Besuchermassen strömten durch das sonnige Dierdorf
Eis war der Renner auf dem Herbstmarkt
Betonpilze, Bergwerksgerätschaften und vieles mehr stieß auf großes Interesse
Dierdorf. Wahrscheinlich wurde noch nie so viel Eis auf einem Herbstmarkt in Dierdorf verkauft wie am vergangenen Sonntag. Eis war der Renner unter den Dingen, die gegen Geld erworben wurden. Sowohl im Stadtcafé auf dem Marktplatz, an der Softeisbude vor der Stadtverwaltung als auch in der Eisdiele am Bahnübergang Neuwieder Straße standen die Menschen Schlange nach der kühlen Erfrischung.
Neues und Altes lockte die Massen
Der Besucheransturm zum Herbstmarkt war riesig, schon am Morgen füllten sich die Parkplätze links und rechts der B 413, am Hallenbad und am Mausoleum, bis auf den letzten Platz. Rund um den Marktplatz, in den Straßen und Gassen der Altstadt sowie an der Holzbach-Promenade vor der Alten Schule boten die Händler ihre jungen und alten Waren an. Gebrauchtes aus Haushalten und Haushaltsauflösungen gab es zu sehen, Trödel und Historisches.
So zum Beispiel von Peter und Inge Lukaszyk aus Castrop-Rauxel. Peter Lukaszyk war 40 Jahre Bergarbeiter. Heute verkauft er Relikte aus dieser Zeit, Zechenbeile und Keilhauen, hierzulande sagt man Spitzhacke dazu. Auf dem Flohmarkt vor der Alten Schule hatten sie ihren Stand aufgebaut und warteten in der prallen Sonne auf Kundschaft. Von ihnen konnte man viel über die harte Arbeit der Bergleute im Ruhrgebiet erfahren.
Hightech-Saftpresse tourt durch die Region
Warme Socken waren weniger gefragt am Stand neben der katholischen Kirche. Bei den Temperaturen kein Wunder. Da interessierte man sich eher für die mobile Saftpresse von Benjamin Junge aus Gieleroth, der sich direkt vor der Stadtverwaltung positioniert hatte. Auf den ersten Blick sah sein Wagen wie ein hochtechnisiertes Analyselabor aus. Junge erklärte, dass er die Anlage in Österreich erstanden habe und es sich dabei um einen Prototyp handele, der erst später in ähnlicher Form nachgebaut wurde. Bis zu zehn Tonnen Obst täglich kann die Anlage verarbeiten, am liebsten Äpfel, Birnen, Quitten und Trauben. Angedacht war, dass Marktbesucher ihr Obst mitbringen und an Ort und Stelle zu Saft machen lassen. Aber die angelieferten Mengen waren doch zu gering, als dass sich der Betrieb der Anlage gelohnt hätte. Die nächsten Press-Stationen von Benjamin Junge sind am 27. September in Bonefeld, am 29. September in Eitorf und am 30. September in Mammelzen. Am 1. und am 2. Oktober steht er in Lauzert und Gieleroth.
Bücher körbeweise sah man immer wieder vor den Verkaufstischen stehen, Haushaltswaren, Sommer- und Winterwäsche, gebraucht oder neu, Porzellan, Schuhe und auch manches auf den ersten Blick Unnützes, wie die alte Rechenmaschine, für die es wahrscheinlich gar keine Papierrollen mehr gibt. Aber vieles, was angeboten wurde, lockte doch Schnäppchenjäger und Sammler an.
Vom Piloten zum „Käsebotschafter“
Dass sich die Essgewohnheiten verändern, bewies der Gastronom, der ein vegetarisches Pilz-Paprika-Gericht aus der Riesenpfanne servierte. Kulinarisch hochwertig auch das Angebot von Georg Welz aus Waldesch, der handgemachten Käse aus dem Zillertal verkaufte. Nicht nur der Käse war interessant, sondern auch die Biographie von Georg Welz ist es, da er vor seiner Tätigkeit als „Käsebotschafter“ zwölf Jahre Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr war.
Aus Beton und Nylonstrümpfen werden Pilze
Ihre ersten Erfahrungen als Marktfrau machte Katharina Richert aus Straßenhaus. Sie saß mit ihren Beton-Pilzen vor dem Uhrturm und war mit ihren Geschäften recht zufrieden. Für kleine Beträge verkaufte sie handgemachte pilzähnliche Skulpturen, die zuvor als flüssiger Beton in Nylonstrümpfe gegossen und glatt gestrichen worden waren. Es ist nur ein Hobby der erfindungsreichen Frau, aber der Erfolg auf dem diesjährigen Herbstmarkt in Dierdorf beflügelt sie bestimmt, weiterhin Pilze zu gießen.
Auf der Bühne des Marktplatzes hatten der Männergesangverein Dierdorf mit seinen Chören, die Kindergartenkinder, die Sportlerinnen des Fitness-Studios Medicon und das Blasorchester Maischeid ihre Auftritte. Ein Teil der umliegenden Geschäfte nutzte die Möglichkeit des verkaufsoffenen Sonntags. In der Oberstadt, auf dem Kirchplatz, gab es die Autoausstellung „Fahrzeugtrends“.
