Kindertagesstätten Bedarfsplan 2024: Es fehlen 336 Plätze
Fachkräftemangel wird zunehmend zum Problem
Neuwied. Mit der Kindertagesstätten Bedarfsplanung stand ein Dauerbrenner auf der Agenda der letzten Stadtratssitzung. Seit Jahren hinkt das Angebot der Nachfrage nach Kita-Plätzen hinterher. Bürgermeister Peter Jung berichtete von 336 fehlenden Plätzen. Eine nur unwesentliche Verbesserung zu 2022, als es an 345 Plätzen mangelte. Der Stadtrat stimmte der Beschlussvorlage, hinsichtlich einiger Bauvorhaben, zu. Nach einer Erhebung aus dem Frühjahr leben 4.270 Kinder im Alter zwischen 0 und 6,5 Jahren in der Stadt Neuwied. Ihnen stehen 36 Kindertagestätten mit rund 3.000 Plätzen zur Verfügung. „Wir verzeichnen einen großen Anstieg für Plätze über zwei Jahre“, sagte Peter Jung. Er sprach von einer erfreulichen Entwicklung. Diese auch vor dem Hintergrund, dass der Besuch der Kita, im Jahr vor der Einschulung, ein landespolitischer Wunsch ist. Der Ausbau der Kita-Plätze stellt die Stadt Neuwied vor Herausforderungen. Der Bürgermeister nannte Investitionen in alte und zunehmend renovierungsbedürftige Gebäude sowie den Fachkräftemangel. Letzterem begegne die Stadt Neuwied mit neuen Ansätzen, die dazu führen, dass es zumindest aktuell in den städtischen Kitas keine signifikanten Vakanzen gebe. Dazu zählen Vertretungskräfte ohne pädagogische Ausbildung, Praktikanten und Teilzeitausbildungen. „Wir werden hinsichtlich des Personalerhalts und Gewinnung nicht nachlassen“, versicherte Peter Jung. Er verwies auf Fort- und Weiterbildung sowie Schnuppertage. Gleichzeitig bedauerte er, dass von der Politik angelegte Imagekampagnen für den Erzieherberuf bislang keine Früchte trage. Auf kommunaler Ebene sei es in Kooperation mit dem Kreis immerhin gelungen, die Sach- und Geldleistungen für Mitarbeitende der Tagespflege zu erhöhen. In der Kindertagespflege sieht Peter Jung einen Weg neuer Betreuungsplätze. Als positives Beispiel nannte er die Kindertagespflege „Deichkinder“, die bis zu 16 Kindern in der Marktstraße, zwischen 7.00 und 17.00 Uhr, flexible Betreuungszeiten anbietet. „Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein aber ein erster und wichtiger Schritt“, kündigte der Bürgermeister an. Denn der Aus- und Neubau von Kitas bedürfte Zeit und sei keinesfalls „über Nacht“ möglich. Peter Jung zählte eine ganze Reihe von Maßnahmen auf. Darunter den Ausbau der AWO-Einrichtungen am Schlosspark und in der Andernacher Straße. Ebenfalls die Kita Neubauten in Oberbieber, Feldkirchen und im Raiffeisenring. Hinzu kommen Waldkitas in Segendorf und Oberbieber mit insgesamt 40 Plätze. 35 Plätze könnten perspektivisch im Kastanienhof entstehen, wo ein privater Investor ein Bauvorhaben mit multipler Nutzung umsetzen wird. Insgesamt summieren sich die geplanten Plätze kurz-, mittel- und langfristig auf 275.
Fraktionen äußern sich positiv
Joachim Adler (Bündnis 90/Die Grünen) war angesichts der langen Liste an Vorhaben voll des Lobes und stellte einen klaren Unterschied zu früheren Jahren fest. Damals sei es zum Leben zu viel und zum Sterben zu wenig gewesen. Zu verdanken sei die positive Entwicklung der letzten Mehrheitskoalition aus CDU, FWG und Bündnis 90/Die Grünen. Aber auch den Bürgern, die mit einer massiven Erhöhung der Grundsteuer ihren Teil leisteten. Seinerzeit schloss die Stadtverwaltung einen Deal mit der ADD, wonach die Aufsichtsbehörde der überschuldeten Stadt den Haushalt und neue Investitionen genehmigt, wenn die Einnahmenseite deutlich verbessert wird. Im Ausbau der Kita-Plätze sieht Joachim Adler zudem einen klaren Standortvorteil für Neuwied. Schließlich halten junge Familien nach einer guten Betreuungssituation Ausschau.
Zurückhaltender äußerte sich Janick Helmut Schmitz (SPD). Bemühungen seien zwar erkennbar, die Situation sei aber ähnlich wie vor 2 Jahren. Den Sozialdemokraten wurmt die hohe Zahl von 135 fehlenden Plätzen in der Innenstadt. Gleichwohl seien reduzierte Platzangebote in den Einrichtungen dem Personalmangel geschuldet. Janick Helmut Schmitz ermunterte die Stadt weiter kreative und unkonventionelle Wege zu beschreiten und den Ausbau von Kita-Plätzen zu priorisieren. Wichtig sei es früh genug, die neuen Wohnquartiere im Jachthafen und auf den ehemaligen Rasselstein bzw. Boesner Geländen bei den Planungen zu berücksichtigen.
Karl-Josef Heinrichs (FWG) würdigte, dass der Ausbau erhöht wurde, aber am Ziel sei man noch nicht. Perspektivisch müsse von weiter steigenden Bedarfen ausgegangen werden. Die Personalsituation erachtet der Irlicher kritisch. Es gebe mehr Fluktuation und es werde immer schwerer geeignetes Personal zu finden. Der Beruf müsse dringend attraktiver gemacht werden. Als weitere Herausforderung sieht er die Investitionen. 37 Mio. Euro, davon 21 Mio. Euro von der Stadt Neuwied zu schultern, Korrekturen nach oben möglich, seien notwendig. Mehrkosten entstünden durch steigende Raumbedarfe sowie dem neuen Gesetz, nachdem Kinder, die über Mittag bleiben, ab dem Jahr 2028 ein Mittagessen angeboten werden muss.
FF
