Allgemeine Berichte | 19.02.2016, 10:20 Uhr

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Eine Erfolgsgeschichte des solidarischen Denkens

Hermann Schulze-Delitzsch und die Befreiung der Weinbauern

Eine Erfolgsgeschichte des solidarischen Denkens
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Vor 147 Jahren begann im Ahrtal eine weitere Erfolgsgeschichte des solidarischen Denkens. In Mayschoß entstand unter juristischer Beratung von Hermann Schulze-Delitzsch, Mitbegründer des Genossenschaftswesens, die erste Winzergenossenschaft der Welt.

Mayschoß. Auch wenn sich die Lebenssituation in der Mitte des 19. Jahrhunderts vielerorts positiv entwickelte und die Industrialisierung neue Chancen brachte, war bei den Ahrwinzern von wirtschaftlicher Aufbruchsstimmung nichts zu spüren. Ausländische Konkurrenten drängten mit Billigweinen auf den Markt, schlechte Ernten bis hin zu Totalausfällen und mangelndes Kapital führten zu einer immer stärkeren Verarmung der Winzer. Ab 1865 stellten sich endlich wieder bessere Ernten ein, doch der Absatz fehlte. Der Weinhandel, der sich schon 1840 als neue Branche zwischen die Winzer und ihre Kunden gedrängt hatte, lag mittlerweile nur noch in wenigen Händen. Es hatten sich Handelskartelle gebildet und die Abnahmepreise wurden abgesprochen. In dieser Notlage griffen in Mayschoß an der Ahr 18 Winzer eine Idee auf, die am 20. Dezember 1868 zur Gründung der ersten deutschen Winzergenossenschaft führte.

Gründungsjahr 1869

Nach dem Vortrag eines Wanderlehrers über den Anbau passender Rebsorten und rationeller Düngung waren sie durc h den damaligen Küster Coßmann zur Gründung einer Verkaufsgenossenschaft angeregt worden. Am 7. September 1869 wurde die erste Winzergenossenschaft unter dem Namen „Winzer Verein zu Mayschoß Eingetragene Genossenschaft“ in das Handels- und Genossenschaftsregister in Koblenz eingetragen. Im Zusammenschluss nahmen die Winzer die Produktionsverbesserung und die Vermarktung ihrer Weine selbst in die Hand. In all ihren Bemühungen wurden sie tatkräftig unterstützt von Franz Bresgen, Gutshofbesitzer zu Lantershofen und Abgeordneter der Kreise Ahrweiler und Adenau im Preußischen Landtag. Sein Fraktionskollege, Hermann Schulze-Delitzsch, stand ihm bei der Gründung etlicher Genossenschaften im Ahrkreis zur Seite. Bei der Gründung der Winzergenossenschaft war neben Bresgen auch Schultze-Delitzsch juristischer Berater. Am 27. Februar 1869 schrieb er an die Winzergenossen: „Mit lebhaftem Interesse habe ich von der Gründung Ihrer Genossenschaft Kenntnis genommen und bin (...) gerne bereit, Ihnen nach Kräften förderlich zu sein.“ In diesem Schreiben erbat er Einsicht in die Statuten und riet zur Anmeldung des Gewerbebetriebs bei der Steuerbehörde. Die Finanzierung der Genossenschaft erfolgte durch Privatkredite, die jedes Mitglied in Höhe von 100 Talern aufnahm und dem Verein zur Verfügung stellte. Die Sicherung der Kredite geschah durch gegenseitige Bürgschaften. Zur Deckung der anfallenden Kosten zahlte jedes Mitglied wöchentlich 50 Pfennig. Bereits 1871 liefen die Geschäfte so hervorragend, dass ein Vertreter angestellt werden konnte, der außerhalb des Ahrtals Kunden für den Ahrwein akquirierte. Ebenso wurde die gemeinsame Herstellung und Lagerung in Angriff genommen. Das Beispiel der Ahrwinzer hat in allen Weinbaugebieten Deutschlands und in der ganzen Welt Schule gemacht. Wie auch bei der Volksbank RheinAhrEifel eG zeigt sich hier eindrucksvoll, was Menschen erreichen können, wenn sie eigenverantwortlich und zum gegenseitigen Nutzen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

Volksbank RheinAhrEifel

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