Evangelische Kirche in Oberlahnstein
Erster närrischer Gottesdienst war ein Erfolg
Lahnstein. Kostümierte Menschen stehen an der Kirche: Gardemitglieder der NTG, eine Abordnung des Möhnenclubs Immerfroh mit ihrem ins Auge fallenden Blau, Vertreter der Funkengarde Blau-Weiß sowie die Kindertollitäten des CCO mit ihrem närrischen Hofstaat beleben den Eingangsbereich. Wer am Sonntag, dem 27. Februar 2022 gegen 10 Uhr an der evangelischen Kirche Oberlahnstein in der Nordallee vorbeiging, dem bot sich ein ungewohnt buntes Bild. Ca. 70 Personen waren zum ersten närrischen Gottesdienst gekommen, zu dem der neue Pfarrer Benjamin Graf eingeladen hatte. Für alle galt die 4-G-Regel: geimpft, genesen, getestet und gespannt auf den Pfarrer, der die Neugierde aller geweckt hatte mit der Ankündigung, den gesamten Gottesdienst in Reimform zu gestalten.
Dann eine erste Überraschung:
„Was hat der Pfarrer sich gefreut,
auf den schönsten Gottesdienst im Jahr, also auf heut!
Zwei Jahre keine Infektion,
jetzt auch noch geboostert, was passiert da schon?‘!
Doch jetzt lief wirklich alles schief, gerade diese Woche – der Test: positiv
So übernehmen den Gottesdienst in Graf’schem Stil
Klaus Ollrich aus dem Kirchenvorstand
und des Pfarrers Zwillingsbruder Patrick Riehl“
Die beiden gaben ihrem „Publikum“ nicht viel Zeit, diese Tatsache zu verdauen; den von Pfarrer Benjamin Graf mit viel Herzblut vorbereitete Gottesdienst zelebrierten die beiden, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Musikalisch begleitete Malte Kühn mit umgedichteten Liedern an einer E-Orgel. Die Kindertollitäten traten ans Lesepult und ernteten Applaus, ehe sie mit ihren Begleitern aus der Kirche ausmarschierten. Auf sie wartete schon der nächste Auftritt in der St. Martin-Kirche. Fastnacht und Krieg – passt das zusammen? Für Pfarrer Graf ja: „Der Fastnachtsgottesdienst ist ja keine reine Tanzveranstaltung mit zotischen Witzen und lautem Trinkgelage. Im Gottesdienst sprechen wir den Ernst des Lebens mit Witz und Bedacht an und können dabei auch über manche Pointe lachen.“ In Predigt und Fürbitten ging es deshalb auch um die Kriegshandlungen in der Ukraine. Im Hinblick auf die anwesenden Kinder hüllte Pfarrer Graf kritisch-polemische Töne in bildhafte Kindersprache ein. Da wurde Putin zur wilden Sau, die in ein Land eingefallen ist; die deutsche Bundeswehr wurde zum Jäger, dessen Jägershelm das einzige ist, was noch funktioniert; und die internationale Bühne war der Schulhof, auf dem eine Clique von 30 Schulkindern zuschauten, wie ein Kind auf dem Schulhof verprügelt wird. Auf Biertischen hatte der Scheidterhof heißen Punsch, Kaffee und leckere Quarkbällchen angerichtet. Bei strahlendem Sonnenschein gab es so Gelegenheit, sich auszutauschen und den Gottesdienst noch mal Revue passieren zu lassen. Es gab wohl niemanden, der die Vorgänge in der Ukraine nicht im Hinterkopf hatte, aber den Entschluss, ein kleines bisschen Frohsinn zu verbreiten, nahmen alle gut auf. Auf die Frage, wie es denn gefallen habe, kam unter anderem die Antwort: „Sehr gut. Macht Appetit auf mehr“.

Danke für den närrischen Einsatz!