Allgemeine Berichte | 13.08.2014

Stele am Swistbachradweg erinnert an das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters Anton Wujciakowski

Erinnerung und Mahnung für die Lebenden

Ein wichtiges Zeichen und eine Form der Genugtuung für unschuldige Opfer

Erinnerung und Mahnung für die Lebenden

Swisttal. Am 9. August 1941 wurde der polnische Zwangsarbeiter Anton Wujciakowski im Alter von 32 Jahren von der Gestapo erhängt. Davon zeugt nun eine Stele am Radweg in der Swistaue, nahe Lützermiel.

Ein mobiler Galgen wurde damals eigens dafür in den Mieler Sandgruben aufgestellt, weil der Arbeitsplatz von Anton Wujciakowsky in der Nähe lag, bei Bauer Peter Abel in Hohn. Er wurde dann um 7:34 Uhr, ohne ordentliches Gerichtsverfahren, im Beisein und vor den Augen Hunderter anderer Zwangsarbeiter erhängt. Im Marschblock wurden die Zwangsarbeiter aus neun heutigen Swisttalorten, aber auch aus Flerzheim, Ramershoven, Rheinbach und Wormersdorf über Straßen und Feldwege zu dieser Stelle hingeleitet. Damit keiner der Zwangsarbeiter sich des Grauens durch Wegsehen entziehen konnte, wurde jeder Einzelne gezwungen, die gefesselten Hände des am Galgen hängenden Menschen zu berühren. Anton Wujciakowski war vorgeworfen worden, einer deutschen Frau zu nahe gekommen zu sein. Die Frau und Anton Wujciakowski wurden wahrscheinlich aufgrund einer anonymen Anzeige tagelang von der Bonner Gestapo verhört, ergebnislos. Auch die ärztliche Untersuchung der 26-jährigen Frau lieferte keinen Beweis für den erhobenen Vorwurf. Die Intervention von Peter Abel bei der Gestapo in Bonn blieb ebenfalls ergebnislos. Nun, nach 73 Jahren, wurde am 9. August 2014 während einer feierlichen Gedenkveranstaltung am Ort des Verbrechens eine Gedenkstele enthüllt, die an Anton Wujciakowski und sein furchtbares Schicksal erinnert.

Gedenkveranstaltung mit Zeitzeugen

Zu dieser Gedenkveranstaltung hatte der Bürgermeister der Gemeinde Swisttal eingeladen und etwa 70 Gäste, Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde waren der Einladung gefolgt. Unter ihnen auch viele Zeitzeugen der damaligen Zeit. Dr. Benno Willers hat in seinen Büchern zur Buschhovener Geschichte während der Kriegszeit zahlreiche Buschhovener Familien nach Erinnerungen und Zeugnissen aus dieser Zeit befragt und in Archiven recherchiert. In seinem Beitrag zur Gedenkfeier rief Willers die unbegreiflichen Vorgänge dieses Tages noch einmal in Erinnerung.

Besonders die Erinnerungen des Buschhovener Heinrich Schlösser aus dieser Zeit des Zweiten Weltkrieges hatten dazu beigetragen, dass sich Willers intensiv um die Hintergründe dieses schrecklichen Ereignisses am 9. August 1941 kümmerte. Auf dem Hof der Familie Schlösser war ein polnischer Fremdarbeiter tätig, der entgegen aller Vorschriften fast schon zu Familie gehörte. Auch er musste mit zur Hinrichtungsstätte und die Hände des Gehängten berühren. Der damals sechsjährige Heinrich bekam das Gespräch mit, als der Mann dies seinen Eltern berichtete.

Wichtiges Signal zur Erinnerung

Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Swisttal, Dr. Robert Datzer, bezeichnete die Einweihung der Stele als ein starkes und wichtiges Signal zur Erinnerung an das Schicksal der Zwangsarbeiter und beschrieb die Stele als einen sichtbaren Beitrag des Gedenkens. Bereits 2008 hatte der Rheinbacher Historiker Horst-Pierre Bothin angeregt, ein dauerhaftes Zeichen des Gedenkens für die in der Region gewaltsam zu Tode gekommenen Zwangsarbeiter zu schaffen, berichtete Datzer. Der Anregung folgte dann der Swisttaler Rat einstimmig. Zu dieser Gedenkfeier war auch der Vizekonsul des Generalkonsulates der Republik Polen, Andrzej Dudzinski, gekommen. Er verwies in seiner Ansprache auf das tragische Schicksal der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges. „Über 12 Millionen Fremdarbeiter wurden während dieser Zeit nach Deutschland verschleppt. Jeder Fünfte von ihnen stammte aus Polen“, berichtete Dudzinski. Zu diesen Fremdarbeitern gehörte auch Anton Wujciakowski.

Lehren aus der Geschichte ziehen

In der Rückschau auf dieses furchtbare Ereignis ist es geboten, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und sie nicht zu vergessen, sagte Dudzinski. Denn, wie es Richard von Weizäcker formulierte; „Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“ Abschließend bedankte sich der Vizekonsul bei all denen, die sich für das Gedenken an Anton Wujciakowski eingesetzt haben. „Es ist ein wichtiges Zeichen und eine Form der Genugtuung für die unschuldigen Opfer, die hier vor 73 Jahren umgebracht wurden“. Die Vertreter der Kirche, Ernst Edelmann, Herbert Bohl und Pater Piotr Piatek, beteten zusammen mit den Anwesenden. Als Zeichen der Erinnerung und der Wachsamkeit, dass die Würde der Menschen in aller Welt unantastbar ist, charakterisierte Pfarrer Ernst Edelmann diesen Stein. Er rief zum Engagement für Gerechtigkeit und zum friedlichen Miteinander auf. Nach einem gemeinsamen Gebet folgte das Niederlegen von Blumen und Gestecken an der Stele. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung hatten die Gäste die Möglichkeit zu weiteren Gesprächen.

Ein Zeitzeuge, Heinrich Schlösser aus Buschhoven, unterhält sich nach der Gedenkveranstaltung mit Andrzej Dudzinski.

Die Stele ist durch Spenden von Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Swisttal und durch die Förderung der Stiftung „Gedenken und Frieden“ des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge finanziert worden. Geschaffen hat die Steinstele der Swisttaler Horst Bürvenich.

In der Mitte ist Lukas, der polnische Zwangsarbeiter, zu sehen, der bei Fam. Schlösser lebte und von dem grausigen Geschehen am 9. August 1941 erzählte.

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