Geschichte(n) aus meiner Heimat
Erinnerungen an das Lazarett in Maria Laach
Fritz Neideck verlor durch einen Bombensplitter den rechten Unterschenkel
Mendig. Niemand glaubte am 23. Februar 1945 im damaligen Niedermendig noch an einen Luftangriff der Alliierten, denn der Einzug der Amerikaner am 5. März stand kurz bevor. Der Elektrolehrling Fritz Neideck, damals gerade 14 Jahre alt, war zusammen mit einem Arbeiter aus Belgien in der Nähe des Sägewerkes Müller, als eine Bombe das Wohnhaus von Phillipp Müller zerstörte.
Die Splitter dieser Bombe rissen Fritz Neideck den rechten Unterschenkel ab. Zum Glück konnte ihm Josef Mintenig das Bein sofort abbinden und ihn zusammen mit Josef Montermann ins Niedermendiger Krankenhaus bringen. Ein Verbluten konnte dadurch verhindert werden. Die Weiterbehandlung erfolgte dann im Lazarett in Maria Laach, wo bis zur Übernahme durch die Amerikaner kaum Schmerzmittel und Verbandsmaterial außer Zellstoff vorhanden waren. Ich besuchte vor einigen Jahren mit meinem Stammtischkollegen Fritz seine ehemaligen Lazarett-Räume in der Laacher Abtei, in die uns Pater Basilius Sandner als Archivar führte.
Es sprudelte aus Neideck nur so heraus, als er sein ehemaliges Zimmer entdeckte, in dem ihm mit moderner medizinischer Versorgung und guter Verpflegung so geholfen werden konnte, dass er bereits nach 18 Tagen wieder nach Niedermendig entlassen werden konnte. „Dass ich damals ohne eine Virusinfektion bei all den aus heutiger Sicht primitiven Medizin überlebt habe, verdanke ich vor allem dem damaligen „Kriegsfeind“ und seiner Hilfe im Lazarett und Dr. Olberts, der wegen seiner jüdischen Frau unter den Nazis sehr viel hat leiden müssen und auch nicht zuletzt Gottes Hilfe!“
Bald kann Neideck zusammen mit seiner Frau Ria und seiner Familie auf nun 90 Lebensjahre erstaunlich fit zurückschauen!
Heinz Lempertz
Vor 75 Jahren erlebte Fritz Neideck (links) den schwärzersten Tag seines Lebens, er verlor durch einen Bombensplitter den rechten Unterschenkel. Erstaunlich sein Überleben und sein Leben danach! Hier eine Archivaufnahme aus dem Jahr 2001 bei der Besichtigung der Stollenbahn auf der Deponie Eiterköpfe in Ochtendung. Foto: Heinz Lempertz
