Allgemeine Berichte | 23.02.2022

Arp Museum zeigt Paula Modersohn-Becker im energetischen Kraftfeld

Eine, die durchhielt

„Atelier“ mit Portraits und berühmtem Selbstbildnis. Foto: HG

Remagen-Rolandseck. Was für ein Wurf: Im Zentrum der neuen Ausstellung „Das sind meine modernen Frauen. Tausche Monet gegen Modersohn-Becker“ stehen neben kunsthistorischen Meisterwerken, etwa von Cranach oder Riemenschneider, teils spektakuläre, lebensgroße Aktdarstellungen von Paula Modersohn-Becker.

Sie führt das Ausstellungsjahr „Wegweiserinnen“ im Arp Museum an, quasi als „Urmutter unserer Wegweiserinnen“, so die kommissarische Museumsleiterin Petra Spielmann. Zu Lebzeiten hat die junge Künstlerin (1876 bis 1907), die nur 31 Jahre alt wurde, 750 Bilder und 1000 Zeichnungen geschaffen. Doch nur sehr wenige Arbeiten hat sie verkauft. Sie zeigte sie auch nur wenigen Menschen, sodass ein Großteil ihrer Werke das Atelier nie verlassen hat, die Porträts, welche den größten Widerstand hervorriefen, am allerwenigsten.

Und doch traute sie sich etwas: Im „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“ steht sie kaum verhüllt formatfüllend vor getüpfeltem Hintergrund, blickt offen, zugleich auch ein wenig melancholisch. Sie schaue nach außen, halte aber auch Innenschau, erklärt die Kuratorin Dr. Susanne Blöcker. Bei dem Gemälde handele es sich um eine „Ikone“. „Die Mona Lisa unseres Museums“, sagt Dr. Frank Schmidt, Direktor der Museen Böttcherstraße, Bremen.

Das vom Kaffeemagnaten und Kunstsammler Ludwig Roselius gegründete Paula Modersohn-Becker Museum ist das weltweit erste Museum für eine Malerin. Von dort und von der Paula Modersohn-Becker-Stiftung sind Leihgaben in die 66 Exponate umfassende Schau geflossen. Erfreulich, dass die Kunstwerke aus der Sammlung Rau für Unicef, aus der die Ausstellung ebenso schöpft, dem Arp Museum noch bis 2026 zur Verfügung stehen.

Die Kooperation von Bremen und Rolandseck jedenfalls führte am Rhein zur aktuellen Präsentation und trug in der Hansestadt Frucht mit „Tausche Cranach gegen Monet. Meisterwerke aus den Sammlungen Rau und Roselius“.

Mona Lisa

Das Arp Museum (www.arpmuseum.org) stellt Modersohn-Becker bis 4. September in „ein energetisches Kraftfeld“ aus Werken ihrer Zeitgenossen wie Alter Meister. Bei beiden holte sie sich Anregungen. So werden Unterschiede in der Malweise und künstlerischen Auffassung der Motive durch die Jahrhunderte hindurch anschaulich.

Es kam der Künstlerin auf die Einfachheit der Form an. Auch setzte sie in ihren Portraits oft einfache, sonst unbeachtete, ja randständige Menschen würdevoll ins Bild. In der Natur fand sie Frieden, und die Natur bot ihr Orientierung für ihre Kunst. Natürlich und ohne Beiwerk wollte sie ihre Malerei. Mochte sie auf Unverständnis stoßen und selbst Unsicherheit verspüren, „es macht sie zu einem Vorbild für die jüngere Generation, wie sie trotz Gegenwind ganz bei sich bleibt“, betont Kuratorin Blöcker.

Der spannende Dialog zwischen der Protagonistin und Werken großer Künstler von der Renaissance bis in die Jetztzeit mit Berlinde De Bruyckere erfährt im Arp Museum eine sinnfällige Dreiteilung. Im ersten Raum, nachempfunden dem Lilienatelier in Worpswede, treffen die Besucher auf Portraits der Malerin im Kreis der Vorbilder und Freunde. Zentral hängt ihr berühmter Halb-Akt, der gar als erste weibliche Nacktdarstellung in der Kunstgeschichte gilt. Was macht ihn zu einer „Mona Lisa“? Es ist das Rätsel um die Dargestellte. Sie wirkt schwanger, ohne es zu dem Zeitpunkt zu sein. Drückt das Bild den Wunsch nach Schwangerschaft aus? Paulas Ehe mit Otto Modersohn, den sie im Künstlerdorf Worpswede kennenlernte, war nicht glücklich. Als verheiratete Frau genoss sie indes für die damalige Zeit unübliche Freiheiten, hatte ein eigenes Atelier und brach für Monate nach Paris auf, um Kunsteindrücke aufzusaugen. „Wenn man etwas werden wollte als Künstler, musste dorthin“, so Blöcker.

Menschen im Fokus

Im Bereich „Unter die Haut“ geht es um Modersohn-Beckers Menschenbilder, darunter die lebensgroße Kohlezeichnung eines männlichen Rückenaktes, in Nachbarschaft mit einem Akt Frédéric Bazilles. Zu beider Schaffenszeit war es verpönt, Nacktheit ohne mythologischen Hintergrund zu zeigen. Meist aber fokussiert sie Frauen. Ein starkes Bild etwa die Armenhäuslerin im Garten zwischen magischen Mohnblumen, schwer und beharrend, gleich einem Denkmal ihrer selbst und in wunderbar warmer Farbigkeit.

Im dritten Raum, Stillleben und Landschaften gewidmet, zeigt sich einmal mehr, wie selbstständig Paula Modersohn-Becker ihren Kunst-Weg geht. Sie nimmt Einflüsse auf, so die flächige Malweise der von Japans Holzschnitten inspirierten Nabismaler, aber sie macht etwas Eigenes daraus, wählt ungewöhnliche Ausschnitte, wagt extreme Reduktion, wenn vom Baum nur Stamm und Schatten bleiben. Ihre Kinder-Bildnisse habe die Malerin zuweilen ohne Gesichtszüge oder mit verschwommenen Gesichtern gestaltet, um das Überindividuelle herauszustellen. Ob dies als Erklärung hinreicht für die oft bleichen, freudlosen und seltsam unlebendigen Geschöpfe? Man muss sich nicht mit allen ihrer Bilder anfreunden. Vor Augen stehen aber ihr ungemeines Potential, ein Streben nach Erneuerung der Malerei und ohne Frage fesselnde Gemälde von einer, die durchhielt. HG

„Atelier“ mit Portraits und berühmtem Selbstbildnis. Foto: HG

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