Swisttaler feiern in Frankreich 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs
Ein bewegendes Friedensfest mit den Städtepartnern
Swisttal. „Vor 100 Jahren erklärten Männer den Krieg. Heute erklären Frauen den Frieden“, stellte Bürgermeisterin Rose Marie Hallynck im Ehrensaal des Rathauses von Quesnoy-sur-Deûle fest. Damit ließ sie ihre deutsche Amtskollegin Petra Kalkbrenner aus Swisttal und die beiden Vorsitzenden der Partnerschaftsvereine, Catherine Mille und Monika Wolf-Umhauer, ihre Unterschriften auf ein Dokument mit Friedenstaube und „100 Jahre Waffenstillstand 1918“ setzen: „paix et fraternité - Frieden und Brüderlichkeit, 11. November 2018“.
Der Partnerschaftsverein übergab als Gastgeschenk ein Banner mit der Aufschrift „Begegnung unter Freunden – rencontre entres amis – 11.11.2018“, überreicht von zwei deutschen und zwei französischen Jungen, „auf dass die nächste Generation der Männer den Frieden bewahrt“.
Dass aus ehemaligen „Erzfeinden“ echte Freunde werden können, das erlebten die Swisttaler nachdrücklich in ihrer Partnerstadt Quesnoy-sur-Deûle. Die Städtepartner waren eingeladen, gemeinsam in Frankreich das „Friedensfest“ zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs zu feiern. Um dieser besonderen Ehre gerecht zu werden, hatte der Partnerschaftsverein das Orchester Tomburg-Winds der Musikschule Voreifel zur Teilnahme eingeladen.
Gänsehaut beim Abspielen der Hymnen
Zunächst waren alle gemeinsam mit der Bevölkerung, Vereinen, Feuerwehr, Veteranenverein und Grundschule im großen Festzug zum deutschen Soldatenfriedhof in Quesnoy gezogen. Stephan Will, stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, hielt eine Ansprache in deutscher und französischer Sprache über die Bedeutung dieses Tages, 100 Jahre nach dem Waffenstillstand von Compiègne. Deutsche und französische Kinder legten an der Seite der beiden Bürgermeisterinnen Kränze nieder. „Es war ein großes Symbol und echter Gänsehautmoment, als die Philharmonie das Deutschlandlied intonierte, dann spielten die Tomburg-Winds unter Adi Becker die Marseillaise“, erklärte Monika Wolf-Umhauer, die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins. Zu den Klängen beider Orchester sangen alle gemeinsam die Europa-Hymne in deutscher Sprache.
Am Ehrenmal an der Deûle erfolgte der eigentliche Festakt mit Fanfaren, Musik beider Orchester, dem Chor der Schulkinder, Flaggen, Ansprachen. Bürgermeisterin Rose Marie Hallynck verlas – wie in allen anderen französischen Kommunen – die Rede von Staatspräsident Emmanuel Macron („Patrialismus ist das Gegenteil von Nationalismus“ und „ Frieden ist nicht selbstverständlich, er muss immer wieder neu erarbeitet werden“). Wieder legten zwei deutsche und zwei französische Kinder Kränze nieder. Daneben deponierten Schulkinder ein Plakat mit gebastelten Kornblumen, dem Symbol des Gedenkens in Frankreich.
Der erneuerte Friedensvertrag zwischen Swisttal und Quesnoy hängt bereits in den Ratssälen der beiden Partnerstädte. Fotos von dem unvergesslichen Wochenende findet man auf der Homepage des Vereins unter www.swisttal-quesnoy.de.
Eine gewachsene enge Freundschaft
„Den engagierten Freunden in Quesnoy ist es gelungen, eine einmalige, sehr eindrucksvolle und würdige Veranstaltung zu organisieren. Diese freundschaftliche Atmosphäre mit vielen liebevollen Gesten hat gezeigt, dass diese enge Beziehung über Jahre gewachsen ist“, so eine Teilnehmerin. „Vielen Dank für die Einladung, die Gastfreundschaft und die damit verbundene Möglichkeit, bei der Erinnerung an diesen schrecklichen Krieg mitwirken zu dürfen. Heute gemeinsam Europa sichtbar zu machen, was kann es Schöneres geben?“
