Verein Zehnthaus Swisttal-Odendorf/Essig
Essen als Zeichen kultureller Zugehörigkeit und Identität
Swisttal-Odendorf. Essen ist ein zentrales Kulturelement. Im Alltag ist den Menschen oft nicht bewusst, wie stark Nahrungsmittel und Mahlzeiten von kulturellen Strukturen geprägt sind, auch von der Religion. Auf Einladung des Vereins Zehnthaus Swisttal-Odendorf/Essig berichtete Dr. Dagmar Hänel vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) über Speiseregeln unserer Mitmenschen jüdischen und muslimischen Glaubens.
Nach einer kurzen Vorstellung des LVR und seiner Aufgaben leitete Hänel zügig über zum Essen als Zeichen kultureller Zugehörigkeit und Identität. Danach ist die Mahlzeit bei Juden und Muslimen in der Regel nicht nur ein Zusichnehmen von Nahrungsmitteln, sondern zugleich zentrale soziale und kulturelle Institution. Sie sei meist geprägt vom gesellschaftlichen Status, von Geschlechterrollen, Gruppenstrukturen und auch Hierarchien und forme so eine (rituelle) Gemeinschaft. Dabei muss das, was auf den Tisch kommt, bei den Juden koscher und bei den Muslimen halal, also „rein“, „richtig“, „zugelassen“ sein.
Schweinefleisch zum Beispiel ist unrein, darf also nicht verwendet werden. Die zu beachtenden Regeln beginnen schon beim Einkaufen und Lagern der Lebensmittel und reichen bis zur Zubereitung der Speisen. So dürfen zum Beispiel Milch und Fleisch nicht gemeinsam gelagert werden, auch wenn jedes für sich rein ist. Küchengeräte und Geschirr dürfen nicht gleichzeitig für „Milchiges“ und „Fleischiges“ verwendet werden. Eigentlich müssten separate Küchen für Milchiges und Fleischiges eingerichtet werden, was aber regelmäßig nicht realisiert werden kann und daher auch so toleriert wird. Größere Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäuser oder Altenheime haben oft einen „Maschgiach“ oder „Kaschrut“, einen Beauftragten für die Einhaltung der Regeln. Formale Sanktionen gegen Regelverstöße gibt es nicht, können sich aber im mitmenschlichen, gesellschaftlichen Umgang miteinander auswirken.
In der anschließenden Diskussion wurden immer wieder die Gründe für die manchem Zuhörer fremd und unverständlich erscheinenden Regeln hinterfragt. Großes Erstaunen zeigte sich dann, wenn als Quelle der jeweiligen Regel die auch dem Christentum zugrunde liegende Bibel genannt wurde.
