Tomburger Hunnenhorde lud zum letzten Hunnenlager
Ein letztes Mal hörte alles im Hunnen-Auel auf Hunnenkönig Attilas Kommando
Im 25. Jahr des Bestehens endet die Tradition der Hunnenlager wegen akuten Personalmangels
Wormersdorf. Ausgerechnet zum 25-jährigen Vereinsbestehen der Tomburger Hunnenhorde endet die Tradition des alljährlichen Hunnenlagers auf dem Grillplatz in Wormersdorf. Von seinem hölzernen Thron mit echtem Bärenfell, Stierhörnern und goldenem Adlerwappen blickte „Attila“ (Bernie Leesemann) wehmütig auf seine Untertanen herab, denn das 22. Hunnenlager ist zugleich das letzte, bei dem sich der Zeltplatz zwischen Rheinbach und Wormersdorf in einen stilechten Hunnen-Auel verwandelt und alles auf Attilas Kommando höher. Und das, obwohl er bekanntermaßen eher ein milder und freundlicher Fürst und kein despotischer Herrscher ist.
„Es ist sehr traurig, aber wir schaffen es aus Altersgründen einfach nicht mehr, diese ganze Arbeit zu stemmen“, bedauert „Attila“. Der Verein bestehe nur noch aus sechs Mitgliedern, allesamt im Alter zwischen 50 und über 70 Jahren. Den Vorsitz des Vereins hat Torsten Koll alias „Fürst Elac“ übernommen, außerdem sind noch „Attilas Weib“ Hanni Leesemann, „Attilas zweite Frau“ Monika von Sturm, der „Schamane Malakai“ Jürgen Braun und die „Kriegerin“ Marianne Braun mit von der Partie. Mit so wenigen Leuten sei eine so große Veranstaltung einfach nicht mehr zu bewerkstelligen, so Leesemann. „Wir haben ein ganzes Jahr lang debattiert, ob wir weitermachen sollen, aber es geht einfach nicht mehr.“ Ausdrücklich bedankte er sich für die angebotene Hilfe von anderen Vereinen aus dem Dorf, die man ein letztes Mal wieder gerne angenommen habe.
Der Verein bleibt weiterhin bestehen
Der Verein „Tomburger Hunnenhorde“ bleibe allerdings weiterhin bestehen, man arbeite schon an einem neuen Konzept, um mit deutlich weniger Aufwand mit den Freunden des Vereins mindestens einmal im Jahr ein schönes Fest in kleinerem Rahmen zu feiern. Ansonsten sehe man sich eben bei den Veranstaltungen der befreundeten Hunnenhorden wieder. „Bei uns gibt es das nicht: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wir wissen, wer uns von der ersten Stunde an unterstützt und besucht hat – das werden wir nie vergessen.“
Zu allem Überfluss musste Attila bei seinem letzten Hunnenlager auch noch auf das obligatorische Lagerfeuer verzichten, was ihn besonders wurmte, „denn ohne Feuer gibt es eigentlich kein Hunnenlager.“ Doch dieses Jahr war das Feuer wegen der anhaltenden Trockenheit und der dadurch entstehenden Brandgefahr nicht genehmigt worden, wofür Leesemann natürlich vollstes Verständnis hatte.
Becher der Freundschaft in einem Zug leeren
Dennoch machten den ganzen Tag über etwa zwei Dutzend befreundeten Hunnenhorden dem Wormersdorfer Herrscher ihre Aufwartung, darunter Einheiten aus Dormagen, Hachenburg und Erpel, ebenso die „Kölner Barbaren“, „die „Falken aus Wehr“ oder die „Herren der Pferde aus Bonn“. Dabei mussten die jeweiligen Stammesfürsten zu Attilas Ehren traditionsgemäß den „Becher der Freundschaft“ in einem Zug leeren, nachdem zuvor mit Unterstützung von „Schamane Malakai“ den Göttern in allen vier Himmelsrichtungen einige Spritzer geopfert worden waren. Anschließend wurde gemeinsam an der Fürstentafel gespeist und getrunken.
Sechs Vereine hatten ihre Jurten auf dem Platz aufgebaut, erstmals gab es zu Tagesbeginn ein gemeinsames Frühstück. Stilecht waren auch die Fürsten und Krieger der auswärtigen Hunnenhorden ausstaffiert, mit jeder Menge silberbeschlagenem Leder, langhaarigem Pelz und flauschigen Fuchsschwänzen als Bekleidung, ausdrucksstarken Gesichtsbemalungen besonders bei den Kriegern und üppigem Schmuck bei den Damen. Am Ledergürtel hingen Streitäxte und Trinkhörner, die brechend vollen Tische wurden von Tiertrophäen aller Art geziert und von stimmungsvollen Kerzenleuchtern erhellt. So machte das Lagerleben den zahlreichen Besuchern sichtlich Spaß.
Zwei Krieger zu Fürsten erhoben
Eine der letzten Amtshandlungen von „Attila“ Bernie Leesemann war die Erhebung von zwei Kriegern in den Fürstenstand. „König Thangun“ alias Klaus Hombach hatte darum gebeten, zwei seiner verdienten „Untertanen“ aus den Reihen der „Steppensöldner“ (Euskirchen) zu befördern. Diesen Wunsch konnte „Attila“ seinem ersten und einzigen Blutsbruder natürlich nicht abschlagen, besuchte „König Thangun“ mit seinem Gefolge vom ersten Tag an doch sämtliche Wormersdorfer Hunnenlager mit nur einer einzigen krankheitsbedingten Unterbrechung. So wurden mit allerlei Zeremoniell und nach Ableistung des obligatorischen Tributs in Form eines Pittermännchens der bisherige „Krieger“ Jörg Braun zu „Fürst Takumi“ und die bisherige „Kriegerin“ Monika Lieder zu „Fürstin Natzuki“ erhoben. Sie durften gleich im Anschluss an der Fürstentafel Platz nehmen.
„Mädels, schwingt die Hüften!“, hieß anschließend Attilas Befehl, als die Gruppe „Sarafi aus dem Morgenland“ mit ihrer Sultanin Nourani Gamal die zahlreichen Besucher mit einem „Tribal Belly Dance“ verzauberten. Dieser hat seine Ursprünge in den traditionellen orientalischen Tänzen, wird aber von Tanzelementen aus anderen Regionen der Welt und aus neuerer Zeit ergänzt und ist einfach schön anzuschauen. Im weiteren Verlauf des Abends veranstalteten die acht „orientalischen“ Damen auch noch eine „Geisterbeschwörung“, bei der sie im Ambiente aus 1001er Nacht Attilas weitere Zukunft wahrsagten: Die Götter werden ihn schützen!
JOST
Zur „Fürstin Natzuki“ wurde beim Hunnenlager in Wormersdorf die ehemalige „Kriegerin“ Monika Lieder erhoben, zuvor musste sie ein letztes Mal vor ihrem „König Thangun“ niederknien. Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
Beim vorerst letzten Hunnenlager der Tomburger Hunnenhorde in Wormersdorf begeisterte die Gruppe „Sarafi aus dem Morgenland“ mit ihrer Sultanin Nourani Gamal die zahlreichen Besucher mit einem „Tribal Belly Dance“. Foto: Photographer: Volker Jost Auf de
