Allgemeine Berichte | 29.01.2026, 14:25 Uhr

Mahnmal Ebernach in Cochem

Erinnerung und Würde: Cochemer Gymnasiasten gedenken NS-Opfern

Ein Mahnmal der Menschlichkeit: Cochemer Schülerinnen und Schüler ehren NS-Opfer. Foto: Sven Ziegler
88

Cochem. Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus versammelten sich Schüler des Martin-von-Cochem Gymnasiums am Mahnmal Ebernach in Cochem, um der Opfer der NS-Euthanasie zu gedenken.

25 Zehntklässler verlasen Namen von Personen, die während des Regimes von den Nationalsozialisten aus Ebernach deportiert wurden und in der sogenannten NS-Euthanasie ihr Leben verloren.

Lange Zeit wurde angenommen, dass die Namen bestimmter Opfergruppen, wie der sogenannten Asozialen und der Anstaltspfleglinge, aus Gründen des Opferschutzes nicht genannt werden sollten. Heute jedoch wird in der Erinnerungsarbeit betont, dass die Nennung der Namen bei Gedenkveranstaltungen wichtig ist, um die Opfer zu ehren und sie in das kollektive Gedächtnis zurückzuholen.

Die vorgelesenen Namen stehen stellvertretend für über 300.000 Menschen, die im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet wurden. Für jeden dieser Menschen stellten die Schüler ein Würde-Täfelchen auf.

Veronika Rass erklärte die Notwendigkeit, den Opfern ihre Namen und damit ihre Würde zurückzugeben, da sie durch die Euthanasie anonym wurden und ins Vergessen gerieten. Superior Br. Michael Ruedin von den Franziskanerbrüdern bezeichnete das Mahnmal als „Stein des Anstoßes und des Gedenkens“ für die 1943 durch die NS-Euthanasie gewaltsam zu Tode gekommenen psychisch und geistig Kranken von Ebernach. Er erinnerte daran, dass Menschen ausgesondert wurden, weil sie nicht in das Bild der NS-Ideologie passten und dass dies eine Mahnung für die Gegenwart sein sollte.

Landrätin Anke Beilstein hob die universelle Würde jedes Menschen hervor und betonte, dass Menschsein die einzige Voraussetzung dafür sei. Angesichts des wieder erstarkenden Rechtsextremismus sei es wichtig, dass viele Menschen zur Gedenkfeier gekommen seien, da das Vergessen nicht eintreten dürfe und die Mahnung weitergegeben werden müsse. Sie erinnerte an Irma S., eine beeinträchtigte jüdische Person aus dem Moseltal, die 1942 in das Tötungslager Brandenburg an der Havel deportiert und ermordet wurde.

Pastor Sven Ziegler von der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde Bendorf wies auf die Bedeutung bestimmter Orte wie Brandenburg, Bernburg, Hadamar, Sonnenstein, Grafeneck und Hartheim hin, die als Tötungsanstalten für eines der größten Massenmordverbrechen der NS-Zeit bekannt sind. Er betonte, dass Menschen aufgrund eines kranken Ideals von einem gesunden Volk und einer gesunden Rasse geächtet, ausgeschlossen und vernichtet wurden.

Mitglieder der jüdischen Gemeinde Koblenz trugen das Gebet „El male rachamim“ vor, um aller Opfer des NS-Unrechts zu gedenken. Nach einer Schweigeminute ehrten die Teilnehmer die Getöteten mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal Ebernach. Die Franziskanerbrüder, die damals von den Nazis gezwungen wurden, Menschen mit Hilfebedarf abtransportieren zu lassen, wurden ebenfalls gewürdigt. Stephan Wahls Würde-Litanei erinnerte an ihre Bemühungen, Behinderte zu verstecken und Deportationen zu verhindern, verfolgte Priester aufzunehmen und den Hitlergruß zu verweigern, wie es in der Festschrift der Franziskaner von 2012 beschrieben ist. Die Würde des Menschen soll unantastbar sein, immer und überall.

