Allgemeine Berichte | 16.01.2024

Geschichten, die das Leben schrieb

„Erzähl noch mehr“

Gertrud Heckmann und Helene Seuter sind Ansprechpartnerinnen für den Gesprächskreis Generationentreff. Foto: Werner Dreschers

Adenau. Nach „Erzähl mal was“ stellt der Gesprächskreis Generationentreff in Trägerschaft des Generationenbüros der Verbandsgemeinde Adenau ein neues Buch vor. „Erzähl noch mehr“ heißt des neue Buch, es folgt auf den 2019 erschienenen Band. Damals nannte der Gesprächskreis sich noch „Die vergessene Generation – Kriegskinder“. Viele haben lange über ihre Erlebnisse geschwiegen. Nach dem Schweigen, nach dem vergeblichen vergessen Wollen, folgt das Erzählen, eine späte Aufarbeitung für die Betroffenen, sie wollen jetzt sprechen, und viel Wissenswertes für die heutige Generation kommt zutage.

Auch im aktuellen Band geht es um Geschichten, die das Leben geschrieben hat, bei der Präsentation im Foyer des Rathauses in Adenau wurden einzelne Erzählungen vorgetragen. Auf 124 teils bebilderten Seiten gehen die Ansprechpartnerinnen der Gruppe, Helene Seuter und Gertrud Heckmann, mit zahlreichen Mitautorinnen und -autoren auf Erlebtes ein. Es gibt diesmal mehr Autoren als in der Ausgabe von 2019.

Es war erneut eine Herzensangelegenheit sich der Niederschrift von bewegenden Geschehnissen zu widmen. Vieles soll der Nachwelt vermittelt werden, den Kindern und Enkeln, die teils nur noch einen vagen bzw. gar keinen eigenen Bezug zu dem Leben haben, das die Mitglieder des Gesprächskreises nachhaltig geprägt hat. Und so wundert es nicht, dass diese selbst sich auch gelegentlich Erinnerungen erst erneut ins Bewusstsein rufen mussten. Manchmal verdrängen die Menschen eben schlimme Begebenheiten, es mag helfen. War erstmal der Anfang zum Gespräch da, dann sprudelten allerdings manche Erzähler umso mehr über ihre Erlebnisse, Anstoß war gelegentlich die Vorlage von Fotos, Zeitungsausschnitten, Gesprächen untereinander; mosaikartig fügten sich die Gedanken und Erinnerungen schließlich zum Ganzen. Und manches ist recht emotional, verständlicherweise.

Es sind rund 75 Beiträge, die zusammen kamen, höchst unterschiedlicher Art. Bestürzendes, Besinnliches, Erfreuliches, stets abwechslungsreich, alles authentisch. „Manches war schlimm“ so die Erinnerung Einzelner, „gerade die entbehrungsreiche Zeit nach dem Krieg hat Spuren hinterlassen, der Verlust von Menschen kann sowieso nie vergessen werden“. Und gleichwohl enthält dieser Band neben vielen Erzählungen, die betroffen machen, auch Optimistisches, dies zeugt von einer gewissen Zuversicht, mit der die Protagonisten ihr Leben arrangiert haben. Liebhaber der Mundart kommen auf ihre Kosten. Und die Geschichte vom „Addene Jong“ hat ihren Platz im Buch gefunden. Selbst Mäusen ist ein Kapitel gewidmet, jedenfalls denen, die das Glockenseil in der St. Rochus Kapelle in Breidscheid durchgenagt haben und damit für eine Überraschung sorgten. Berührend auch die Erzählung von Gertrud Heckmann über einen gefundenen Teddybären, dem Gliedmaßen fehlten. „Der Bär war im Krieg und ist wieder da, aber viele andere nicht“, erst später verstand die damals Dreijährige den tröstend gemeinten Satz ihrer Mutter.

Wieder finden wahre Begebenheiten von Menschen, die in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg geboren sind, Platz zur Lektüre. Es sind Erlebnisse, die nicht nur in der Eifel, sondern auch in anderen Heimatorten passiert sind, manche Autoren hat es aus der ursprünglichen Heimat in die Hocheifel verschlagen. Sie leben gerne hier, haben Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis, sind seit Jahrzehnten integriert und gerne gesehen.

