Fachwerkhaus aus dem Jahr 1780 wird aufwendig zum Gästehaus saniert/renoviert
Es muss nicht immer Abriss sein
Walporzheim. Vor über drei Jahren haben Carmen und Wolfgang Josten in ihrem Heimatort eines der ältesten noch im Ort verbliebenen Fachwerkhäuser aus dem Jahr 1780 - das ehemalige Anwesen „Barrenstein“ - direkt neben der denkmalgeschützten Walporzheimer „St. Josef Kapelle“ erworben.
Bei allen ihren Freunden und Bekannten, die von diesem Hauskauf erfuhren, war die einhellige Meinung: „Reißt den alten Kotten ab“ und baut was vernünftiges Neues dahin. Aber ein Abriss kam für sie nicht in Frage!
Zu viele historische Gebäude sind in jüngster Vergangenheit für immer aus dem Stadtbild von Bad Neuenahr-Ahrweiler verschwunden und wurden durch moderne Eigentumswohnungs-„Bunker“ ersetzt. Von Anfang an stand für sie fest, dass ein Abriss des äußerlich sehr schönen Fachwerkhauses auf keinen Fall in Betracht kommen würde, auch wenn es aus rein wirtschaftlichen Erwägungen sehr wahrscheinlich der vernünftigste Weg gewesen wäre.
Einmalige Atmosphäre
Ziel ist es aus dem alten Fachwerkhaus ein hochwertiges Gästehaus entstehen zu lassen, wobei sie hoffen, im alten Fachwerk eine einmalige Atmosphäre für ihre Gäste erschaffen zu können. Das direkt an der Straße liegende und das Ortsbild von Walporzheim seit 1780 mitprägende alte Fachwerkhaus wollten Jostens unbedingt in seiner Bausubstanz erhalten bzw. sogar den ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Dieser Ansatz hat zur Folge, dass die derzeitigen, nicht zum Fachwerk passenden, Kunststofftüren und Fenster durch passende Holzsprossenfenster ersetzt werden sowie die morschen Fachwerk-Teile im westlichen Bereich des Gebäudes (Wetterseite) ausgetauscht werden. Darüber hinaus wird u.a. ein neuer Dachstuhl mit entsprechender Dacheindeckung aufgesetzt. Der im hinteren Grundstücksbereich stehende „modernere“ Anbau soll zukünftig für ihre Kinder als Wohnraum genutzt werden.
Die Planungen erfolgten in enger Absprache mit den Bau-/Kultur- und Denkmalbehörden der Kreis- und Stadtverwaltung, da eine Aufnahme des aufwendigen Projektes ins Dorferneuerungsprogramm des Kreises Ahrweiler beantragt wurde.
Im Januar 2020 (noch vor dem „Corona“-Shutdown) starteten Jostens unter Anleitung des versierten Statikers Stefan Kastenholz aus Rech, der selbst das Handwerk des Zimmermanns von der Pike auf gelernt hat, und somit prädestiniert für das Projekt ist, mit der Entkernung des alten Fachwerks. Hierbei wurde im Familienverbund die Decke des Obergeschosses herausgenommen sowie der marode Kamin und das morsche, innerhalb des Gebäudes befindliche Fachwerk in tagelanger „Drecksarbeit“ entfernt. Eigentlich blieb kein Stein auf dem anderen stehen.
Für die Renovierung/den Austausch der im Laufe der Jahrhunderte stark in Mitleidenschaft gezogenen Fachwerk-Gefache an der Wetterseite des Gebäudes konnten sie den mit 30 Jahren noch recht jungen, aber im Bereich Fachwerk bereits sehr erfahrenen Zimmermann Kevin Schmitz aus Wald bei Bad Münstereifel gewinnen.
Schmitz hat bereits in der historischen Innenstadt von Bad Münstereifel diverse Fachwerkarbeiten durchgeführt und man merkte vom ersten Gespräch an, dass er sehr viel Herzblut in das Projekt einbringen würde, was für die Durchführung dieses Projektes von elementarer Bedeutung ist. In der vergangenen Woche hat Kevin Schmitz nun mit toller Handwerksarbeit die Arbeiten ausgeführt, so dass vermutlich schon im Juli der neue Dachstuhl aufgesetzt werden kann.
KG
