Traditionelles Konzert der „Saitenspinner“im Jugendkulturzentrum
Endlich wieder Live-Kultur
Lahnstein. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause gab’s im Jugendkulturzentrum beim schon traditionellen Konzert der „Saitenspinner“ endlich mal wieder Live-Kultur mit über 70 Besuchern. Zum Einstieg in den abwechslungsreichen Klang-Cocktail wurden Flötentöne eingeschenkt, die den Frühling priesen. Dann eine Reminiszenz an die Beatles mit „Baby, you can drive my car“ aus dem Jahre 1965. Der handgemachte Folk ist wahrlich „vielsaitig“: „Es saß ein klein wild Vögelein“, ein Volkslied aus Siebenbürgen, beschreibt den Freiheitsdrang. Der „Older-Statesman“ der Akustik-Gitarre, Peter Auras, bedient sich der Mundharmonika beim Hochwasser-Blues mit Gabriele Auras am Kontrabass. „Ade fein’s Klösterlein, ich will den Herzallerliebstenmein“ singen die Damen. Auch im nachfolgenden französischen Stück wird nicht um Nachwuchs für die Ordensgemeinschaften geworben. Petra Schönrock-Wenzel besteigt ein ums andere Mal das Instrumentenkarussell. Mit dem Akkordeon bringt sie eine bei „Saitenspinner“ selten gehörte, schöne Klangfarbe. „Saitenspinner“ sind Multiinstrumentalisten, die einen Funkenflug an Spielfreude verbreiten. Auch ein Ausdruck der Vielseitigkeit der vier Folkpuristen: Gitarrist Manfred Heilscher gibt den Leadsänger bei „The Big Five Gallanger“, dem Song, der vom Anheuern der Matrosen handelt, mit locker leicht mit Fingersnipping beginnt. Aus der Zeit der Bauernkriege kommt das Lied vom „Schreiber im Korb“. Mit „Kisses sweeter than wine“ geht’s‘ in eine kleine Pause. Peter Auras verspricht, die durch Wärme verzogene Geige in Stimmung zu bringen. Es gelingt ihm, worauf Petra Schönrock-Wenzel ihn als „mittelrheinischen Kampfgeiger“ bezeichnet. Nach dem von Auras vertonten Heimatgedicht vom Schulrat in Nassauer Mundart mit der lustigen Pointe, dass Wanzen und Flöhe für die Unruhe im Bett sorgen, gibt’s erneut eine Anleihe bei den „Fab Four“ aus Liverpool: „I’ve just seen a face“. Das Glockenspiel durch Gaby Auras kommt zum Einsatz bei der barocken Volksweise „Alleweil ein wenig lustig, alleweil ein wenig durstig.“ Was Johnny Cash oder Freddy Quinn („Sie hieß Mary Ann“) können, soll auch den „Saitenspinnern“ nicht vorenthalten sein: Sie covern „16 Tons“, das bluesgetränkte Klagelied eines Bergwerksarbeiters. Eine Vorfreude auf das Füllhorn der blühenden Natur bringt „Wie schön blüht uns der Maien“ aus dem 16. Jahrhundert. Beim bretonischen Kinderlied „Anne de Bretagne“ wird die flache Holztrommel mit den Händen geschlagen. Die indianische Volksweise „Evening Rise“ entführt in eine Klanglandschaft, in der man sich vergessen und verlieben kann, zurücklehnen bei Musik voller Sehnsucht und Wehmut. Beim Konzert im Bann des Krieges gibt’s zum Schluss dann doch ein Statement von Peter Auras und die Einladung zum Mitsingen: „Die Gedanken sind frei“, als Botschaft gegen Krieg, Unterdrückung und Manipulation. Die Musiker liefern ein Konzert ab mit viel Herzblut und lockerem Ensemblespiel, mal fröhlich, mal melancholisch und poetisch. Die „Saitenspinner“, seit 43 Jahren auf der Bühne, machen den Kosmos der Lahnsteiner Musikszene aus. Gutes währt scheinbar ewiglich: Das mit ihnen gealterte Publikum hat sich daran gewöhnt, dass sie immer da sind und ist froh, solche musikalischen Zeitgenossen zu haben.
