Baustellenbesichtigung am Koblenzer Rittersturz
Ein bedeutsamer Ort muss gesichert werden
Koblenz. In den 70er-Jahren musste das Hotel auf dem Rittersturz aufgrund eines großen Felsrutsches abgerissen werden, und auch heute ist hier noch keine Ruhe eingekehrt. Ein rund 200 Meter langes Teilstück des 100 Meter hohen Rittersturzfelshangs zwischen Laubach und Königsbach hat Standsicherheitsprobleme. Bis 1924 wurde hier ein Steinbruch betrieben und dabei eine geotektonische Gebirgsstörung aufgeschnitten, was in der Folge mehrfach zu größeren Steinschlägen und Einstürzen führte. Damals hatte man parallel zur B 9 einen Wall errichtet, und man glaubte, dass damit alles in Ordnung sei.
Doch neuere Untersuchungen ergaben, das aus dem Felsen jederzeit etwa 250.000 Tonnen Gestein abstürzen könnten. Das wurde jetzt bei einer Baustellenbesichtigung zur Sicherung des Rittersturzes erklärt. Zahlreiche Felsrisse und ohnehin sehr ungünstige Kluft- und Schichtenverläufe gaben hinreichend Anlass zur Sorge, dass insbesondere für die unten liegenden Verkehrswege, DB-Strecke und Bundesstraße 9, aber auch für den oben liegenden Aussichtspunkt, Sicherheitsdefizite vorliegen. Das Tiefbauamt der Stadt Koblenz erhielt daher den Auftrag, Lösungen für die dauerhafte Verkehrssicherheit zu finden und umzusetzen. Verschiedene Varianten wurden untersucht.
Umweltverträgliche Lösung
Da sich in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich des Felshangs verschiedene seltene Pflanzen- und vor allem Tierarten (Uhu, Wanderfalken, Fledermäuse und Eidechsen) angesiedelt haben, war einer weitgehend umweltverträglichen Lösung der Vorzug zu geben. Man hat sich entschieden, den Felshang der weiteren natürlichen Erosion zu überlassen, aber durch Schaffung großer Auffangzäune und starken Auffangeinrichtungen die genannten Verkehrswege zu sichern sowie oben liegende Gefährdungsbereiche gegen Zutritt zu sichern.
In den Herbstferien 2015 wurde der gesamte Felshang von losem Gestein befreit und konnte danach exakt vermessen werden. In der Folge wurden nun hinreichend große Auffangräume am Fuß des Felsens hergestellt und mit einer Pufferschicht versehen, sodass herabfallendes Gestein sicher aufgenommen werden kann. Weiter wird nun ein vier Meter hoher, schwerer Steinschlagschutzzaun über die gesamte Länge von 200 Metern auf dem Wall erstellt. Der oben liegende Aussichtspunkt wird einige Meter zurückgesetzt, und die unmittelbar am Felsrand verlaufenden Wanderwege werden gesperrt und durch Parallelwege ersetzt. Um zu kontrollieren, ob diese Maßnahmen in Zukunft auch greifen, werden Dauerprüf- und Beobachtungseinrichtungen fest installiert. Die Baumaßnahmen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Die jetzt getroffenen Maßnahmen sind sowohl landschaftsschonend, weil wir auf rückverankerte Spritzbetonwände verzichten, als auch budgetschonend, weil wir vier bis fünf Millionen Euro weniger ausgeben müssen“, fasste Baudezernent Bert Flöck zusammen. Die Kosten belaufen sich derzeit auf 800.000 Euro für eine gezielte Sicherungsmaßnahme. US
Das Bauvorhaben ist in vollem Gange und soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Beim Felshang am Rittersturz stürzt weiteres Gestein in die Tiefe, das unten aber aufgefangen werden soll.
