Neujahrskonzert mit Gerd Winzer und seinem Johann Strauß-Ensemble Köln
Entführung in die heitere und lebens- frohe Welt der Walzer- und Polkaklänge
Mezzosopranistin Anita Reuter aus Mendig brillierte als Gastsängerin in der voll besetzten Laacher See-Halle
Mendig. Nachdem das Johann Strauß-Ensemble Köln unter der Leitung von Gerd Winzer bereits mit seinem Neujahrskonzert 2015 in Mendig für Furore sorgte, eroberte es auch am Samstag, 6. Januar, die Herzen der Konzertbesucher in der voll besetzten Laacher See-Halle im Sturm! Während der begnadete Pianist Gerd Winzer sich mit seiner unnachahmlichen Herzlichkeit nicht nur als charmanter und ausgesprochen humorvoller Moderator erwies, sondern es auch vortrefflich verstand, sein Publikum „an die Hand“ zu nehmen und in eine heitere und lebensfrohe Welt der Walzer- und Polkaklänge zu entführen, lud sein perfekt aufeinander eingestimmtes Ensemble mit einer schier ungebremsten Spielfreude fast schon zum Mitsingen des einen oder anderen Strauß‘schen „Ohrwurms“ ein.
Apropos Spielfreude: Die von Andrea Winzer (Ehefrau von Gerd Winzer) designten imposanten Bühnenbilder „Arena di Verona“ und „Alte Oper Paris“ bildeten nicht nur einen wohltuenden Kontrast zu üblichen „Operettenkulissen“, nein, sie weckten bei Gerd Winzer offensichtlich auch das „Kind im Manne“, da er die verzaubernde Kulisse dank meisterhafter Lichttechnik immer wieder in neue Farben tauchen konnte, wovon er mit sichtlicher Freude reichlich Gebrauch machte.
Perfekt aufeinander eingestimmtes Ensemble mit ungebremster Spielfreude
Ein weiteres Highlight des Abends war der Gast-Auftritt der Mezzosopranistin Anita Reuter, die in Mendig bereits bei unzähligen Veranstaltung nicht nur mit ihrer wohlklingenden Stimme, sondern auch als Chorleiterin sowie als temperamentvolle Choreografin und Tänzerin (Mennijer Mädche) begeisterte. Dem Kompliment des fachkundigen Musikers Gerd Winzer: „Frau Reuter verfügt über eine strahlende Stimme, die sich mühelos in Höhen aufschwingt und immer emotionsgeladen ist. Die Mendiger können auf dieses aus ihrer Heimat stammende Talent stolz sein!“ entsprach sie während ihres Gastauftritts zu hundert Prozent! In vollendeter Harmonie mit dem wunderbaren Ensemble (Violinen: Veronika Wehling, Gudurun Pagel und You-Bin Yang, Cello: Ulrich Roterberg, Bass: Uwe Küster, Flöte: Daniel Cueto, Klarinette: Selcuk Sahinoglu, Schlagwerk: Moritz Winzer und selbstverständlich Gerd Winzer am Piano) intonierte die vielseitig begabte Künstlerin verschiedene Operettenhighlights wie das „Vilja-Lied“ aus der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehar oder der „Habanera“ aus „Carmen“ von Georges Bizet. Für Gerd Winzer war Anita Reuter nicht die erste Begegnung mit einem Mendiger Künstler. Bereits vor 25 Jahren stand er gemeinsam mit dem bekannten Bariton Herbert Kranz auf der Bühne und schrieb für diesen auch das eine oder andere Arrangement.
Insgesamt stellte das Programm eine gelungene Mischung verschiedener Epochen dar. Ob es sich um die Annen-Polka aus der ersten Schaffensperiode von Johann Strauß (Sohn), seine Pizzicato Polka, die er mit seinem Bruder Joseph 1869 in Petersburg komponierte, die Polka „Leichtes Blut“ handelte oder um die heimliche Nationalhymne der Engländer „With pomp & circumstance“ von Edgar Elgar, das frühe Werk des Walzerkönigs Johann Strauß „Die Schlittschuhläuferin“, Bedrich (Friedrich) Smetanas „Moldau“ bzw. die italienische Tarantella „La Danza“ von Gioachino Rossini – das Johann-Strauß-Ensemble Köln interpretierte jedes einzelne Werk mit einer vermeintlichen Leichtigkeit, die ein professioneller Klangkörper jedoch nur durch äußerste Disziplin und Fleiß erreichen kann.
Johann (Baptist) Strauß war ein österreichischer Komponist und Kapellmeister, der im Alter von 45 Jahren am 25. September 1849 in Wien starb. Um Verwechslungen mit seinem gleichnamigen Sohn, dem „Walzerkönig“, zu vermeiden, wird er meist Johann Strauß Vater genannt. Sein bis heute bekanntestes Werk ist der 1848 uraufgeführte „Radetzky-Marsch“, der zur traditionellen Zugabe des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker zählt und unter dem nicht enden wollenden Applaus des restlos begeisterten Publikums selbstverständlich auch das Mendiger Neujahrskonzert krönte. Als Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel sich bei den Ensemble-Mitgliedern mit Blumen für die Damen und je einer kunstvoll verpackten Flasche Vulkan Craft-Bier für die Herren für den wunderbaren Abend bedankte, ließ Gerd Winzer noch einmal seinen Schalk aufblitzen und erntete für seine spontane Bemerkung: „Ich dachte schon, das wäre Fleckenspray“ großes Gelächter. FRE
Der Bariton Herbert Kranz (l.) stand bereits vor 25 Jahren mit Gerd Winzer )r.) auf der Bühne.
Die drei Geigerinnen des Orchesters boten in ihren farbenfrohen Ballkleidern einen hinreißenden Anblick.
