Ein höchst ambitioniertes Großbaum-Pflanzprojekt im „Naturschutzgarten Niederwerth“
Einen alten Baum verpflanzen: „Geht nicht – oder doch?“ - Second life für eine über 100 -jährige Weide
Niederwerth. „Das dürfte weit und breit so ziemlich der abgefahrenste Ansitz für den „König der Nacht“ werden“, so Stefan Krumme. Bisher war der Uhu im Naturschutzgarten Niederwerth nur ein seltener Gast. Für die Jagd auf seine Lieblingsbeute – die Wanderratte – braucht der Uhu eine entsprechend astfreie, leicht anfliegbare Aussichtsplattform. Und man braucht für die Rattenbekämpfung den Uhu als einen natürlichen Gegenspieler zu den lästigen Nagetieren. Gift ist logischerweise tabu, weil es ggf. auch für den Uhu tödlich enden könnte. „Auf unseren dünnen Haselnussruhten konnte der große Vogel nicht richtig landen und war somit auch bisher kaum eine nennenswerte Unterstützung bei der Bekämpfung der Rattenplage.“
Am Ostende hat man im vergangenen Jahr schon einen großen Kirschbaum uhugerecht zu -, bzw. freigeschnitten. Jetzt bekommt auch das Westende des 213 m langen Naturschutz- Grundstückes seinen „eigenen“ alten Uhu- Ansitzbaum. Bis 2018 war dieser Bereich ja noch roher Acker-Boden und entsprechend komplett kahl. Alle damals gepflanzten Bäume und Sträucher sind für den mächtigen Uhu als Ansitzpunkt einfach immer noch viel zu klein und zu labil. Das diesjährige Rhein-Hochwasser hat dem Naturschutzgarten jetzt eine über 100-jährige Weide geschenkt. Sie lebt wohl noch! Und sie soll an ihren neuen Bestimmungsort ein „second life“ erleben. Gut 70 Zentimeter hat man sie im Erdreich versenkt und … Weiden wurzeln ja außerordentlich schnell wieder neu. „Deshalb nimmt man ja auch Weidenwasser, um eine gute Bewurzelung von Stecklingen anzuregen. Ich vertraue einfach auf die Wiederauferstehung des Lebens im Frühling und glaube dazu an das große Ostergeheimnis, als ein für uns Menschen unergründliches göttliches Mysterium“.
Wenn die Weide 2025 auch noch austreibt, dürfte sie es endgültig geschafft haben. Bis dahin wird sie fleißig gegossen und von wuchernden Pflanzen freigehalten und umsorgt. „Ich habe ihr lediglich drei Jungpflanzen des Wilden Weins dazugestellt. In den Herbstmonaten wird das ihr „purpurroter Mantel“ werden. So etwas kenne ich aus dem Laubachtal in Koblenz und es sieht einfach traumhaft schön aus, wenn mehrere Meter lange rote Wedel von grünen Zweigen herunterbaumeln und mit dem Wind in der Sonne tanzen. Und überdies ist ein alter, aber noch lebender Baum das reinste Paradies und Lebensort für so ganz unterschiedliche Tiere: Vom holzbewohnenden Käfern, Baumläufern, Meisen und Spechten und nachts eben für den mächtigen Uhu. Und wir Menschen freuen uns doch auch an solchen eindrucksvollen Baumgestalten“.
Der Naturschutzgarten Niederwerth ist jetzt sogar auf Instagram. „Und an den Ostertagen stellen wir uns ja sowieso im Osteingang des Gartens vor.“
Der Baumgigant – gerade aus dem Rhein gefischt: Helmut Schmidt, Gemüsebauer vom Werth hilft spontan und „very soft“ mit seinem „Bergetraktor“. Foto: Stefan Krumme
„Vorsicht bei der Einfahrt des Zuges!“ – Einem bulligen ICE gleich, „ruckelt“ der riesige, noch lebende Weidenbaum auf Schienen zu seinem 2. Leben in den „Naturschutzgarten Niederwerth“ ein. Mit dem mobilen Holz-Bohlenunterbau, darauf ein Auszieh-Leitersystem, eine gute Ratsche und mit viel, viel Geduld und noch mehr Zuversicht gelang hier - fitzgeraldogleich - das scheinbar Unmögliche. Foto: Stefan Krumme
„Liegt er noch gut auf? – „Ratsch, uff- und schon wieder einen ganzen Zentimeter weiter. Das gibt Muckis.“ Foto: Ruth Jansen
„Kannste mal eben kurz … ?“ Carsten Koll am Pflanzloch. Immer gut drauf und hilfsbereit - nur: „Bitte nicht noch größer!“ Foto: Stefan Krumme
Mit drei Leuten noch kurz „ins Lot gerichtet“ – dann durfte auch mit den ganzen Helfern und Daumendrückern ein „richtiges Richtfest“ für den „neuen Alten“ gefeiert werden. „Jetzt nur noch ordentlich gießen, ein wenig Erde auffüllen – der Rest liegt eh - wie eigentlich alles - in Gottes Hand!“ Foto: Christian von Landwüst
