Allgemeine Berichte | 08.06.2018

PETA übt scharfe Kritik an Zirkusbetrieb und fordert Wildtierverbot

Elefant entkommt Circus Krone und läuft durch Wohngebiet

Neuwied/Stuttgart. In Neuwied entkam am gestrigen Mittwoch ein Elefant aus dem dort gastierenden Circus Krone. Internetvideos von Anwohnern zeigen, wie der Elefant über eine viel befahrene Straße und vorbei an Kindern durch ein Wohngebiet lief. Für den fahrlässigen Umgang mit Großwildtieren kritisiert PETA Europas größten Zirkusbetrieb scharf. Gefährliche Wildtiere wie Elefanten unbeaufsichtigt zu lassen und mit Flatterbändchen zu sichern, ist unverantwortlich. Angesichts der etwa 70 Zirkusausbrüche von teils gefährlichen Tieren allein seit 2015 fordert die Tierrechtsorganisation die Bundesregierung auf, endlich ein Verbot von Wildtieren im Zirkus zu erlassen – zum Schutz von Mensch und Tier.

„Weitere Unfälle und Ausbrüche sind vorprogrammiert, denn Woche für Woche werden gefährliche Tiere wie Elefanten und Tiger zu Hunderten quer durch Deutschland gekarrt“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Es ist ein schweres Versäumnis der Bundesregierung, den unzuverlässigen Zirkusbetrieben im Umgang mit Tieren freie Hand zu lassen.“

Der aktuelle Vorfall in Neuwied ist kein Einzelfall. Vor fast genau drei Jahren entkam im baden-württembergischen Buchen ein Elefant aus einem Zirkus und tötete einen Spaziergänger. Unfälle und Ausbrüche von Wildtieren wie Elefanten, Tigern oder Bären aus deutschen Zirkusbetrieben sind vielfach dokumentiert. Im August 2017 starb in Brandenburg ein Autofahrer nach einer Kollision mit zwei Wildrindern, die zuvor aus einem Zirkusgehege ausbrachen. Ende März wurde der Dompteur Alexander Lacey bei Zirkus Charles Knie während einer Vorstellung von einem Löwen attackiert und schwer verletzt. Im Mai wurde in Ortenberg ein aus dem Zirkus entlaufenes Pony bei einem Autounfall getötet.

Insgesamt kam es zwischen 2009 und 2017 zu mindestens 46 Ausbrüchen von Bären, Elefanten, Flusspferden, Großkatzen, Nashörnern und Primaten aus Zirkusbetrieben in Deutschland. Noch häufiger entkommen domestizierten Tieren wie Pferde oder Kamele. Dabei wurden in den vergangenen Jahren mehrere Menschen getötet und verletzt. EU-weit ereignen sich in Deutschland sogar mit Abstand am häufigsten Zwischenfällen mit Tieren aus Zirkusse.

Auch der Bundesrat verweist in seiner Entschließung für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus (2016) auf die Gefahrensituation: „Ferner sind vermehrte Zwischenfälle mit den genannten Tierarten und Ausbrüche von Zirkustieren augenfällig, die auch die Bevölkerung immer wieder gefährden.“ Einen Grund dafür sieht die Länderkammer darin, dass die „eigentlich notwendige Einrichtung von ausreichend großen, ausbruchsicheren und artgerecht ausgestatteten Gehegen […] mit der Notwendigkeit zur fortwährenden Mobilität“ kollidiert.

PETA fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Bezüglich exotischer Wildtierarten spricht sich auch die Bundestierärztekammer für ein Verbot aus. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Über 20 europäische Länder, wie beispielsweise Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland, haben bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten.

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. In der Natur leben Elefanten in großen stabilen Sozialverbänden, die täglich bis zu 80 Kilometer wandern. Wie Menschen empfinden die intelligenten Tiere Freude, Trauer und Angst.

Pressemitteilung PETA

Deutschland e.V.

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