Pulse of Europe Koblenz
„Entdecken, was uns verbindet“
Koblenz. Unter dem Motto „Europa - entdecken, was uns verbindet“ feiert Pulse of Europe Koblenz gemeinsam mit dem Verein der Freunde und Förderer des Fort Asterstein und Vertretern der Koblenzer Sinti den Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, mit einem Fest im Fort Asterstein.
Dieses Jahr steht der Tag des offenen Denkmals ganz im Zeichen des Europäischen Kulturerbe-Jahres 2018. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Wortbeiträgen, Musik, Talk, Kickboxen und Filmausschnitten wollen die Veranstalter die europäische Dimension der Festungsanlagen und die Veränderung ihrer Rolle im Verlauf der jüngsten Geschichte veranschaulichen. Sie erinnern an die „ewige“ Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich, die mit dem geeinten Europa der Vergangenheit angehört.
Ab 10 Uhr finden Führungen durch die Festung statt. Ab 16 Uhr beginnt das Programm mit einem Grußwort des Koblenzer OB David Langner und einer Rede von Romeo Franz, der als erster deutscher Bürger mit Sinti und Roma-Hintergrund im Europäischen Parlament sitzt. Weiter geht es mit den international bekannten Musikern Lulo und Mike Reinhardt, dem Kickbox-Weltmeister Marlon Reinhardt und Ausschnitten aus dem Dokumentarfilm „Newo Ziro - Neue Zeit“. Der Eintritt ist frei, für Essen und Trinken ist gesorgt.
Pressemitteilung von
Pulse of Europe Koblenz

Fakt ist, es gibt eine Sinti-Union als eigenem Dachverband, dem es wichtig ist, dass Sinti und Roma nicht als identische Gruppen wahrgenommen werden. Deswegen grenzen sich diese Sinti vom Zentralrat der Sinti und Roma ab. Sie begreifen sich als autochthone Volksgruppe, die seit mehr als 600 Jahren in Deutschland lebt. Deswegen fühlen sie sich missverstanden, wenn von Armutszuwanderung durch Sinti und Roma die Rede ist, tatsächlich können nämlich nur Roma zuwandern. Diese Abgrenzung durch die Sinti-Union ist einerseits nachvollziehbar, andererseits reagiert aber der Zentralrat der Sinti und Roma mit seiner Sicht der Dinge darauf, dass die Nazis alle Zigeunergruppen verfolgten und eine Differenzierung zwischen Sinti und Roma natürlich nicht vorgenommen wurde. Eine Ausdiskussion zwischen diesen verschiedenen Positionen ist nicht in Sicht. Aber auch in der nichtzigeunerischen deutschen Bevölkerung ist ein Konsens schwer erreichbar. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die die Darstellung der Zigeuner als Sinti und Roma favorisieren, weil der Begriff „Zigeuner“ durch die Assoziation „ziehender Gauner“ diskreditiert sei, auf der anderen Seite nennen sich die Mitglieder der Sinti-Union aber selbst selbstbewusst Zigeuner, was natürlich durch die Tatsache untermauert wird, dass die Herkunft des Begriffs „Zigeuner“ zwar nicht wirklich geklärt ist, es aber doch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass er auf das altindisch-byzantinische Wort „Atsiganoi“ für die Kaste der Unberührbaren zurückgeht. Ich persönlich bin demzufolge für die selbstbewusste Verwendung der Bezeichung „Zigeuner“, weil die Konstruktion „Sinti und Roma“ unter anderem tatsächlich ausblendet, dass es noch andere Zigeunergruppen gibt. Das wäre damit vergleichbar, dass man Indianer nicht mehr so benennen würde, sondern sie beispielsweise als Apachen und Kiowa bezeichnete, was natürlich insofern fragwürdig wäre, als dass es noch viele andere Indianervölker gibt.
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Siegfried Kowallek, Neuwied
Romeo Franz hat keinen "Sinti-und-Roma-Hintergrund", sondern er ist Sinto (und kein Rom).
"Hintergrund" hört sich eben nach Hintergrund an, also etwas, was nicht im Vordergrund steht, etwas weniger Wichtiges und vielleicht schon langsam in Vergessenheit Geratenes. Romeo Franz'ens Sintisein scheint mir allerdings kaum nur im Hintergrund zu stehen.