Einstandortlösung des Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein vollendet
Ev. Stift St. Martin wird zum Gesundheitscampus der südlichen Vorstadt
Koblenz. Eine abschließende am 27. April um 19.10 Uhr getroffene Entscheidung der Gesellschafterversammlung des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein (GKM) veranlasste dessen Vorsitzenden Hans-Jürgen Gutenberger, den Aufsichtsratsvorsitzenden und Koblenzer Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig an seinem letzten Arbeitstag sowie die beiden Geschäftsführer des Klinikums Dr. Moritz Hemicker und Martin Stein am 30. April im Stiftsgebäude St. Martin vor die Presse zu treten, um diese für den Gesundheitsstandort Koblenz mehr als weitreichende Entscheidung freudig überzeugt zu verkünden.
Worum ging es?
Im Rahmen der zum 1. Januar 2014 durchgeführten Fusion von fünf Kliniken zum GKM hatte man sich auf Basis eines medizinischen Konzeptes aus verschiedenen Gründen für die Zweistandortlösung, das heißt den Erhalt und die Sanierung der beiden Koblenzer Betriebsstätten Kemperhof und Ev. Stift St. Martin entschieden. Ende 2016, solange grundsätzlich noch in beide Richtungen gegangen werden konnte, wurde diese Entscheidung noch einmal überprüft. Im Ergebnis überwogen sowohl medizinische als auch ökonomische Synergien bei einer Einstandortlösung deutlich, die daher von der Geschäftsleitung empfohlen wurde.
Bereits früh zeigte sich auch das Land Rheinland-Pfalz grundsätzlich davon überzeugt, dass eine Einstandortlösung in Koblenz zu bevorzugen sei. Dies selbst dann, wenn es anfänglich zu erhöhten, förderfähigen Investitionen führt. Die ursprüngliche Landesförderung bei der Zweistandortlösung betrug rund 67 Millionen Euro und erhöhte sich nach Gesprächen über die Vorteile der Einstandortlösung auf über 100 Millionen Euro der Gesamtbaukosten von rund 190 Millionen Euro. Die zu tragenden Kosten des GKM erhöhen sich damit nur „relativ geringfügig“, versprechen aber über die Zeit erhebliche finanzielle Einsparungen, die der kaufmännische Geschäftsführer Martin Stein mit mindestens 7,5 Millionen Euro jährlich beziffert.
Konzept für die Nachnutzung gefordert
Die entwickelte Bauplanung der Geschäftsführung beschreibt eine Lösung, die die kompletten medizinischen Inhalte der beiden heutigen Standorte auf dem Gelände des Standortes Moselweiß zusammenführt. Im Gründungsvertrag des GKM wurde jedoch vereinbart, dass jeder Gesellschafter – das sind die Stiftung Ev. Stift St. Martin, die Stadt Koblenz, der Landkreis Koblenz-Mayen, die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Boppard, die Stiftung Seniorenhaus zum Heiligen Geist Boppard und die Diakoniegemeinschaft Paulinenstift Wiesbaden – für „seinen Standort“ Sonderrechte genießt. So besitzt er jeweils ein Vetorecht gegen die Schließung seines Standortes als Krankenhausbetrieb. Die Stiftung Ev. Stift Sankt Martin hatte bereits angekündigt, die als sinnvoll erachtete Einstandortlösung zu unterstützen. Sie würde jedoch nur dann auf ihr Vetorecht verzichten, wenn ein geeignetes Nachnutzungskonzept vorgestellt wird. Dabei muss sie sicherstellen, dass nicht gegen den Stiftungszweck verstoßen wird und ihr Stiftungsvermögen erhalten bleibt. Und diese Lösung wurde jetzt gefunden, wie der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung des GKM Hans-Jürgen Gutenberger verkündete, der gleichzeitig Vorsitzender des Verwaltungsrates und des Kuratoriums der Stiftung Ev. Stift St. Martin ist. „Es waren schon sehr emotionale Entscheidungen für die Stiftsfamilie“, so Gutenberger, „die nur wegen der diakonischen Ausrichtung des GKM so getroffen werden konnten und damit im Sinne der ursprünglichen Idee des Stifts.“
Das Nachnutzungskonzept der Geschäftsführung sieht nach vollendetem Umzug der Kliniken nach Moselweiß frühestens 2023 vor, den Stift als Gesundheitscampus Südliche Vorstadt mit seiner Vielfalt an ambulanten Angeboten aus ambulanter Medizin, Prävention und Rehabilitation sowie Seniorenwohnen und -pflege auszuweiten und zu ergänzen. „Das Konzept stellt nicht nur eine ideale Ergänzung und Erweiterung der Schwerpunkte dar, welche die Stiftung schon heute in der Vorstadt neben dem Krankenhaus hat“, betont Verwaltungsratsvorsitzender Gutenberger, „sondern wird vielmehr als ein ganzheitliches Betreuungsangebot für Senioren auch den Gesundheitsstandort Koblenz erheblich stärken.“
„Es ist für mich persönlich ein schöner Tag und eine glückliche Fügung, dieses Projekt auf die Spur gebracht zu haben“, formulierte es Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und meinte dabei keineswegs den letzten Tag seiner Amtszeit als Koblenzer Oberbürgermeister. Die Fusion der fünf Kliniken und besonders die Finalisierung der Einstandortlösung des Kemperhofes mit dem Stift in Moselweiß hatten in letzter Zeit zehn bis 20 Stunden seiner wöchentlichen Arbeitszeit gebunden. Feste Überzeugung des scheidenden Oberbürgermeisters ist, dass es dem Gemeinschaftsklinikum nach der Investition von rund 200 Millionen Euro wirtschaftlich gut gehen werde, wovon auch alle anderen Standorte profitieren werden. „Wenn es der Mutter gut geht, geht es auch den Töchtern gut“, sinnierte der Stadtchef wenige Stunden vor seinem Ausscheiden und verwies darauf, dass die Bundeswehr schon lange nicht mehr die meisten Arbeitsplätze in Koblenz stelle, sondern inzwischen die Gesundheitsbranche.
Es entsteht ein Haus der Maximalversorgung mit über 800 Betten
Für die Geschäftsführer Dr. Moritz Hemicker und Martin Stein stehen nach den Entscheidungen der Gremien jetzt die Bauplanungen auf dem Gelände in Moselweiß im Vordergrund ihrer Tätigkeit. „Die Zusammenführung der Leistungsspektren und des Personals an einem Standort wird nicht einfach werden“, war sich Dr. Hemicker der vor ihm liegenden Aufgaben bewusst. Dabei hielt aber gleichzeitig die Patientenversorgung für besser möglich, wenn alle Fachleute am Ort sind. „Die strategische Bedeutung der durch zwei kommunale und vier kirchliche Träger getroffenen Entscheidungen zur Einstandortlösung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, versicherte Geschäftsführer Martin Stein, „es entsteht ein Haus der Maximalversorgung mit über 800 Betten.“ Die Planungen zwischen Altem und Neuem in Moselweiß, die vorwiegend die Bettenhäuser betrifft, sind nach übereinstimmender Überzeugung der beiden Geschäftsführer gut gelungen und kommen einem reinen Neubau nahe.
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Geschäftsführer Martin Stein, Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Hans-Jürgen Gutenberger als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und Geschäftsführer Dr. Moritz Hemicker verkündeten eine für den Gesundheitsstandort Koblenz mehr als weitreichende Entscheidung des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein.Foto: WE
