Gemeinde Swisttal gedachte ihres Ehrenbürgermeisters Karl-August Gunst
Ein bedeutender Politiker und eine prägende Persönlichkeit
Bei einem Empfang auf der Burg Morenhoven erinnerte Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner mit einer Bildpräsentation an ihren Amtsvorgänger
Morenhoven. „Kommunalpolitik ist Politik, weil sie nicht nur Bestehendes, Vorhandenes, Vorgegebenes verwaltet, sondern weil sie sich ständig neue Ziele setzt, plant und die Verwirklichung solcher Planung anstrebt und durchzusetzen sucht. Kommunalpolitik ist deshalb ein Ort kämpferischer Auseinandersetzung.“ Schon in seiner ersten Ansprache als Bürgermeister der Gemeinde Swisttal hatte Karl-August Gunst im Oktober 1979 klargemacht, dass ihm die Zukunft seiner Gemeinde sehr am Herzen liegt. Anlässlich des 90. Geburtstages des 2002 verstorbenen Politikers, Pädagogen und künstlerisch begabten Menschen gedachte die Gemeinde Swisttal posthum ihres Ehrenbürgermeisters in seinem früheren Heimatort Morenhoven.
„Es gibt vieles über Karl-August Gunst zu sagen und zu erzählen“, so Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU) in ihrer Ansprache am Grab ihres Amtsvorgängers auf dem Friedhof in Morenhoven. Schließlich sei Gunst für seine zahlreichen Verdienste um die Gemeinde Swisttal 1988 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Als Zeichen der Wertschätzung und Verbundenheit mit Karl-August Gunst stellten viele Weggefährten Kerzen auf seiner Grabstelle auf. Kalkbrenner begrüßte unter anderem die Witwe des Verstorbenen, Mechtild Gunst, sowie die Kinder und Enkel des Ehepaares Gunst. Anschließend lud die Gemeinde ein zu einem Empfang auf Burg Morenhoven, wo eine Bildpräsentation über das Leben des Swisttaler Ehrenbürgermeisters gezeigt wurde.
Viele Geschichten über ihn gehört
Kalkbrenner bedauerte, dass sie Gunst selbst nicht mehr habe kennenlernen können, „aber ich habe viele Geschichten über ihn gehört.“ So habe es in einem Zeitungsartikel anlässlich des 50. Geburtstags der Gemeinde Swisttal geheißen, Gunst habe immer wieder neue Anlässe gefunden, um das Zusammenwachsen der zehn Ortsteile zu fördern. Gunst sei nicht nur ein bedeutender Politiker gewesen, sondern auch eine Persönlichkeit, die das kulturelle und historische Leben in der Gemeinde wesentlich geprägt habe.
Zu seinem kulturellen Engagement habe auch die Schirmherrschaft für die Kunst- und Musikwoche „Morenhovener Herbst“ gehört, die in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde ausgerichtet worden war. So habe sein langjähriger und guter Freund, der katholische Geistliche Dr. Max-Eugen Kemper, über ihn geschrieben: „Trotz seiner hohen Beanspruchung in Schule und Gemeinde gab es immer auch viele private Begegnungen und Gespräche in seinem gastfreundlichen Hause zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern. Sie waren geprägt von großer Gastfreundschaft und aufgeschlossener Menschlichkeit und nicht zuletzt seinem Humor.“
Verantwortung zum Wohle der Allgemeinheit
In der Laudatio anlässlich der Aushändigung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland hieß es folgerichtig: „Diese vielfältigen Verpflichtungen wurden ihm jedoch nie zur lästigen Bürde, sondern er erfüllte sie aus einer inneren Verantwortung zum Wohle der Allgemeinheit. Viel helfen ihm dabei seine menschliche Art, sein Humor und sein Witz, die ihm rasch die Sympathien seiner Mitmenschen erschlossen.“
Am 15. August 1929 in Paderborn geboren, entschied er sich nach dem Abitur und der Tischler-Gesellenprüfung für ein Studium der Philosophie, Pädagogik, Psychologie und Soziologie an den Universitäten in Frankfurt am Main und Bonn, anschließend wurde er Pädagoge und Berufsschullehrer. Am 1. November 1957 heiratete er seine Frau Mechtild, mit der zusammen er drei Kinder hatte. Sein persönliches Interesse galt insbesondere der Literatur und der bildenden Kunst, so malte er und betätigte sich als Autor und Gedichteschreiber. Bereits 1970 hatte er als Co-Autor ein Fachbuch über Literaturkunde verfasst. Von seiner Leidenschaft fürs Malen und Zeichnen zeugen zahlreiche kleine Skizzen, die er während der oft langen Sitzungen am Rande oder auf der Rückseite der Einladungen anfertigte. Seine Liebe zu Italien drückte er in zahlreichen Bildern aus sowie in seinem Buch: „Römische Medaillons“. Als Dozent der Volkshochschule hielt Gunst Vorträge und leitete mehrere Studienreisen. Der Ehrenbürgermeister war zudem ein glänzender Rhetoriker und beliebter Festredner, auch im Karneval.
Vieles geht auf seine Initiative zurück
1965 trat er in die CDU ein und verlegte seinen Wohnsitz von Duisdorf nach Morenhoven, wo er jahrelang im Pfarrgemeinderat tätig war und 1975 erstmals ein Ratsmandat erhielt. Im gleichen Jahr wurde er als dritter Bürgermeister der Gemeinde Swisttal gewählt, bevor er 1979 zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Swisttal gewählt wurde, was er bis 1989 an der Seite von Gemeindedirektor Dieter Lüttjohann auch blieb. In seine Amtszeit fielen unter anderem der Neubau, Umbau und Renovierung zahlreicher Dorfhäuser, Vereinshäuser, Begegnungsstätten und Sportanlagen. Auf seine Initiative gehen auch die Einführung des Gästebuchs der Gemeinde Swisttal sowie die Einführung der Ehrenmedaille zurück, mit der verdienstvolle Bürger ausgezeichnet werden. Sogar die Einführung einer offiziellen Gemeindefahne als Banner sowie die Anfertigung von künstlerisch gestalteten Wappen, die noch heute im Sitzungssaal der Gemeinde Swisttal hängen, waren seine Idee. „Für all diese bin ich dankbar“, bemerkte Kalkbrenner unter dem Beifall der Gäste. JOST
Mechtild Gunst trug sich als erste in das Gedenkbuch an ihren verstorbenen Ehemann Karl-August Gunst ein. Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner hielt die Laudatio.