Nahezu 100 Personen nahmen an der Gedenkstunde teil, die von der Pfarrei Heilige Maria Magdalena Cochem, dem Pastoralen Raum Arbeitsbereich Erinnerungskultur und Jugend, der Evangelischen Kirchengemeinde Cochem, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der Jüdischen Gemeinde Koblenz, den Franziskanerbrüdern vom Heiligen Kreuz in Kloster Ebernach, dem Kreishaus Cochem-Zell und dem Martin-von-Cochem-Gymnasium gestaltet wurde. BA

Ein Mahnmal der Menschlichkeit: Cochemer Schülerinnen und Schüler ehren NS-Opfer. Foto: Sven Ziegler

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Kreishandwerkerschaft
Holz Loth-Entsorgung
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Angebotsanzeige (Oktober)
Stellenausschreibung Abwasserwerk
Allgemeine Anzeige Jubiläum 25 Jahre
Empfohlene Artikel
Die B267 in Rech. Foto:ROB
203

Ahrtal. Das Projektbüro Wiederaufbau Ahrtal des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Cochem-Koblenz mit Sitz in Sinzig lässt an zwei Tagen im Zeitraum der Kalenderwochen 44 bis 46 Luftaufnahmen im Bereich der Mittelahr erstellen. Ziel ist es, den aktuellen Bestand entlang der B 267 sowie eines Teilabschnitts der B 257 im Bereich Kreuzberg zu dokumentieren. Die Aufnahmen dienen als Grundlage für die Planung und Umsetzung der Wiederaufbauprojekte.

Weiterlesen

Die Strecke ab der Ortslage Poltersdorf in Richtung KVP Senhals im Verlauf der B 49. Foto: LBM
3945

Senhals/Poltersdorf. Ab dem 9. November 2026 wird die B 49 zwischen dem Kreisverkehrsplatz (KVP) Senhals und der Ortslage Poltersdorf auf einer Länge von rd. 5,3 km umfassend saniert. Die Arbeiten dienen insbesondere dem dauerhaften Substanzerhalt dieser wichtigen Verkehrsverbindung entlang der Mosel.

Weiterlesen

Symbolbild.
205

Brohl/Möntenich. Nachdem die Arbeiten an der Bachbrücke über den Brohlbach am Ortsausgang von Brohl in Richtung Möntenich im Verlauf der L 110 erfolgreich abgeschlossen werden konnten, müssen nun noch die erforderlichen Schutzplanken entlang des Streckenabschnitts montiert werden.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
3169

Astrologische Vorschau für die KW XX: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 19. bis 25. Oktober – zwischen Herzensangelegenheiten und neuen Chancen

Die Woche vom 19. bis 25. Oktober 2026 bringt Bewegung in festgefahrene Situationen, überraschende Erkenntnisse und die eine oder andere Herausforderung. Während sich in der Liebe neue Türen öffnen können, verlangen berufliche Aufgaben nach Geduld, Weitblick und einer guten Portion Durchhaltevermögen. Auch die Gesundheit verdient besondere Aufmerksamkeit: Wer zu viel auf einmal erledigen möchte, könnte schneller an die eigenen Grenzen stoßen.

Weiterlesen

Die B267 in Altenahr.  Foto: ROB
712

Die Sperrung bedeutet Einschränkungen im ÖPNV

Altenahr: Vollsperrung der B 267 ab 19. Oktober

Altenahr. Ab Montag, 19. Oktober 2026, muss die B 267 in Altenahr auf Höhe des Bahnübergangs an der Altenburger Straße voll gesperrt werden. Grund hierfür ist die Herstellung einer Außenanlage. Die Sperrung wird voraussichtlich bis einschließlich 6. November dauern. Die Umleitung erfolgt aus Fahrtrichtung Altenburg kommend über die B 257 und den Roßberg, aus Fahrtrichtung Altenahr kommend erfolgt die Umleitung entgegengesetzt, das heißt über den Roßberg und die B 257.

Weiterlesen