Allgemeine Berichte | 22.04.2024

28. Bendorfer Wirtschaftstag

Fachkräfte im Fokus der Zukunft

Moderator Daniel Robbel stellt in der Fragerunde gezielte Fragen an führende Wirtschaftsakteure zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Fotos: ND

Bendorf. Zum diesjährigen Wirtschaftstag lud die Stadt zahlreiche Gäste in die Krupp´sche Halle der Sayner Hütte ein. Das Event stand unter dem Leitmotiv „Fachkräfte im Fokus, Perspektiven für die Zukunft“. Hauptrednerin war Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, mit dem Thema „Stellschrauben gegen Fachkräftemangel“. Journalist und Autor Daniel Robbel führte die anwesenden Gäste durch ein Programm, das das drängende Thema unserer Zeit aufgriff. Gemeinsam begrüßte er mit Bürgermeister Christoph Mohr die rund 160 interessierten Gäste. In seiner Ansprache betonte der Bürgermeister die zentrale Bedeutung der Fachkräftethematik. Er betonte, dass eine effektive Wirtschaftsförderung den unmittelbaren Dialog mit den ortsansässigen Unternehmen einschließt. Seine zahlreichen Besuche bei lokalen Firmen haben ihm gezeigt, dass der Fachkräftemangel aktuell als größte Herausforderung angesehen wird. Landrat Alexander Saftig unterstrich die Wichtigkeit, die gesellschaftlichen Veränderungen und Entwicklungen zu analysieren, die maßgeblich zum gegenwärtigen Fachkräftemangel beigetragen haben. Nur auf diese Weise werden wir in der Lage sein, die Zukunft zu gestalten.

Stellschrauben gegen Fachkräftemangel

Andrea Nahles thematisierte die drängenden Herausforderungen des deutschen Arbeitsmarktes und stellte Lösungsansätze vor, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Zunächst beleuchtete sie die Prognosen, dass Deutschland bis 2035 durch Ruhestand rund 7,5 Millionen Arbeitskräfte verlieren wird, und betonte die Notwendigkeit, diese sowohl durch inländisches Potential als auch durch Zuwanderung zu ersetzen. Nahles hob hervor, dass ein signifikanter Teil des inländischen Potentials in der Aktivierung von Jugendlichen, Frauen und älteren Menschen liegt. Bei Jugendlichen sieht sie die Notwendigkeit, durch verbesserte Berufsberatung und die Stärkung der dualen Ausbildung, falsche Vorstellungen und Unsicherheiten zu überwinden. Hierbei spielten digitale Elternabende eine Schlüsselrolle, da sie es ermöglichen, Eltern als wichtige Berufsberater zu involvieren und umfassend zu informieren. Für Frauen schlug sie vor, die Arbeitsbedingungen so anzupassen, dass sie ihre Arbeitszeiten ausweiten können, besonders nach der Familienphase. Hier sei es auch die Aufgabe der Arbeitgeber, die Frauen positiv anzusprechen und ihnen Mut zu machen. Auch das Potential bei den älteren Menschen wächst. „1,4 Millionen Menschen arbeiten am Ende freiwillig weiter“, so Nahles. Die meisten davon bleiben sogar weiterhin in derselben Firma, allerdings nicht mehr in Vollzeitbeschäftigung. Für diese Arbeitskräfte wären flexible Arbeitsmodelle denkbar, die es ihnen ermöglichen, auch nach dem Renteneintritt weiterhin aktiv zu bleiben.

Darüber hinaus thematisierte Andrea Nahles die Automatisierung als eine wesentliche Strategie, um die durch demografische Veränderungen entstehenden Lücken zu schließen. Sie erklärte, dass die Integration moderner Technologien in deutsche Unternehmen essenziell sei, um den Arbeitskräftemangel zu mildern.

Ein weiteres wesentliches Element in der Strategie zur Bewältigung des Fachkräftemangels ist die Zuwanderung. Deutschland profitiert von dem System der dualen Ausbildung und der Studiengebühr freien Hochschulbildung und macht es als Arbeitsort besonders attraktiv. Zudem trägt das neue Einbürgerungsgesetz dazu bei, die Integration zu erleichtern. Mittlerweile arbeiten in Deutschland 5,5 Millionen Menschen ohne deutschen Pass.

Strategien und Initiativen der Wirtschaftsakteure gegen den Fachkräftemangel

Abschließend richtete Moderator Daniel Robbel gezielte Fragen an führende lokale Wirtschaftsakteure, die sich mit zentralen Herausforderungen ihrer Unternehmen und der Region auseinandersetzten. Er erkundigte sich bei Fabian Baldus von der Baldus Medizintechnik nach den Strategien zur Überwindung des Fachkräftemangels in der Medizintechnikbranche und wie sein Unternehmen sich als attraktiver Arbeitgeber positioniert. Fabian Baldus hob hervor, wie wichtig Marketingstrategien sind, um sein Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren, und er betonte dabei die Vorteile des Standorts Bendorf.

Bei Dr. Matthias Liersch von der KANN GmbH Baustoffwerke lag der Fokus auf dem Engagement für Nachhaltigkeit innerhalb seiner Firma und dessen Bedeutung für die Mitarbeiterbindung. Dr. Matthias Liersch erläuterte, dass das Engagement seines Unternehmens in Sachen Nachhaltigkeit nicht nur zukunftssichernd wirke, sondern auch positiv von den Mitarbeitenden aufgenommen werde, was zur Mitarbeiterbindung beitrage.

Rita Emde wurde nach den spezifischen Maßnahmen gefragt, die die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ergreift, um Fachkräfte für die Region zu gewinnen. Rita Emde stellte zwei Initiativen vor: die Fachkräfteallianz, ein Netzwerkverband, in dem Akteure wie die Agentur für Arbeit, die IHK, die Handwerkskammer, die Kreishandwerkerschaft, der Arbeitgeberverband und der DGB gemeinsam agieren sowie das Projekt „MYK auf Zack“, welches speziell auf die Gewinnung von Fachkräften in der Region abzielt.

Diese Beiträge zeigten deutlich, wie aktiv und innovativ die Region auf die Herausforderungen des Fachkräftemangels reagiert.

Für die wertvollen Einsichten über die Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel dankt Bürgermeister Christoph Mohr Andrea Nahles mit einem Blumenstrauß.

Für die wertvollen Einsichten über die Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel dankt Bürgermeister Christoph Mohr Andrea Nahles mit einem Blumenstrauß.

Hauptrednerin Andrea Nahles erörtert beim Bendorfer Wirtschaftstag Maßnahmen und Strategien, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Hauptrednerin Andrea Nahles erörtert beim Bendorfer Wirtschaftstag Maßnahmen und Strategien, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Moderator Daniel Robbel stellt in der Fragerunde gezielte Fragen an führende Wirtschaftsakteure zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Fotos: ND

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