Die Mitglieder der Gruppe treffen sich einmal im Monat zum Gedankenaustausch. it, die teils keine war: Sie war von Not, von Angst, von Krieg und den Folgen geprägt, von der Vertreibung, auch die französische Besatzungszeit findet Nachhall. Den Autoren und Autorinnen fehlt die Unbekümmertheit der Kindheit, sie mussten ungewollt sehr früh erwachsen werden, ein prägendes Lebensgefühl, durchaus traumatisierend. Die vielleicht befreienden Erzählungen mögen dazu beitragen, dass die nachfolgenden Generationen, Kinder und Enkelkinder, aus dem Geschehenen lernen können. Lernen, dass ein Teil der deutschen Geschichte sich ni mehr wiederholen darf. Die Erinnerung sollen den Leserinnen und Lesern in der heutigen Zeit eine Orientierung geben. Überraschend, aber auch wohltuend für die Autoren, ist das Interesse der heutigen Generation, oft ist es gerade die Jugend, die sich für die Zusammenhänge und die geschichtlichen Ursachen der damaligen Entwicklung besonders interessiert, auch eben aus familiärem Interesse. Viel Detailarbeit steckt in dem Buch, anerkennenswerte Mühe, gelegentlich war es recht schwierig an Unterlagen zu kommen.

Mit einem weiteren Werk der Gruppe, bereits vor Jahren erschienen, hatte alles begonnen, es hieß „Blick in Mutters Kochtopf zu Hungerszeiten“. Vorgestellt wurde, wie in der Kriegs- und Nachkriegszeit mit einfachsten Mitteln trotz der Entbehrungen schmackhafte und appetitvolle Speisen und Backwaren hergestellt wurden. Das Buch ist seinerzeit im Selbstverlag erschienen, stark nachgefragt, mehrfach aufgelegt, vom Kreis mit dem Innovationspreis für Seniorenarbeit bedacht.

In Grußworten würdigte die Beigeordnete der Verbandsgemeinde Adenau, Andrea Knechtges, die Initiative das Buch herauszugeben. Sie dankte insbesondere auch dafür, dass der Gesprächskreis sich weiter intensiv um die Aufarbeitung von Erzählungen von früher kümmert. Ein herzlicher Dank galt den vielen Menschen und Institutionen, die mitgemacht haben, ohne ihre ideelle wie finanzielle Unterstützung hätte das Buch nicht veröffentlicht werden können. Genannt wurden das Generationenbüro, die Kreisverwaltung, das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung, der Rotary Club Adenau-Nürburgring, das Sozialkaufhaus Rias Fundgrube, die Kreissparkasse Ahrweiler und die VR Bank RheinAhrEifel eG. Und nicht zuletzt gilt herzlicher Dank dem Gesprächskreis Generationentreff selbst mit den Autorinnen und Autoren. Ein besonderer Dank ging an Jürgen Schwarzmann, der als ehemaliger Leiter des Generationenbüros mit Schwerpunkt Jugendarbeit der Verbandsgemeinde Adenau die Anfänge entscheidend begleitet hat.

Landrätin Cornelia Weigand begrüßte in ihrem Vorwort den intergenerativen Ansatz des Gesprächskreises, der sich als Dialogforum im ländlichen Raum etabliert hat, und dies seit bereits dreizehn Jahren. Mit den Berichten über persönliche und lokale Erlebnisse habe der Generationentreff sich einen guten Namen gemacht. Das Buch sei ein wertvoller Beitrag zum Verständnis der Generationen untereinander, auch ein Beitrag zur regionalen Historie.

Musikalisch umrahmt wurde die Buchvorstellung dankenswerterweise vom ökumenischen Chor Cantate, Dr. Gerhard Aymanns begrüßte die Herausgabe des gehaltvollen Buches und wünschte dem Autorenteam guten Verkaufserfolg.

Realisation und Herstellung: WTV Seuter CosmA GmbH, Peter Seuter, In der Holl 6, 53518 Adenau. GTIN: 4012864020236. Das Buch ist im örtlichen Buchhandel und über Mitglieder der Gruppe sowie bei den Banken und im Adenauer Rathaus zu einem Preis von 14,50 Euro zu erwerben. Der Erlös dient sozialen Zwecken. WD

Gertrud Heckmann und Helene Seuter sind Ansprechpartnerinnen für den Gesprächskreis Generationentreff. Foto: Werner Dreschers

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