Allgemeine Berichte | 12.01.2026

Die Initiative „Fremde werden Freunde“ stellt sich vor

Engagement für ein gemeinsames Miteinander

Preisverleihung in Mainz.  Foto: Alexander Sell Fotografie

VG Pellenz. Die Initiative „Fremde werden Freunde“ wurde im April 2015 gegründet und engagiert sich seitdem für Geflüchtete und neu nach Deutschland gekommene Menschen. Träger war zunächst das Dekanat Andernach-Bassenheim, seit 2023 liegt die Trägerschaft beim Pastoralen Raum Andernach. Ziel der Initiative ist es, ein respektvolles und solidarisches Miteinander zu fördern und Menschen beim Ankommen in ihrer neuen Lebensumgebung zu unterstützen.

Grundlage der Arbeit ist eine klare Haltung, die in der Präambel der Initiative formuliert ist: Gemeinsam soll das Leben vor Ort gestaltet werden, im Bewusstsein der Not von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um für sich und ihre Kinder eine Zukunft aufzubauen. Inspiriert ist das Engagement von dem biblischen Wort Jesu: „Ich war fremd … und ihr habt mich aufgenommen.“ „Fremde werden Freunde“ bietet Hilfe zur Selbsthilfe an – unabhängig von Herkunft, Fluchtgrund oder persönlicher Geschichte. Die Initiative fragt nicht nach dem Warum der Flucht, hört aber aufmerksam zu, wenn Menschen ihre Geschichte teilen möchten.

Praktische Unterstützung

Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Willkommenheißen von Geflüchteten sowie ihre praktische Unterstützung im Alltag. Dazu gehören Hilfe bei der Wohnungssuche und -einrichtung, Begleitung im Umgang mit Behörden und Formularen, Unterstützung bei Mobilitätsfragen sowie Hilfe im täglichen Leben. Ein wichtiger Schwerpunkt ist das Erlernen der deutschen Sprache. Darüber hinaus unterstützt die Initiative Geflüchtete dabei, die deutsche Kultur kennenzulernen, ein Verständnis für Demokratie und gesellschaftliche Teilhabe zu entwickeln und sich langfristig zu integrieren. Begegnungen zwischen Geflüchteten und Einheimischen spielen dabei eine zentrale Rolle, etwa durch gemeinsame Veranstaltungen oder die Teilnahme an örtlichen Festen und Weihnachtsmärkten. Ziel ist es zudem, ein positives gesellschaftliches Klima gegenüber neu Zugewanderten zu fördern, für Verständnis zu werben und die Bereicherung durch andere Kulturen sichtbar zu machen. Leitgedanke bleibt dabei stets die Stärkung der Selbstständigkeit, denn Hilfe zur Selbsthilfe ermöglicht Eigenverantwortung, stärkt das Selbstvertrauen und bewahrt die Würde der Menschen.

Vielfältige Formen der Hilfe

Organisatorisch arbeitete die Initiative in der Anfangsphase mit einer Koordinationsgruppe und mehreren Arbeitskreisen, unter anderem zu den Themen Freizeit und Kultur, Patenschaften, Kleiderkammer, Sprachkurse, Arbeit und Mobilität. Inzwischen wird die Arbeit von einer Steuerungsgruppe getragen, die von vielen engagierten Einzelpersonen unterstützt wird. Diese bringen sich dort ein, wo Hilfe gebraucht wird, beispielsweise im Sprachunterricht, bei der Organisation von Fahrrädern, bei Fahrten zur Tafel, bei der Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen oder als Vermittlungsstelle für gebrauchte Möbel. Die Steuerungsgruppe behält die Situation der Geflüchteten im Blick, sorgt für Austausch und Vernetzung, pflegt den Kontakt zu Behörden, Ämtern und Gemeinden – insbesondere zur Verbandsgemeinde Pellenz und zur Koordination der Flüchtlingshilfen im Landkreis Mayen-Koblenz – und plant besondere Veranstaltungen. Im Januar 2021 erfolgte eine Umstrukturierung mit der Übergabe zentraler Aufgaben an Ehrenamtliche. Ein zentrales Element der Arbeit ist das Café der Kulturen, das seit dem 18. April 2015 besteht. Nach einer coronabedingten Unterbrechung ist es heute wieder regelmäßig am ersten und dritten Samstag im Monat geöffnet. Das Café ist ein wichtiger Treffpunkt für Begegnung, Austausch und Information. Hier finden Freizeit- und Informationsangebote statt, etwa zu Themen wie Demokratie, Energiesparen oder Aufgaben des Jobcenters. Es bietet Raum für Beratung, konkrete Hilfsangebote, Informationsweitergabe und den Austausch über den Alltag – und nicht zuletzt für gemeinsames Kaffeetrinken und persönliche Gespräche.

Zu den Projekten und Veranstaltungen der Initiative zählen unter anderem die Feiern zum Tag des Flüchtlings im Rahmen der Interkulturellen Woche, die von 2015 bis 2019 stattfanden. In den ersten Jahren standen Fluchtwege und die Situation in den Herkunftsländern im Mittelpunkt, später das Werben für eine offene, vielfältige Gesellschaft, zu der auch Geflüchtete mit Musik, Tanz und Kultur beitragen. Weitere Formate waren ein Spielfest und eine Filmvorführung. Hinzu kommen Sommerfeste, eine Friedensfeier im Advent mit der Austeilung des Friedenslichts aus Bethlehem, die Teilnahme an Weihnachtsmärkten sowie verschiedene Beteiligungsprojekte, etwa gemeinsame Frühstücke.

Die alltägliche Arbeit der Initiative ist geprägt von wiederkehrenden Themen wie der Suche nach Wohnraum, der Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde, Formular- und Behördenhilfe, Sprachförderung, der Vermittlung von Kontakten zu Einheimischen, Vereinen und Nachbarschaften sowie der Organisation von Möbeln und Fahrrädern. Patenschaften und individuelle Begleitung von Einzelpersonen und Familien spielen eine wichtige Rolle, etwa bei Fragen zu Schule, Kindergarten, Gesundheit, Aufenthaltsstatus oder sozialen Leistungen. Auch die Unterstützung und Wertschätzung der Ehrenamtlichen ist ein fester Bestandteil der Arbeit. Dazu gehören Fortbildungsangebote, Dankeschöntreffen sowie die Vernetzung mit anderen Initiativen. Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgt über Pressemitteilungen, soziale Medien, eine eigene Mailadresse und persönliche Kontakte. Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Initiative war die Auszeichnung mit dem Brückenpreis des Landes Rheinland-Pfalz im Jahr 2024 in der Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement für und von Migrantinnen/Migranten und Flüchtlingen“.

Weitere Informationen:

fremde.werden.freunde@t-online.de und über Facebook: www.facebook.com/fwfpellenz.

ROB

Preisverleihung in Mainz. Foto: Alexander Sell Fotografie

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