Josef Kretzer bringt den Band 8 seiner ‚Engerser Geschichte/n‘ heraus
Engerser Heimatgeschichte pur
Engers. Dass Engers eine reichhaltige Ortsgeschichte vorweisen kann, hat Josef Kretzer bereits in seinen bishererschienen sieben Bänden der „Engerser Geschichten“ bewiesen. Und immer gibt es noch Funde, die überraschende Ereignisse dokumentieren. So z. B. die Tatsache, dass der damalige preußische Staatskanzler Fürst Karl August von Hardenberg über Monate hinweg in Schloss Engers residierte, um auf Anweisung seines Königs die Rheinlande wieder auf preußische Tugenden einzuschwören.
Nach Abzug der französischen Revolutionstruppen, die während ihrer Besatzungszeit auch hier „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ eingeführt hatten, gingen dem preußischen Herrscherhause die Freiheiten, die die Rheinländer gerne für sich in Anspruch genommen hatten, zu weit. Vom politischen Rang her war Hardenberg vergleichbar der heutigen Bundeskanzlerin, und welche Aufmerksamkeit würde Engers heute erhalten, wenn Angela Merkel sich für drei Monate in seinen Mauern einquartieren würde?
Interessant ist jedoch auch die im Buch beschriebene Episode, dass Fürst von Hardenberg Kenntnis davon erhalten hatte, dass Prinz Maximilian zu Wied von seinen Forschungsreisen nach Brasilien einen „rohen Naturmenschen von dem wildesten und furchtbarsten Stamme der Bodocudos“ mitgebracht hatte und sich diesen in Schloss Engers vom wiedischen Prinzen vorführen ließ. Eine eingehende Beschreibung dieser Begegnung gibt Josef Kretzer in seinem neuen Buch wieder.
Eindrucksvoll sind auch die „Kriegserlebnisse eines 15-Jährigen“. Aufgeschrieben hat sie Karlfried Mondorf, der noch in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges eingezogen wurde, um als Junge von 15 Jahren mit dazu beizutragen, dass der Krieg noch gewonnen würde.
Doch auch viele historische Geschichten, die sich in Engers zugetragen haben, finden in diesem Heimatbuch einen Platz. Zu den Co-Autoren gehören viele Engerser, die in ihren Erinnerungen gekramt haben und das Lesen abwechslungsreich machen. Zu ihnen gehören u. a.: Kurt Riesop, der über den Engerser Rheinzoll berichtet, Theo Winterscheid, der die Postgeschichte dokumentiert und Dr. Engelbert Lüssem, der rückschauend vorwärts blickt. Eine letzte lustige Geschichte stammt noch von Alfred Wetzler.
Interessant ist aber auch der Artikel „Der nazifizierte Freiheitskämpfer“ und dessen Bezugspunkte zu Engers. Es handelt sich hier um die Zeit der französischen Besatzung nach dem ersten Weltkrieg. Im sogenannten Ruhrkampf war eine Person, Albert Leo Schlageter, aktiv. Er sprengte Brücken, zerstörte Bahngleise, um den Abtransport ganzer Industriewerke und der in Deutschland gewonnenen Kohle nach Frankreich zu verhindern. Bei seinen Recherchen stieß der Autor unerwartet auf zwei Engerser Mitbürger, Axel Kalb und Fritz Weiler, die ebenfalls aus ihren Familien über persönliche Begegnungen mit diesem Mann berichten konnten, von dem Adolf Hitler gesagt hatte, er sei das erste Mitglied der von ihm gegründeten „National-Sozialistischen-Deutschen-Arbeiter-Partei (NSDAP)“ gewesen. Dabei war Schlageter zu dieser Zeit schon von den Franzosen hingerichtet worden. Besonders auch für viele ehemalige Engerser, die aus beruflichen oder privaten Gründen weggezogen sind, bilden diese Aufzeichnungen eine Verbindung zuihrem Geburtsort mit Ereignissen, die in keiner der bekannten Engerser Chroniken zu finden sind.
