftigt. Paula hat bereits mehrere eigene Texte erfolgreich in der Öffentlichkeit präsentiert. Zu einem sympathischen Missverständnis, das typisch für unsere Zeit zu sein scheint, kam es ihm Gespräch mit dem Moderator, als die vermeintliche Bloggerin davon sprach, dass sie neben dem Laptop auch den Schreibblock für ihre Manuskripte verwendet.

Der erfahrene Teilnehmer an dem Format TextProbe, der Meckenheimer Hasso Rieck, unterhielt wieder glänzend mit seinem Text, der den Ursprung des Namens des Koi-Karpfen erhellt, zurückgehend auf den Ausruf eines süddeutschen Beraters in China, in einem Teich sei „gar koi Karpfen“.

Uli Lürwer aus Rheinbach konnte mit seiner kräftigen Stimme auch ohne Mikrofon, das ausgefallen war, in Slam-Poetry-Manier humorvoll davon berichten, wie die alte Liebe zu einem Fahrrad doch rostet, als ein neues Rad in das Leben des Protagonisten tritt.

Wolfgang Bittscheid aus Merzbach beeindruckte wieder mit ausgereiften und klugen Gedichten, darunter eine klassische Ballade. Der Ton seines Vortrags schaffte eine eigene, tragende Atmosphäre.

Christiane Bröckelmann (Gesang) und Dirk Plücker (E-Piano) bannten das Publikum mit ihren musikalischen Darbietungen. Die Grundschullehrerin befasste sich in ihren Texten einmal mit dem Phänomen der Angst und schuf zum anderen „fast ein Liebeslied“.

Günter Detro entführte die Zuhörer in die Welt des fiktiven Lehrers Gernot Groß, der hin und her gerissen ist zwischen der rauen Alltagswelt in der Schule und seinen Tagträumen, in denen er im Stile eines Walter Mitty die Schulprobleme grandios bewältigt.

Alles für den guten Zweck

Das Programm in außergewöhnlicher Umgebung bot so viel Unterhaltung an, dass es erst um 22.30 Uhr endete. Der Erlös des Abends ist für den Druck der Empfehlungsbroschüre „Vorlesen“ bestimmt, die von Rheinbach liest e.V. derzeit vorbereitet wird und zum Bundesweiten Vorlesetag am 17. November erscheinen soll.

Monika Clever aus Wachtberg. Foto: privat

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