Ehemaliger Fußballprofi aus Aleppo
Ein neues Leben für Mohammad Zaghnoon
Syrer startete am 1. September seine Ausbildung bei der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen
Kreis Mayen-Koblenz. IdA steht für „Integration durch Ausbildung und Arbeit“. Ein Programm, für das die Bundesagentur für Arbeit derzeit bei Arbeitgebern verstärkt Werbung macht. Denn dass ein Job, von dem man sich selbst und seine Familie ernähren kann, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration in eine neue Kultur und Heimat ist, ist unbestritten. Doch die Arbeitsagentur Koblenz-Mayen versucht nicht nur, Betriebe in der Region für ihr Projekt zu gewinnen. Sie machen auch selbst mit: Mohammad Zaghnoon kickte vor drei Jahren noch als Profispieler für die Erste-Liga-Mannschaft Itthad Aleppo und studierte nebenbei in der syrischen Stadt BWL. Nun mischt er mit der Moselweiser Fußball-Mannschaft „Cosmos Koblenz“ die Bezirksliga Mitte auf und freut sich auf den Beginn seiner Ausbildung: Ab September gehört er offiziell zum Team der Koblenzer Arbeitsagentur. Im Moment läuft es gut im Leben von Mohammad Zaghnoon. Und das freut den sympathischen jungen Mann sichtlich. Denn selbstverständlich ist das für den 23-Jährigen nicht.
Bürgerkrieg zerstörte die junge Karriere
Vor zwei Jahren verließen er, seine Eltern und drei Geschwister ihre Heimatstadt Aleppo, um vor Bomben und Granaten zu fliehen. Leicht sei der Familie diese Entscheidung nicht gefallen, erzählt Mohammad. Schließlich hatte man in Syrien ein gutes Leben: Der Vater war nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch passionierter Fußballer, der viele Jahre die Nationalmannschaft seines Landes trainiert hatte und sich nun um den fußballerischen Nachwuchs bemühte. Sein ältester Sohn Mohammad teilte die Leidenschaft fürs runde Leder und hatte es bereits mit 21 Jahren zu einiger Prominenz geschafft. „Ich hatte alles, wovon ein 20-Jähriger träumen kann – Geld, ein Auto, ein Studium, das mir Spaß machte. Man erkannte mich auf der Straße. Ich hätte nie geglaubt, dass das alles so schnell vorbei sein könnte.“ Doch dann überrollte der Bürgerkrieg seine Heimatstadt. Granatbeschuss und Gewehrkugeln wurden zur ständigen Bedrohung. Man habe sich kaum noch auf die Straße getraut, erinnert sich der 23-Jährige. Als Islamisten schließlich die Fußballakademie seines Vaters in Schutt und Asche legten und Mohammad von einer Granate verletzt wurde, entschlossen sich die Eltern zur Flucht. Eine leichte Entscheidung war das nicht, betont Mohammad Zaghnoon. Schließlich habe man alles zurückgelassen, was das bisherige Leben der Familie ausmachte: Angehörige, Freunde, ein Unternehmen, Häuser, die Karriere. Nur die wichtigsten Papiere und einige persönliche Gegenstände nahmen Zaghnoons mit in eine ungewisse Zukunft. Die Hoffnung, womöglich bald nach Hause zurückkehren zu können, zerschlug sich im Libanon. „Dort war die Situation nicht viel besser als in Aleppo. Also zogen wir weiter nach Europa.“ Anlaufstellen gab es, zumindest theoretisch, genug. Schließlich hat die Familie Verwandte und Freunde in Holland. Schweden, Dänemark, der Schweiz – und eben in Deutschland. Am Ende entschied man sich für Deutschland, „weil wir viel Gutes über dieses Land gehört hatten“. Was Mohammad und seiner Familie anfangs nicht klar war: Vor dem schwierigen Neubeginn in der fremden Wahlheimat lag ein Alptraum. Denn auf dem langen Weg vom Libanon in die Erstaufnahmeeinrichtung in Trier lernten die bis dahin behütet aufgewachsenen jungen Leute und ihre Eltern die dunkelsten Seiten menschlichen Daseins kennen. „Wir haben wirklich schlimme Erfahrungen gemacht“, erinnert Mohammad sich nur ungern.
Ausbildung als neue Chance
Umso entschlossener ergreift er jede Chance, die sich für ihn in der neuen Heimat eröffnet. Verbissen und mit beachtlichem Erfolg lernte er Deutsch, jobbte in einem Hotel und lernt jeden Tag etwas Neues über deutsche Gepflogenheiten und Kultur. Und natürlich spielt er wieder Fußball. Beim Training lernte er Ali Karim kennen, hauptberuflich Flüchtlingslotse der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, der den engagierten jungen Mann für das IdA-Programm vorschlug. Ein halbes Jahr lang musste Mohammad Zaghnoon sich in der Behörde bewähren und am Ende eine anspruchsvolle Prüfung ablegen, bevor feststand: Er kann am 1. September mit seiner Ausbildung unter dem Dach der Bundesagentur für Arbeit beginnen. Eine Entwicklung, die nicht nur Agenturleiter Frank Schmidt freut. „Natürlich ist es sinnvoll, wenn wir bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt mit gutem Beispiel vorangehen. Aber ich bin mir auch sicher, dass Mohammad Zaghnoon ein echter Gewinn für unser Haus ist – als Mensch und als Mitarbeiter.“ Der so Gelobte selbst ist von seinem neuen Job jedenfalls schon jetzt völlig begeistert - besonders das Duale Ausbildungssystem hat ihn überzeugt. „Viele Menschen, die nach Deutschland kommen, wollen so schnell wie möglich arbeiten und Geld verdienen. Aber ich konnte schon viele meiner Bekannten überzeugen, dass es für ihre Zukunft besser ist, wenn sie zuerst eine Ausbildung machen“, erklärt er lächelnd. Seinem erfolgreichen Berufseinstieg scheint bei so viel Engagement nichts im Weg zu stehen. Dennoch hat der 23-Jährige ein großer Wunsch. „Ich hoffe, dass meine Familie es ebenfalls schafft, sich hier in Deutschland zu Hause zu fühlen.“ Seinen Geschwistern werde das sicher leicht gelingen. „Aber für meine Eltern ist es schwer. Sie hatten sich ein gutes Leben aufgebaut, sie haben alles verloren und sie müssen nun, wo andere Menschen ihres Alters darüber nachdenken, sich zur Ruhe zu setzen, noch einmal von vorn beginnen. Das ist nicht leicht.“
