Katholisches Pfarramt St. Dionysius Nickenich
Erinnern statt vergessen
Nickenich. Am Mittwoch, 27. Mai 2020, ist es achtzig Jahre her, dass der damalige Pfarrer von Nickenich, Johannes Schulz, der mit dem Wassenacher Pfarrer Josef Zilliken auf eine Tasse Kaffee im Lokal Waldfrieden in der Gemarkung Nickenich unweit von Maria Laach war, den Generalfeldmarschall Hermann Göring absichtlich nicht grüßte. Pfarrer Schulz hatte in Predigten und bei anderen öffentlichen Gelegenheiten zu erkennen gegeben, dass er das menschenverachtende Unrechtsregime ablehnte. Deshalb wurden auch seine Predigten mitgeschrieben und ein Anlass gesucht, ihn festzunehmen.
Denn man befürchtete, seine aufrechte Haltung würde weite Kreise ziehen. Als er den Generalfeldmarschall nicht grüßte, war dieser in seiner Eitelkeit so gekränkt, dass er Johannes Schulz festnehmen ließ. So wurde Schulz zum Häftling in den Konzentrationslagern Buchenwald, Sachsenhausen und Dachau sowie Opfer der NS-Willkür. Qualvoll, aber nicht verbittert, denn er spendete vielen Gefangenen Trost, starb er im KZ Dachau. Am Lokal Waldfrieden erinnert seit dem 70. Jahrestag dieser folgenreichen Begegnung, also seit zehn Jahren, eine Basalttafel an das mutige Glaubenszeugnis von Schulz. Der damalige Nickenicher Pfarrer musste damit rechnen, dass sein Tun Konsequenzen haben würde. Er riskierte sie, weil er gradlinig war und Unrecht – das auch auf das Töten Unschuldiger zielte - nicht gutheißen konnte. Zum 80. Jahrestag trafen sich Verbandsbürgermeister Klaus Bell, Ortsbürgermeister Detlev Leersch, Pfarreienratsvorsitzender Horst Schmitz und Pfarrer Norbert Missong an der Tafel. In der heutigen Zeit, in der nicht wenige Menschen sich schwertun, Profil zu zeigen und ihren Standpunkt zu vertreten, hat die Entschiedenheit von Pfarrer Johannes Schulz etwas Vorbildliches.
Wegen der aktuellen Einschränkung zum Schutze vor Corona war eine Gedenkveranstaltung mit vielen Teilnehmenden leider nicht möglich.
