„Kultur im Hotel“: Gesprächskonzert rund um den großen Johann Sebastian Bach
Eine reich applaudierte Demonstration pianistischen Könnens
Konzert-Pianist und -Organist Sven Scheuren erhielt stehende Ovationen für seine Hommage an den musikalischen „Giganten“ Bach
Bad Breisig. Der Verein „Forum Kultur“ hatte im Rahmen der Reihe „Kultur im Hotel“ zu einem Gesprächskonzert rund um den großen Johann Sebastian Bach eingeladen, und im intimen Saal des Hotels „Rhein-Residenz“ hatte sich dazu ein musikalisch hoch interessierter Kreis von Freunden barocker Klaviermusik eingefunden. Es waren zudem allesamt Fans des in der Region überaus geschätzten Konzert-Pianisten und -Organisten Sven Scheuren, der zudem so toll aus dem großen Fundus seines Wissens plaudern und – vielmehr noch – furios konzertieren kann.
Grandios interpretierte Kompositions-Beispiele
Ihm stand in der „Rhein-Residenz“ ein angemessen gutes und bestens gestimmtes Piano zur Verfügung, so dass er seine verbalen Hintergrund-Geschichten rund um den unvergänglichen Tonschöpfer des Barock-Zeitalters mit grandios interpretierten Kompositions-Beispielen würzen konnte. Das Publikum konnte viel Interessantes erfahren über den musikalischen „Giganten“ aus dem Geburtsort Eisenach, der aber im Rahmen seines 65-jährigen Lebens so viele Stationen wechselte, bis er 1750 in Leipzig die letzte Ruhe fand. Als Schüler war Johann Sebastian ein veritabler „Raufbold“, der früh seine Eltern verlor und sich mit zehn Jahren nach Ohrdruf unter die Fittiche seines älteren Bruders begab. Solide musikalische Ausbildung war in der Bach-Sippe selbstverständlich, und so wurde Johann Sebastian schon früh ein passabler Geiger, unabhängig von seiner Liebe zu den Tasteninstrumenten. Früh erarbeitete er sich Können in Sachen Kontrapunkt und widmete sich intensiv der „Kunst der Fuge“. Mit dem virtuosen „Präludium c-Moll“, des so genannten „Nähmaschinen-Präludiums“, verdeutlicht Sven Scheuren die frühe Kompositionskunst des nunmehr in Lüneburg lebenden Bach. Dessen Bekenntnis zum „Wohltemperierten Klavier“ wird bestimmend für seine Kompositionskunst. „Wohltemperiertes Klavier? Für musikalische Laien klingen alle Tonleitern gleich gut, erst die vertiefte Beschäftigung mit klassischer Musik klärt auf: Der Halbton „Fis“ klingt in der einen Tonleiter anders als in der anderen. Es gibt „jubelnde“ Tonarten und „klagende“ – und viele Farbtupfer dazwischen. Die jeweils passende Tonart einem Thema zuzuordnen, das gehört zu meisterhaftem Komponieren. Johann Sebastian Bach bringt es früh zu dieser Meisterschaft, und er demonstriert dies durch musikalische Wanderungen durch alle 24 Tonarten.
Musikalische Wanderungen durch sämtliche Tonarten
Sven Scheurens Beispiel am Klavier: Das polyphone Präludium C-Dur, die Begleitmusik zum später vom Franzosen Gounod darüber gelegten „Ave Maria“. Aber, soweit sind wir noch nicht: Der Protagonist schildert Bachs Begegnung mit Lehrern wie Böhm und Reinken in Hamburg, und illustriert diese Kontakte durch zeitgenössische Anekdoten, unterhaltsam und lustig, aufgeschrieben aus mancherlei Quellen. Er schildert Bachs Bewunderung für französische und italienische Musik. Daraus resultierend: Zunächst die früh geschaffene „Ouvertüre Française“ , BWV 820, dann aber das barocke Jugendwerk des Organisten Bach: Die bekannte „Toccata und Fuge a-Moll. „Es ist das hinreißende Renommierstück eines Könners an den Tasten und Pedalen der guten Orgeln. Sven Scheuren stellt es in einer zauberhaften Klavier-Übertragung vor; da ihm hier die Bass-Passagen fehlen würden, muss seine junge Schülerin Juliane Hanke (die ihm sonst die Noten pünktlich umblättert) zu seiner Linken die tiefen Tasten beisteuern – ein tolles musikalisches Erlebnis, durchaus entschädigend für den Verzicht auf die Orgel.
Sven Scheuren ist ein großer Bewunderer von Dietrich Buxtehude, dem Lübecker Altmeisters großer Orgelmusik. Umso lieber erzählt er, dass sich der zwanzigjährige Johann Sebastian Bach mangels flüssiger Finanzen im Jahr 1703 zu Fuß Richtung Lübeck auf den Weg machte, um bei Buxtehude sein Orgelspiel zu vervollkommnen. 450 Kilometer per pedes, zum Lernen! Vielleicht schwebte ihm tatsächlich die Nachfolge des alternden Buxtehude als Organist der Lübecker Marienkirche vor. Aber dazu hätte er die Tochter des Meisters heiraten müssen – und das schien Bach letztlich nicht verlockend. Dann lieber ein weiteres, mit mediterraner Leichtigkeit dahin fließendes Klavierstück in „italienischem Stil“: Die d-Moll-Arie BWV 189. Als letzten Höhepunkt zaubert Sven Scheuren schließlich Bachs „Concerto Italiano“ aus den Tasten des Klaviers – eine reich applaudierte Demonstration pianistischen Könnens. Sven Scheuren in seiner vollendeten Musikalität – und als Mensch – zu erleben, ist dem Musikfreund ein Geschenk. Darum: Stehende Ovationen am Ende seiner Bach-Hommage.
Weitere Konzerte von Sven Scheuren:
Wer ihn wieder erleben will: Am Freitag, 29. Dezember, spielt er nachmittags um 16 Uhr an gleicher Stelle, in der Rhein-Residenz, „Klavier-Variationen“ – ein Festkonzert zum Neuen Jahr. Vorher, am Mittwoch, 27. Dezember, ist er im Rahmen der „Breisiger Abendmusiken“ in der Pfarrkirche St. Marien mit „Orgelimprovisationen zu Hirten- und Krippenliedern“ zu hören, und zwar „auf der besten Orgel im ganzen Rheinland“ – wie der Orgelsachverständige Scheueren von dem Instrument in der Marienkirche schwärmt.
FA
Ein Geschenk für den Musikfreund: Sven Scheuren in seiner vollendeten Musikalität – und als Mensch – zu erleben.
