Gesamtensemble fasziniert
„Ein besonderer Tag in einem besonderen Museum“
Der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf besuchte das Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Rolandseck. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet sich geradezu an, dort eine Kulturreise zu starten. So muss es auch Konrad Wolf gesehen haben. Seit dem Frühjahr ist der parteilose Politiker, Physiker und vormaliger Präsident der Hochschule Kaiserslautern Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur von Rheinland-Pfalz. In Rolandseck begann er seine Tour zu verschiedenen Orten der Kultur im Bundesland. Das waren außer dem Arp Museum die „RömerWelt“ Rheinbrohls und das Roentgenmuseum in Neuwied.
Das Rolandsecker Museums-Bistro eröffnet die Möglichkeit sich vor oder auch nach dem Kulturgenuss zu stärken. Schon beim Essen gab es aber nicht nur Schmackhaftes auf dem Teller, sondern auch kultiviertes Augenfutter. Schließlich hat der Berliner Künstler Anton Henning das Interieur No. 253 als Gesamtkunstwerk gestaltet. Und hinter dem schicken Barbereich öffnet sich als historisches Zeitzeichen und Kontrastprogramm mit Kronleuchter der ehemalige Wartesaal der ersten Klasse im historischen Bahnhof, der zusammen mit dem Neubau des Architekten Richard Meier das Museum bildet.
Erlebnis Museum
Konrad Wolf braucht als Kuratoriumsvorsitzender der Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck, die das Arp Museum betreibt, ohnehin keinen besonderen Anlass, um in Rolandseck zu weilen. Kunst pur erwartete ihn in den Ausstellungsräumen. „Hui“ entfuhr es Wolf zwischendurch im Aufzugsschacht, als es nach 40 Metern durch den Rheingrund vom Dunkel ins Licht ging. Im Arp Museum Bahnhof Rolandseck sei das Erlebnis von vorneherein ein wichtiger Faktor gewesen ist, kommentierte Museumsdirektor Oliver Kornhoff. Er begleitete den Minister zusammen mit Museumsmitarbeiterin Margot von Gumppenberg und dem Kreisbeigeordneten Horst Gies in Vertretung des Landrates. Konrad Wolfs Rundgang umfasste alle vier aktuellen Museumsschauen, so „Andere Wirklichkeiten“ von Künstlern mit Beeinträchtigungen in den Bahnhofsräumen. In der Präsentation „Menschenskinder“ der „Kunstkammer Rau“, reserviert für die Sammlung Gustav Raus für Unicef, erklärte Kornhoff, „wir müssen kuratorisch immer neue Reize schaffen, sonst hätten wir die Werke der Sammlung nach fünf Ausstellungen durch“.
Das Museum im Fokus der Öffentlichkeit zu halten, diese stetige große Herausforderung bedeutet auch außermuseale Kooperation. Deshalb ist das Haus vernetzt mit den Ausflugsanbietern, erfuhr der Minister. Nach der Aufzugsfahrt begegnete er im Neubau der klassischen Gegenwartskunst. Man zeige, so Kornhoff, „was hat Hans Arp an Spuren gelassen“. Aus Anlass 100 Jahre Dada – das Arp Museum gab dafür den bundesweiten Auftakt – und inspiriert vom legendären „Cabaret Voltaire“ in Zürich, wird im großen Dada-Jubiläumsjahr 2016 das Thema der Bühne in der Bildenden Kunst anschaulich gemacht.
Moderne und Romantik
Ein Geschoss höher sah sich Kulturminister Wolf mit Interesse in der Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp gewidmeten „Patronatsetage“ um. Die Augen über die Museumsterrasse ins Rheintal gerichtet, lautete sein Kommentar zu diesem Haus der Kultur kurz und begeistert „toll“. Ihn fasziniert „das Gesamtensemble, die Kombination aus Fluss, Bergen, Bahnhof, Museumsarchitektur, aus Verkehr und Kultur“. Wolf machte ein „Spannungsfeld“ aus. Über die betuchten Kölner Kaufleute und Industriellen, die im 19. Jahrhundert in Rolandseck und Umgebung ihre Villen errichteten und sie seit den 1850ern mit der Bahn bis Rolandseck noch schneller erreichten, sagte er: „Man hat in der Moderne gelebt und sich gleichzeitig nach der Romantik gesehnt“. Der Kulturminister verewigte sich auch im Gästebuch, in das er schrieb: „Ein besonderer Tag in einem besonderen Museum“.
HG
Im angeregten Gespräch und auf dem Weg zur Kunstkammer Rau: Kulturminister Konrad Wolf (l.) und Museumsdirektor Oliver Kornhoff Foto: unknown
