Beliebte Veranstaltung „Wein im Schloss“ in Koblenz
Erlesene Weine kitzelten den Gaumen
Koblenz. „Wein im Schloss“, eine Präsentation von Premiumweinen aus den sechs rheinland-pfälzischen Anbaugebieten, gehört sicherlich zu den beliebtesten Veranstaltungen in Koblenz. Als Ausrichter der jetzt 21. Auflage der jedem Besucher offenstehenden Messe im Kurfürstlichen Schloss konnte die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz stolze Zahlen vermelden. Die knapp siebzig teilnehmenden Betriebe von Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, aus der Pfalz und aus Rheinhessen boten über sieben Stunden mehr als vierhundert Weine und Sekte zur Verkostung an. Als einziger Betrieb aus Koblenz beteiligte sich Weingut Toni Müller an der Veranstaltung. Dieses ist, genau wie die überwiegende Anzahl der Aussteller, Träger des Staatsehrenpreises 2017, acht sind sogar mit dem Großen Staatsehrenpreis ausgezeichnet.
Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, wies bei der offiziellen Eröffnung auf ein Novum der Veranstaltung hin. Erstmalig präsentierten sich 14 Weingüter mit Weinen aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, entstanden durch Kreuzung europäischer mit amerikanischen oder asiatischen Sorten, die sich derzeit als „Piwis“ bei den Konsumenten stärker beliebt machen wollen. Die robusten Rebsorten mit wohlklingenden Namen wie Satin Noir, Saphira, Muscaris oder Solaris mussten deutlich weniger Pflanzenschutz über sich ergehen lassen, als die gut bekannten klassischen Sorten. Im Übrigen dominierten bei „Wein im Schloss“ mit knapp achtzig Prozent, wie gehabt, die Weißweine. Fast siebzig Prozent aller präsentierten Weine stammten aus dem Jahrgang 2017.
Rheinland-Pfalz ist Deutschlands Weinland Nummer Eins
Weinbauminister Dr. Volker Wissing, der die Schirmherrschaft für „Wein im Schloss“ übernommen hatte und für eine finanzielle Unterstützung des Ministeriums verantwortlich zeichnete, gratulierte den Ausrichtern zu dem Veranstaltungsort, der dem außergewöhnlichen Kulturgut Wein einen außergewöhnlichen Rahmen gebe. Rheinland-Pfalz als Deutschlands Weinland Nummer Eins brauche auch nicht den internationalen Wettbewerb zu scheuen. Dieser Status sei einerseits der guten Aus- und Fortbildung im Weinbau, andererseits dem Ehrgeiz und der Leidenschaft der Winzer in den rund 9.000 Betrieben des Landes zu verdanken. Mit ihrer Fachkompetenz sei es sogar gelungen, aus dem von Wetterkapriolen geprägten, eher schwierigen Weinjahrgang 2017 besonders komplexe Weine „herauszukitzeln“.
Die Weinanbaugebiete des Landes leisten einen prägenden Beitrag für die außergewöhnlich schöne Kulturlandschaft. Sie wiederum ist gleichermaßen Anziehungspunkt für Touristen wie für Fachkräfte. Beiden Rednern war es ein Anliegen, auf die gerade wieder intensiv geführte Diskussion zum Thema Wein und Alkohol einzugehen. Eher augenzwinkernd meinte Schindler, in Maßen genossen sei Wein immer als Medizin einzustufen. Dennoch sei die Diskussion ernst zu nehmen, ergänzte Wissing, aber das Kulturgut Wein, das Europa seit Jahrtausenden prägt, wollte er ganz klar nicht dem falschen Umgang mit ihm opfern. Bei moderatem und bewusstem Weingenuss sei es möglich, die Schönheiten des Landes sogar schmeckbar zu machen.
Stellvertretend für die der Eröffnung beiwohnenden Weinmajestäten der sechs Anbaugebiete richtete die deutsche Weinprinzessin 2017/18, Charlotte Freiberger, einige Worte an das bunt gemischte Publikum. Sie empfahl, die Weinpräsentation dazu zu nutzen, mit den Spitzenerzeugern in Kontakt zu treten und die hinter ihren Weinen stehende Philosophie zu ergründen und zu erleben. „Probieren Sie sich einmal durch Rheinland-Pfalz!“ Besonders empfahl sie die „Piwis“ - sie seien es wert, verkostet zu werden.
Welcher Wein ist der persönliche Favorit?
Das Schloss hatte sich zwischenzeitlich zusehends mit Menschen gefüllt, die Pfand-Weinglas, Ausstellerkatalog und Stift in der Hand haltend von Stand zu Stand zogen, um einen oder mehrere der durchschnittlich sechs Weine pro Weingut zu erschmecken. Während einer sein Geschmackserlebnis gleich in das Handy diktierte, verzog sich ein anderes Paar vor die Tür, um im Hinblick auf seinen schon jetzt gut bestückten Weinkeller erst einmal in Ruhe die Ergebnisse der fünfzig ersten Weinproben zu ordnen. So hatte jeder seine eigene Strategie entwickelt, um die persönlichen Favoriten herauszufinden. Der Wein wurde betrachtet, gerochen, geschlürft, im Mund gespült und meistens statt geschluckt wieder ausgespuckt. Zwischen den einzelnen Proben konnten die Geschmackssinne mit an den Ständen bereitstehendem Mineralwasser und Brot erfrischt werden.
Bei rund 1.500 Besuchern hatten die Standbetreiber alle Hände voll zu tun, die Wunsch-Weine in die dargebotenen Gläser zu schenken und zugleich die zahlreichen Fragen zu Anbau, Herkunft oder Besonderheiten der Tropfen zu beantworten. Wem die Probe besonders gut gemundet hatte, wollte insbesondere wissen, wo und wie er den Wein kaufen kann. Tatsächlich wäre es wohl eine gute Idee, wenn schon auf der Messe die Möglichkeit bestünde, die eine oder andere Flasche direkt mit nach Hause zu nehmen, um am Abend noch einmal nachschmecken zu können.
Unverwechselbare, charakterstarke Weine höchster Qualität
Das überwiegende Urteil der Besucher: Die Weinproben offenbarten das Engagement der Winzer, unverwechselbare, charakterstarke Weine höchster Qualität zu erzeugen.
Mit der großen Bandbreite der zur Verkostung präsentierten Weinsorten, beherrscht vom König der Weißweine, dem Riesling, über die verschiedenen Burgundersorten, Chardonnay, Scheurebe bis hin zu Muskateller, Kerner und Dornfelder konnte wahrlich jeder Weinfreund auf seine Kosten kommen und trocken, lieblich, fruchtig und aromatisch genießen.
BSB
Volker Wissing favorisiert keine bestimmte Weinsorte. Sein Motto: Jede zur passenden Gelegenheit.
Josef Oster (MdB) und Landrat Frank Puchtler (re.) nutzten die Gelegenheit, sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen.
