Allgemeine Berichte | 29.01.2026

Mahnmal Ebernach in Cochem

Erinnerung und Würde: Cochemer Gymnasiasten gedenken NS-Opfern

Ein Mahnmal der Menschlichkeit: Cochemer Schülerinnen und Schüler ehren NS-Opfer. Foto: Sven Ziegler

Cochem. Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus versammelten sich Schüler des Martin-von-Cochem Gymnasiums am Mahnmal Ebernach in Cochem, um der Opfer der NS-Euthanasie zu gedenken.

25 Zehntklässler verlasen Namen von Personen, die während des Regimes von den Nationalsozialisten aus Ebernach deportiert wurden und in der sogenannten NS-Euthanasie ihr Leben verloren.

Lange Zeit wurde angenommen, dass die Namen bestimmter Opfergruppen, wie der sogenannten Asozialen und der Anstaltspfleglinge, aus Gründen des Opferschutzes nicht genannt werden sollten. Heute jedoch wird in der Erinnerungsarbeit betont, dass die Nennung der Namen bei Gedenkveranstaltungen wichtig ist, um die Opfer zu ehren und sie in das kollektive Gedächtnis zurückzuholen.

Die vorgelesenen Namen stehen stellvertretend für über 300.000 Menschen, die im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet wurden. Für jeden dieser Menschen stellten die Schüler ein Würde-Täfelchen auf.

Veronika Rass erklärte die Notwendigkeit, den Opfern ihre Namen und damit ihre Würde zurückzugeben, da sie durch die Euthanasie anonym wurden und ins Vergessen gerieten. Superior Br. Michael Ruedin von den Franziskanerbrüdern bezeichnete das Mahnmal als „Stein des Anstoßes und des Gedenkens“ für die 1943 durch die NS-Euthanasie gewaltsam zu Tode gekommenen psychisch und geistig Kranken von Ebernach. Er erinnerte daran, dass Menschen ausgesondert wurden, weil sie nicht in das Bild der NS-Ideologie passten und dass dies eine Mahnung für die Gegenwart sein sollte.

Landrätin Anke Beilstein hob die universelle Würde jedes Menschen hervor und betonte, dass Menschsein die einzige Voraussetzung dafür sei. Angesichts des wieder erstarkenden Rechtsextremismus sei es wichtig, dass viele Menschen zur Gedenkfeier gekommen seien, da das Vergessen nicht eintreten dürfe und die Mahnung weitergegeben werden müsse. Sie erinnerte an Irma S., eine beeinträchtigte jüdische Person aus dem Moseltal, die 1942 in das Tötungslager Brandenburg an der Havel deportiert und ermordet wurde.

Pastor Sven Ziegler von der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde Bendorf wies auf die Bedeutung bestimmter Orte wie Brandenburg, Bernburg, Hadamar, Sonnenstein, Grafeneck und Hartheim hin, die als Tötungsanstalten für eines der größten Massenmordverbrechen der NS-Zeit bekannt sind. Er betonte, dass Menschen aufgrund eines kranken Ideals von einem gesunden Volk und einer gesunden Rasse geächtet, ausgeschlossen und vernichtet wurden.

Mitglieder der jüdischen Gemeinde Koblenz trugen das Gebet „El male rachamim“ vor, um aller Opfer des NS-Unrechts zu gedenken. Nach einer Schweigeminute ehrten die Teilnehmer die Getöteten mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal Ebernach. Die Franziskanerbrüder, die damals von den Nazis gezwungen wurden, Menschen mit Hilfebedarf abtransportieren zu lassen, wurden ebenfalls gewürdigt. Stephan Wahls Würde-Litanei erinnerte an ihre Bemühungen, Behinderte zu verstecken und Deportationen zu verhindern, verfolgte Priester aufzunehmen und den Hitlergruß zu verweigern, wie es in der Festschrift der Franziskaner von 2012 beschrieben ist. Die Würde des Menschen soll unantastbar sein, immer und überall.

Nahezu 100 Personen nahmen an der Gedenkstunde teil, die von der Pfarrei Heilige Maria Magdalena Cochem, dem Pastoralen Raum Arbeitsbereich Erinnerungskultur und Jugend, der Evangelischen Kirchengemeinde Cochem, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der Jüdischen Gemeinde Koblenz, den Franziskanerbrüdern vom Heiligen Kreuz in Kloster Ebernach, dem Kreishaus Cochem-Zell und dem Martin-von-Cochem-Gymnasium gestaltet wurde. BA

Ein Mahnmal der Menschlichkeit: Cochemer Schülerinnen und Schüler ehren NS-Opfer. Foto: Sven Ziegler

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Fahrer gesucht (m/w/d)
20 % Anzeige VoS
Stellenanzeige Auslieferungsfahrer
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
diverse Stellen
Oster-Anzeige
Innovatives rund um Andernach
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
77

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
24

Bücherbrücke Meckenheim/Alfter stärkt Lesefreude bei Kindern

Bibfit-Programm bringt Vorschulkinder spielerisch in die Bibliothek

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund ums Haus
Dauerauftrag 2025
Anzeige "Rund ums Haus"
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0197#
Nachruf Roland Freisberg
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
Lossprechung Metallhandwerker-Innung Ahrweiler
Lossprechungsfeier Metall-Innung
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Stellenanzeige Betriebsstättenleitung
Lossprechungsfeier Metall Innung
Ostergrußanzeige
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Anlagenmechaniker
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus