Nachtheater der Dorfakademie Hambuch begeistert
Ensemble erinnert an die Anfänge der 1970er Jahre
Hambuch. Mit der zwischenzeitlich 6. Auflage ihres überregional beliebten Nachttheaters machte die örtliche Dorfakademie heuer das halbe Dutzend voll. Als gewogener Besucher musste man dabei gut zu Fuß sein, denn das Open-Air-Event erfolgte erneut im Rahmen einer annähernd dreistündigen Wanderung durch die Hambucher Flur. Das Ganze wie gehabt an drei ausverkauften Vorstellungstagen an denen mehr als 150 Laienschauspieler aus den Ortschaften Düngenheim, Kaifenheim, Möntenich, Zettingen, Wirfus, Kaisersesch, Binningen und natürlich Hambuch zum Einsatz kamen.
Gespielt wurden 19 Szenen an ebenso vielen markanten Schauplätzen, die sowohl im Grüngürtel wie in der Ortsmitte anzutreffen waren. Dabei entführte das durchweg überzeugende Mundartensemble die Besucher per Zeitreise zurück in die Anfänge der 1970er Jahre, in denen das Wirtschaftswunder brummte und auch vor Homesch nicht Halt machte. So mancher kann sich hier schon ein Telefon, einen Fernseher, einen Kühlschrank oder sogar ein Auto leisten, was sowohl stolze Besitzer wie auch Neider auf den Plan ruft. Wieder andere warnen vor den Folgen des vermeintlichen Wohlstands und einer damit verbundenen Veränderung der Menschen. Während die jungen Leute die neuen Möglichkeiten in der Regel begrüßen und die scheinbaren Fesseln des Eifelortes hinsichtlich einer freien Entfaltung abstreifen wollen, fühlen sich die Alten nur innerhalb der Dorfgrenzen sicher und gut aufgehoben. Dabei kommt es nicht nur zu verbalen Diskrepanzen. Oftmals münden Meinungsverschiedenheiten diesbezüglich auch in tätliche Auseinandersetzungen.
Zum Ablauf: In Homesch steht die Kirmes an und es haben sich bereits zahlreiche durstige Gäste eingefunden. Man begibt sich daher auf die Suche nach Engels Karl, der den Schlüssel vom verschlossenen Getränkewagen hat. Dabei trifft man zunächst auf eine Gruppe Dorfjugendlicher die vom Knutschen und Fummeln aus dem Escher Kino kommen. Hier haben sie für einen dunklen Sitzplatz in der letzten Reihe gerne 50 Pfennig mehr ausgegeben. „Wenn dat de Pastur oder de Modder wüsst, dann bräucht ich garnet mie haamzekumme“, schämt sich ein Mädel nachträglich.
Beim Beerdigungskaffee vom Vinz ist Roland mit der Begründung „erst kommt die Arbeit dann das Vergnügen“ nicht erschienen. Auch das die Trauergesellschaft am Kaffeetisch schunkelt und die Witwe den Trauerstrauß mit der Ansage hinter sich wirft „wer ihn fängt den trifft´s als Nächsten“, erscheint makaber. Bei der Gemeinderatssitzung wird die Anzahl der Tagesordnungspunkte lautstark bemängelt. Überdies kreidet man dem Scheffe (Bürgermeister) an, dass er sich bei der Flurbereinigung durch Bestechungsgelder an das Kulturamt in Sachen Grundstückszuteilung die Sahnestücke ergaunert hat. Auch hingt man mit der Kanalisierung noch hinterher. Viele müssen laut einem Ratsmitglied noch den Eimer besteigen. Beim lautstarken Disput machen die Sitzungsteilnehmer auch von Drohungen und nicht gesellschaftsfähigen Kraftausdrücken Gebrauch. In der Grillrunde neben dem Schützenplatz tauscht man Urlaubserlebnisse in den Alpen aus. Dabei hat sich ein Teilnehmer im Allgäu einer neuartigen Rückenschmerztherapie durch Brennnessel-Auspeitschen unterzogen. Leider ohne Erfolg.
Nebenan beschweren sich junge Frauen darüber, dass sie bei ihrer Tätigkeit in der Kleiderfabrik ausgenutzt werden, während man im Stiffje vom Beerhannes Lena 7-Schräm spielt und über die neue Mobilität mit viel zu schnellen Autos diskutiert. Unter anderem fand der junge Hermann bei einem Unfall mit seinem neuen Auto den Tod. Beim Streit in der Kneipe fliegen auch Stühle und die von der Musterung heimkehrenden Junggesellen stellen mit derben Beschreibungen ihre ärztliche Untersuchung nach. „Tauglich für alles, gesoffen wird schließlich in jeder Einheit“, lautet hier der Tenor. Die Mutter des einzigen Kriegsdienstverweigerers sieht indes Ärger auf die Familie zukommen, da dies wohl eine Blamage vor der Dorfbevölkerung bedeuten würde.
Ein menschlicher Lügendetektor überführt bei einer amüsanten Probe des Jugendtheaters die Falschaussagen des Familienoberhauptes. Einige Hausecken weiter hat der Bauer zwecks einer dringenden Sitzung im hölzernen Klohäuschen Platz genommen. „Geditschtes Sauerkraut mit Krombiere führte bei ihm zu Rumores im Panz!“ Die Klotür lässt er zur Straße hin gerne offenstehen, damit er mit der vorbeischauenden Nachbarschaft noch Konversation betreiben kann. Für den bevorstehenden Kirmessamstag hat er sich demnach das traditionelle Baden in der Zinkbütt vorgenommen. Das Lockenwickeln für die Kirmesfrisur vor der mit Liebestötern behangenen Wäscheleine wird vom neuesten Dorftratsch begleitet, der meist negative Schlagzeilen bezüglich der Ehemänner beinhaltet. Der örtliche Briefträger hat bereits mächtig Schlagseite, weil er zum Kirmessamstag an jeder zweiten Haustür den angebotenen Schnaps nicht verweigern wollte. Für ein neues Kirmeskleid hat Elvira ihren Sparstrumpf geleert. Selbiges kommt aber nicht mehr zum Einsatz, da ihr Ehemann einen Tapezierunfall hatte. Dass man sich dabei auch den Allerwertesten verbrennen kann, weiß die verstörte Tochter eindrucksvoll zu berichten. Dummerweise kam bei der Erstversorgung des in Mitleidenschaft gezogenen Körperteils dann auch noch die Tube mit Bienengift statt der mit Brandsalbe zum Einsatz.
Beim Schützenkönig hängt der Haussegen schief, da die Gattin beim Eintreffen des Kirmesfestumzuges immer noch in Gummistiefeln im Kuhstall steht. Der Kirmesplatz bietet 70er Jahre-Festnostalgie. Kirmesgeld, Los- und Schießbude fehlen hier ebenso wenig wie Schnaps- und Biertränke. Nach der obligatorischen Brautentführung läuft deren Kirmestanz etwas aus dem Ruder und der Brautführer will die aufgelaufene Zeche nicht zahlen. Ein Wort gibt das andere und schon befindet man sich in einer ausgewachsenen Kirmesrauferei. Vor dem letzten Vorhang am Dorfbrunnen erinnert sich die 100-jährige Lis noch an ihre Jugendzeit und hat einige Tipps für ein zufriedenes Älterwerden. TE
Die Tür des hölzernen Klohäuschens öffnet sich zur Straße hin, damit der Bauer auch während seiner Sitzung noch mit der Nachbarschaft palavern kann.
