Der Unkeler Bürgerpark gewinnt gut 32.000 Euro dank fast 1.000 Unterstützenden
Ein interkultureller Begegnungspunkt soll entstehen
Unkel. Die Integrationswerkstatt ist das Hauptprojekt des gemeinnützigen Vereins Gemeinsam für Vielfalt e. V., der sich seit 2016 dafür engagiert, einen interkulturellen Begegnungspunkt für alte und neue Nachbarinnen und Nachbarn auf dem brachliegenden Gelände des ehemalige Unkeler Freibads einzurichten. Dieser Begegnungspark wurde kürzlich unter dem Stichwort „Bürgerpark“ für den Deutschen Integrationspreis der Hertie-Stiftung nominiert. Mit diesem Preis zeichnet die Hertie-Stiftung überzeugende Projekte aus, wobei diese durch eine Kombination aus Crowdfunding und Stiftungspreisgeldern (teil-)finanziert werden. Unkel war bei weitem die kleinste Stadt, deren Projekt für den Deutschen Integrationspreis nominiert war. Am 5. Juni, endete der Contest um den Deutschen Integrationspreis mit einem nervenaufreibenden Kopf-an-Kopf-Rennen des Unkeler Bürgerparks mit einem Integrationsprojekt aus Friedrichshafen um eine Platzierung auf den vorderen Rängen. Dank fast 1.000 Unterstützenden, die der Bürgerpark innerhalb des 30-tägigen Crowdfundings für sich verbuchen konnte, freut sich die Integrationswerkstatt jetzt über die gespendeten Beiträge und das Preisgeld der Hertie-Stiftung für einen erfolgreichen vierten Platz. Zachary Gallant, Leiter des Projekts Integrationswerkstatt, erklärt den unglaublichen Erfolg: „Menschen haben uns unterstützt, die überwiegende Mehrheit von ihnen stammt aus Unkel selbst. 2017 erlangte das Projekt, das den Integrationspreis gewann, 984 Unterstützer. 2018 hatte der Gewinner 739 Unterstützer. Dass in diesem Jahr eine Unterstützerzahl, die in den letzten zwei Jahren den Contest gewonnen hätte, uns nur den 4. Platz sichern konnte, sagt etwas Wunderbares über die gesamte deutsche Gesellschaft aus: Es gibt ein großes Interesse daran, aktiv zu werden und sich für soziale Projekte einzusetzen. Unkel darf unglaublich stolz auf dieses Ergebnis sein!“
Der Bürgerpark als Treffpunkt für die Öffentlichkeit
Tatsächlich finden sich unter den Unterstützenden (Kommunal-) Politiker aller im neugewählten Stadtrat vertretenen Parteien, Vertreter gesellschaftlicher Institutionen wie der katholischen Kirche oder der lokalen Kindergärten, ganze ortsansässige Musikgemeinschaften sowie hunderte von zivilgesellschaftlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Auch Fritz Bagel, der Enkel von Fritz Henkel, hat zusammen mit seiner Frau Gisela für den Deutschen Integrationspreis 3000 Euro an den Unkeler Bürgerpark gespendet, um diesen wieder als Treffpunkt zu etablieren. Besonders ist dieser Akt nicht nur aufgrund der Großzügigkeit der Spendensumme, sondern auch aufgrund der Tradition, in die sich die Nachfahren des Unternehmers Fritz Henkel durch diese Geste stellten. Vor fast 100 Jahren hatte Fritz Henkel das Gelände des Bürgerparks der Stadt Unkel als Sport- und Freizeitplatz geschenkt. Die jetzige finanzielle Unterstützung der Enkelgeneration war ein Meilenstein im Wettkampf um den Integrationspreis und brachte die Integrationswerkstatt ihrem Ziel, das lange brachliegende Gelände wieder als Treffpunkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, einen entscheidenden Schritt näher. Gallant: „Jetzt, da wir den Contest erfolgreich beendet haben, wollen wir gemeinsam mit den Unterstützenden und den Mitgliedern der gebildeten Arbeitsgruppe den Gedanken des Bürgerparks als Treffpunkt vorantreiben. Unser erstes Finanzierungsziel war gewesen, die laufenden Kosten des Geländes übernehmen zu können. Dank der harten Arbeit und der Verhandlungen von Bürgermeister Hausen sind diese jedoch für das kommende Jahr bereits gedeckt. Als zweites Finanzierungsziel hatten wir die Renovierung des Gebäudes, in dem wir den Großteil unserer Programme betreiben, angegeben, um den Bürgerpark ganzjährig zugänglich zu machen. Nach unserem Erfolg hat sich Bürgermeister Hausen bereit erklärt, dieses Ziel gemeinsam mit uns zu verwirklichen. Aufgrund dessen werden wir bereits dank der durch den Integrationspreis gewonnenen rund 30.000 Euro ganzjährige Begegnungsmöglichkeiten schaffen können. Wir freuen uns.“ Als weitere Aktivität, die unmittelbar durch den Contest beeinflusst wurde, gibt der Verein an, einen Shuttle Service zwischen dem örtlichen Seniorenheim und dem Bürgerpark einrichten zu wollen, damit auch die ältere Generation wieder Zugang zu dem Gelände erhält, mit dem sie oftmals viele schöne Erinnerungen verbindet. Übergeordnetes Ziel des Begegnungsprojekts ist der Abbau von Vorurteilen und Fremdenhass, Antisemitismus und Islamophobie - unter Deutschen ebenso wie unter Personen anderer Herkunft. Hierzu zählt auch das Einrichten eines interreligiösen Gebetsraums, unterstützt von Rabbinern aus Schweden, Großbritannien und Israel, Imamen aus Frankreich und Bosnien ebenso wie von der katholischen Kirchengemeinde Unkel, der Muslim Jewish Conference aus Wien und dem europaweiten interreligiösen Dialog-Forum European Institute for Dialogue, das von der OSZE unterstützt wird und das dem Bürgerpark nicht zuletzt aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zur Salafisten-Szene in Bad Godesberg große Bedeutung beimisst. In den kommenden Wochen werden Mitglieder der Integrationswerkstatt vom Erfolg des Bürgerparks beim Deutschen Integrationspreis 2019 vor (inter-)nationalen Organisationen, unter anderem aus Schweden, den USA, Frankreich und Israel berichten und sich dabei für eine weitergehende finanzielle Unterstützung einsetzen. Parallel dazu wird die langfristige und nachhaltige Umsetzung des Bürgerparks in Unkel vor Ort vorangetrieben.
Gallant: „Die Unterstützung der Crowdfunding-Kampagne durch fast 1000 Menschen sowie die vielen Gespräche, die wir hier mit Personen aus Unkel und Umgebung geführt haben, zeigen ein riesiges Interesse an unserem Begegnungsprojekt. Durch den Deutschen Integrationspreis ist es uns gelungen, das Vertrauen der Bevölkerung in zivilgesellschaftliches Engagement wiederzuerwecken. Für diesen Einsatz für ein bereicherndes Miteinander aller Einwohnerinnen und Einwohner wollen wir uns weiter stark machen. Wir danken von Herzen allen Unterstützenden. Unkel ist klasse!“
Pressemitteilung der Verbands-
gemeindeverwaltung Unkel
