Arbeitskreis Flüchtlinge in Swisttal
Engagement von Flüchtlingen für den Rot Weiß Dünstekoven
Swisttal. Zufrieden und sichtlich stolz schauen sich Djoar, Joan, Ahmad, Nameh und Ramsi die vier Bänke an, die sie gemeinsam mit Schreinermeister Raimund Bayer für den Sportplatz des Rot Weiß Dünstekoven hergestellt haben. Auf dem diesjährigen Sommerfest der Schreinerei Bayer kam Bayer gemeinsam mit einem Koordinator des örtlichen Arbeitskreises Flüchtlinge, Jürgen Hein, die Idee, ein gemeinsames Projekt zu starten. Bayer, dessen Frau Andrea sich ehrenamtlich in der Interkulturellen Begegnungsstätte an zwei Nachmittagen die Woche engagiert, weiß um die Langeweile und Enge, die im Übergangsheim herrschen. „Wir wollten etwas Sinnvolles tun, zeigen, dass Flüchtlinge der Gesellschaft auch etwas zurückgeben können. Denn das wiederum führt zu mehr Akzeptanz, “ so Bayer. Durch die Zusammenarbeit mit der Begegnungsstätte, die von der Katholischen Jugendagentur Bonn (KJA) mit dem Arbeitskreis Flüchtlinge Swisttal betrieben wird, kam der Kontakt zu fünf motivierten Flüchtlingen zustande, die die vergangenen Samstage jeweils sieben Stunden an der Säge und Werkbank verbracht haben.
Eine sinnvolle Beschäftigung
Die jungen Männer sind allesamt Laien und hatten in ihrer Heimat höchstens hobbymäßig mit Holzverarbeitung zu tun. „Schon am ersten Samstag haben wir ihnen die großen Maschinen erklärt und sie alle Arbeitsschritte unter Anleitung selber ausführen lassen. Die waren total beflügelt, weil man ihnen endlich wieder etwas zugetraut hat“, erzählt Bayer. Die Verständigung klappte ohne Probleme in einem Mix aus Englisch und Deutsch. Mittags kochte Andrea Bayer für alle ein gemeinsames Mittagessen- natürlich halal. 500 Euro gab die Egidius Braun Stiftung des Deutschen Fußball - Bundes für die Fertigung von vier Bänken hinzu, um die alten kaputten Bänke auf dem Sportplatz an der Waldstraße zu ersetzen. Der Swisttaler Gewerbeverein stockte den Geldbetrag auf, so dass Udo Ellmer, der selbst mithalf, und die Mitglieder des RW Dünstekoven die neuen Bänke bereits am Samstag ausprobieren konnten.
Krieg und Elend überwinden
Bayer bewegen aber auch die tieferliegenden gesellschaftlichen Ursachen für Krieg und Vertreibung. „Immer wieder stoße ich bei meiner Arbeit auf den Krieg, in Form von alter Munition, die in Bäumen und Brettern steckt. Auch in dem Holz für die Bänke haben wir wieder ein Projektil gefunden. Überwinden können wir Krieg und Elend nur, wenn wir Menschen sinnvolle Zukunftsperspektiven und Arbeit bieten.“ Zusammen mit der weltweit tätigen Bonner Hilfsorganisation Don Bosco Straßenkinder hat Bayer deswegen eine Ausstellung in seine Räumlichkeiten geholt. Parkbänke, Möbel und Kunstobjekte, gefertigt aus alten Kalaschnikows und dazu Fotos aus Kambodscha, dem Herkunftsland der Exponate. Das katholische Kinderhilfswerk kümmert sich in über 132 Ländern der Welt um schulische und berufliche Ausbildung. Entstanden in einer technischen Berufsschule im ehemals bürgerkriegsgebeutelten Kambodscha, schließen die Möbel eindrucksvoll den Kreislauf von Fluchtursachen und Überwindung kriegerischer Vergangenheit. „Das Projekt ist ein tolles Beispiel von unternehmerischer Verantwortung (Corporate Social Responsibility) zusammen mit sozialen Organisationen zum Nutzen der Allgemeinheit“, fasst Gisela Hein, CSR-Beraterin, zusammen. Hein wirbt auf lokaler Ebene und in enger Zusammenarbeit mit der IHK für mehr solcher Projekte, denn von dieser Idee profitieren alle Akteure: der Fußballverein bekommt Bänke, die sonst nicht finanzierbar wären, die Flüchtlinge haben eine sinnvolle Tätigkeit und zeigen, dass sie sich gerne für die Kommune engagieren möchten, und die Schreinerei Bayer zeigt, wie gesellschaftliches Engagement mit einfachen Mitteln funktionieren kann. Zwischenzeitlich haben sich weitere Interessierte gefunden, die sowohl Aufträge als auch Geld für die Finanzierung des Projektes geben möchten. Für Djoar, Joan, Ahmad, Nameh und Ramsi steht fest, dass sie wieder dabei sind. Die Ausstellung kann zu üblichen Geschäftszeiten in der Schreinerei Bayer besucht werden. Die Interkulturelle Begegnungsstätte in Odendorf, Dietrich Bonhoeffer-Haus, die von der Katholischen Jugendagentur Bonn betrieben wird, freut sich über Gäste jeweils mittwochs und freitags ab 16 Uhr.
Pressemitteilung von
AK Flüchtlinge in Swisttal
