Lotto Rheinland-Pfalz präsentierte Guildo Horn im Theater der Stadt Koblenz
Ein sehr schräges Weihnachtskonzert
Koblenz. Lotto Rheinland-Pfalz bescherte den Koblenzern mitten in der Adventszeit ein sehr schräges Weihnachtskonzert-Erlebnis: Guildo Horn trat mit seiner Band „Die Orthopädischen Strümpfe“ im Theater der Stadt Koblenz auf. Mit seiner großen sozialen Kompetenz, wie Lotto-Geschäftsführer Jürgen Häfner vor Konzertbeginn darlegte, ist der 1963 als Horst Köhler in Trier geborene Showstar und Entertainer ein idealer Partner für die Lotto-Spendenaktion „Kinderglück“, die aktuell die Linderung von Kinderarmut in Rheinland-Pfalz zum Ziel hat. Die Eintrittsgelder des Konzerts waren eins zu eins für den guten Zweck bestimmt.
Mit einer akademischen Viertelstunde Verspätung, das Publikum wird schon langsam unruhig, kündigen schließlich Glockengeläut und ein von Trompeten gespieltes „Tochter Zion“ den Beginn der großen Guildo-Horn-Weihnachtsshow an. In den folgenden rund zwei Stunden will der Meister, wie ihn die Fans ehrfürchtig nennen, gemeinsam mit seinen vier „Orthopädischen Strümpfen“ Schutz, Wärme und Elastizität schenken. Verstärkung erhalten sie von drei Blechbläsern, bekannt als die „Asoziale Blaszentrale Dessau“.
Eine verrückte Show
Das Publikum erwartet eine bunte und verrückte Konzert-Show, innerhalb der sich der Meister mit schrillen Kleidungsstücken und witzigen Accessoires unzählige Male neu erfindet. Mal trägt er einen Anzug mit rotem Rüschenhemd und Krawatte, mal einen weißen Priesterumhang, einen transparenten Latex-Einteiler oder ein Weihnachtsmann-Kostüm.
Gut vernehmbar gefällt den Zuschauern, darunter etliche eingefleischte Guildo-Horn-Fans, jedes noch so ausgefallene Outfit. Mit beeindruckender Energie und Ausdauer rockt der Eurovision-Song-Contest-Teilnehmer des Jahres 1998 die Bühne. Wie ein Wiesel flitzt er hin und her, hüpft und springt oder nimmt mal eben ein Bad im „gefühlsmäßig besten“ Publikum. Was er einst in seiner Pädagogik-Diplomarbeit über „Die Befreiung von der Vernunft“ schrieb, scheint er heutzutage auf der Bühne auszuleben. Coverversionen bekannter Rock- und Popklassiker sind in ein weihnachtliches Textkleid gehüllt. Aus „In the Ghetto“ wird beispielsweise „In der Krippe“, das „Radio Star“ wird zu „Christkind ist da“, „YMCA“ zu „Es weihnachtet sehr“, und selbst Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ bleibt von der weihnachtlichen Verwandlung nicht verschont. Weil allerdings Schlagzeug und Blechbläser vor allem in der ersten Konzerthälfte derart lautstark von sich Hören machen, geht die Stimme des Meisters vielfach verloren. Die vielleicht doch hörenswerten Texte bleiben zum Teil unverständlich. Aber eines wird glasklar: Guildo und sein Team sind Fans der Weihnachtszeit.
Mit Ruhe und Besinnlichkeit hat das bei ihnen allerdings wenig zu tun. Die stimmungsvollsten Momente sind die, in denen die Mädchenkantorei Koblenz ihr Gast auf der Bühne ist. Guildo spielt Gitarre, die Mädchen singen „Kling Glöckchen klingelingeling“ und „Leise rieselt der Schnee“. Den friedlichen Wohlklang aufnehmend singt er, herzerwärmend begleitet vom Klavier, „Wenn doch jeden Tag Weihnachten wär“ und gönnt dem Publikum, das den Chorpart mit „Tralalala“ übernimmt, eine kurze Zeit für gewaltig besinnliche Gefühle.
Nahtloser Übergang
Rockig-fetzig geht es dann mit der Melodie von „Under the Moon of Love“ mit „Unter dem Weihnachtsstern“ weiter. Mit einem über sich aufgespannten Schirm wird optisch ein „unter dem Lichterschirm“ daraus. Nahtlos geht ein Lied in das andere über. Bald schon hat der Entertainer derart viel Fahrt aufgenommen, dass, begleitet vom Jubel des Publikums, die Jacke fällt und das Handtuch gebraucht wird. Die ewig langen, um die Halbglatze herunterhängenden Haar-Fusel erhalten eine schweißgetränkte Strähnigkeit - so kennen sie ihn, so lieben sie ihn. Das Hemd behält er einstweilen noch an, doch schon kurz darauf zeigt er sich barbrüstig und mit Engelsflügeln.
Neue Kraft für neue Verrücktheiten schöpft er bei der Vorstellung der ähnlich schrill aussehenden Musiker. Er selber ergänzt die Band gelegentlich als vielseitiger Perkussionist, der es mit Löffeln, Becken, Schlagzeug oder Glocken rhythmisch ordentlich krachen lassen kann. Alle Augenblicke überrascht er sein Publikum aufs Neue. Unermüdlich und erfolgreich animiert er es zum Mitmachen, obwohl das in einem Theater im Vergleich zu Festsälen und Hallen natürlich nur in eingeschränktem Maß möglich ist.
Energetisch aufgeladen
Doch wie es scheint, kommt jeder hinlänglich auf seine Kosten. Im rockigen Rhythmus der Lieder tobt sich das vom Fieber der Heiligen Nacht infizierte und vom Künstler energetisch aufgeladene Publikum mit geradezu gymnastischen Übungen tüchtig aus. „Nackt und unplugged“, sprich ohne Trompeten und mit einer sehr reduzierten Schlagzeug-Ausrüstung, kann sich nach der Pause in der Phase der etwas intimeren Stücke, wie dem frei nach Abbas „Chiquitita“ dargebotenen Lied von Reibekuchen-Rita und Maronen-Dieter, die Stimme des Künstlers zu echter Hörfreude entfalten.
Christkind, Weihnachtsmann und mehr die Herzen erwärmende Schlagwörter sind die trefflichen Zutaten für Guildo Horns musikalischen Weihnachtskuchen. Der Abschied wird ein langer - mit einer einzigen Zugabe ist es nicht getan. Den fulminanten Schlussakkord bilden die Lieder, ohne die ein Guildo-Horn-Konzert undenkbar ist: „Wunder gibt es immer wieder“, „Tränen lügen nicht“ und natürlich der auf dem siebten Platz des Song-Contests gelandete swingende Hit „Guildo hat euch lieb“. Ob die Plateauschuhe noch von damals sind? Ein Konzert geht zu Ende, das das Theater rockte, in dem die Musiker und ihr Meister vollen Einsatz zeigten und damit ihren Fans sehr besondere Wünsche für frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr überbrachten. Das verrückte „Weihnachten mit Guildo Horn“-Konzert zieht noch einige Tage weiter durch die Republik, bis es am Tag vor Heiligabend in der Europahalle Trier seinen Abschluss nimmt.
BSB
Unterwegs mit Engelsflügeln: Guildo Horn.
Guildo Horn hatte natürlich auch den Chor immer im Griff.
