Bonner Freimaurer öffnen ihr Haus
Einladung zum lebendigen Austausch
Tag der offenen Tür am 29. Oktober
Bonn. Sie sind als diskrete Zirkel bekannt, doch aus Anlass des 300-jährigen Bestehens der institutionellen Freimaurerei laden die Mitglieder der neun im Haus an der Bonner Dyroffstraße 2 beheimateten Logen zu einem Tag der offenen Tür mit Informationen über die Freimaurerei, persönlichem Austausch darüber und Unterhaltung ein. Dazu öffnen sie die Pforte des Hauses mit dem Winkelmaß und dem Zirkel über dem Eingang am Sonntag, 29. Oktober von 10 bis 17 Uhr für alle an der „königlichen Kunst“ interessierten Menschen.
„So geht nun hinaus in die Welt und bewährt Euch als Freimaurer.“ Diese Worte des Meisters vom Stuhl gegen Ende einer jeden Tempelarbeit gehören zum freimaurerischen Ritual. Nun drehen die Bonner Freimaurer diesen Satz nach dem Motto „Kommen Sie in unser Haus und informieren sich über uns“ quasi um. Sie wollen auf diese Weise verdeutlichen, dass an den Verschwörungstheorien, denen zufolge die Freimaurerei ein globaler Geheimbund ist, der gar die Weltherrschaft anstrebt, nichts dran ist. Zwar legen die Logen Wert auf Vertraulichkeit dessen, was sie miteinander bereden. Der Sprecher einer der an dem Tag der offenen Tür beteiligten Logen betont daher: „Aber genau das ermöglicht es, dass die Logen zu Ideenlaboratorien werden.“ Jeder einzelne, aber auch die Gruppe insgesamt könne so an sich arbeiten, um sich individuell oder kollektiv zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen, also „am Tempel der Humanität zu bauen“, wie die Freimaurer es ausdrücken. Dazu wird von jedem einzelnen erwartet, dass er zeitlebens an seinem „rauen Stein“, also an seiner eigenen geistig-sittlichen Fortentwicklung arbeitet.
Die baumeisterliche Symbolik, der die Logenmitglieder sich bei der Formulierung lebensweisheitlicher Zusammenhänge bedienen, geht auf die Ursprünge der Freimaurerei zurück. Diese finden sich in den Bauhütten (engl.: Lodges) mittelalterlicher Kathedralen, in denen Wissen über die Baukunst und später darüber hinaus miteinander geteilt wurde. Bei den Zusammenkünften ging es in zunehmendem Maße um freies Denken und Aufklärung. Das missfiel den weltlichen und kirchlichen Führern oftmals, was wiederum die Abschottung der Logen nach außen und die Vertraulichkeit der Freimaurer untereinander zur Folge hatte.
1717 war es dann so weit, dass sich vier Logen in London zur Großloge von England zusammenschlossen und damit der institutionellen Freimaurerei einen Rahmen gaben. Diese gab sich anno 1723 mit den „Alten Pflichten“ eine bis heute gültige Verfassung.
Konnten bis in die jüngere Vergangenheit hinein ausschließlich Männer Freimaurer werden, so gibt es inzwischen auch gemischtgeschlechtliche Logen. Im Bonner Haus Dyroffstraße 2 sind es gleich zwei.
Und seit die Verfolgung der Freimaurer hierzulande Geschichte ist, steigt auch deren öffentliches Ansehen stetig. Das beweist unter anderem die beeindruckende Liste der Gastredner bei freimaurerischen Zusammenkünften. So hielt der bisherige Bundestagspräsident Norbert Lammert kürzlich eine viel beachtete Rede anlässlich des 300-jährigen Bestehens der institutionellen Freimaurerei, deren gemeinnütziges Engagement – auch in Bonn und Umgebung – sich sehen lassen kann. Finanzielle Zuwendungen gingen außer an örtliche Wohltätigkeitsorganisationen auch an die Deutsche Knochenmarksspenderdatei (DKMS) und „Reporter ohne Grenzen“.
Gründe genug für die in der Bonner Dyroffstraße beheimateten Logen, die Öffentlichkeit über die regelmäßig stattfindenden Gästeabende hinaus zu einem lebendigen Austausch einzuladen, bei dem die individuellen Gespräche zwischen an der Freimaurerei interessierten Personen und Praktikern deutlich im Vordergrund stehen sollen. Darüber hinaus wird es Kurzvorträge und Musikdarbietungen geben, auch für das leibliche Wohl wird gesorgt sein.
